Business & Beyond Nackt-Politik: Wie ein Stadtrat Mannheims Finanzen mit Swinger-Tourismus retten will

Nackt-Politik: Wie ein Stadtrat Mannheims Finanzen mit Swinger-Tourismus retten will

Mannheim als „kleine Schwester von Cap d’Agde“

Ferrats Vision für seine Heimatstadt ist konkret: Ein FKK-Swinger-Dorf für 1000 bis 2000 Besucher soll in Mannheim entstehen. „Langfristiges Ziel ist, Mannheim als kleine Schwester von Cap d’Agde zu vermarkten“, so der 34-Jährige laut „Zeit“. Er sieht darin „großes touristisches Potenzial“ und eine Möglichkeit, Mehreinnahmen zu generieren, ohne Bürger mit Steuererhöhungen zu belasten.

Der Sozialwissenschaftler hat die Marktentwicklung genau analysiert: „Der FKK-Tourismus nimmt ab, der Swinger-Tourismus jedoch zu“, berichtet die „Stuttgarter Zeitung“. Seine Schlussfolgerung: „Hedonistische Swinger lassen zudem tendenziell mehr Geld da als naturverbundene Nudisten.“ Die Kombination aus beiden Zielgruppen sei laut ortsansässigen Gewerbetreibenden in Frankreich das Erfolgsrezept.

Business Punk Check

Ferrats Nackt-Wirtschaftskonzept ist mehr als nur PR-Gag – es enthält tatsächlich solide ökonomische Überlegungen. Nischentourismus kann lukrative Einnahmequellen erschließen, die konventionelle Stadtplanung übersieht. Die Zahlen aus Frankreich sprechen für sich. Dennoch: In Deutschland fehlen rechtliche Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Akzeptanz für solche Projekte.

Ferrats größtes Problem: Er hat keine Mehrheit im Stadtrat und bisher zeigt niemand in Mannheim Interesse an seiner Vision. Die eigentliche Innovation liegt nicht im Swinger-Konzept, sondern im Mut, unkonventionelle Wirtschaftsmodelle gegen den Mainstream zu denken. Kommunen könnten von dieser Denkweise profitieren – auch mit weniger kontroversen Nischenangeboten.

Häufig gestellte Fragen

  • Könnte das französische Modell wirklich in deutschen Kommunen funktionieren?
    Rechtliche Hürden und kulturelle Unterschiede erschweren eine direkte Übertragung. Erfolgreicher wären angepasste Konzepte, die lokale Besonderheiten berücksichtigen und weniger kontroverse Nischenangebote entwickeln.
  • Welche alternativen Nischenkonzepte könnten Kommunen zur Einnahmesteigerung nutzen?
    Spezialisierte Kultur-, Gesundheits- oder Technologietourismus-Angebote bieten ähnliche wirtschaftliche Potenziale bei geringerer gesellschaftlicher Kontroverse. Entscheidend ist die langfristige Planung statt kurzfristiger Sparmaßnahmen.
  • Was können Kommunalpolitiker aus Ferrats Ansatz lernen?
    Unkonventionelles Denken und Mut zu Nischenstrategien können neue Einnahmequellen erschließen. Wichtig ist eine solide wirtschaftliche Analyse und die Anpassung an lokale Gegebenheiten – unabhängig vom konkreten Thema.
  • Wie könnten Städte mit knappen Kassen von langfristigen Investitionen profitieren?
    Statt Sparmaßnahmen sollten Kommunen in spezialisierte Infrastruktur investieren, die Alleinstellungsmerkmale schafft. Der Fokus auf langfristige Entwicklung über Jahrzehnte statt kurzfristiger Haushaltsplanung kann nachhaltigere Einnahmen generieren.

Quellen: „Bild“, „Stuttgarter Zeitung“

Seite 2 / 2
Vorherige Seite Zur Startseite

Das könnte dich auch interessieren