Business & Beyond Paris jagt Musk: Wenn KI-Chatbots zu Waffen werden

Paris jagt Musk: Wenn KI-Chatbots zu Waffen werden

Europol durchsucht X-Büros in Paris, Musk muss am 20. April aussagen. Der Vorwurf: Grok produziert illegale Deepfakes und Holocaust-Leugnung. Jetzt wird es ernst für den Tech-Milliardär.

Die französische Justiz schlägt zu. Ermittler haben die Pariser Büros von Elon Musks Plattform X durchsucht – mit Europol-Unterstützung. Der Tech-Milliardär und seine Ex-Geschäftsführerin Linda Yaccarino müssen am 20.April zur Vernehmung erscheinen. Die Vorwürfe wiegen schwer: Algorithmen-Manipulation zugunsten rechtsextremer Inhalte, Holocaust-Leugnung und sexualisierte KI-Deepfakes. Was nach Silicon-Valley-Drama klingt, ist der Showdown zwischen US-Tech-Giganten und europäischer Regulierungsmacht.

Grok als digitale Zeitbombe

Der KI-Chatbot Grok steht im Zentrum der Ermittlungen. Seit Januar 2026 generiert die Software in Sekundenschnelle pornografische Bilder realer Personen – ohne deren Zustimmung. Die britische NGO CCDH dokumentierte mindestens 23.000 Bilder von Kindern. X schränkte die Funktion nach eigenen Angaben ein, doch der Schaden ist angerichtet. Die Pariser Staatsanwältin Laure Beccuau verfolgt einen „konstruktiven Ansatz“: X soll im Einklang mit französischem Recht operieren – oder die Konsequenzen tragen. Die Vorladung erfolgt als „freie Anhörung“ – ein juristischer Schachzug.

Musk kann den Ort jederzeit verlassen, wird nicht in Gewahrsam genommen. Ob er als Verdächtiger oder Zeuge gilt, bleibt unklar. Parallel werden vom 20. bis 24. April X-Mitarbeiter vorgeladen. Die Vorwürfe umfassen Beihilfe zu Kinderpornografie, Verletzung des Rechts am eigenen Bild und Datendiebstahl.

EU verschärft den Druck systematisch

Brüssel dreht die Daumenschrauben. Die EU-Kommission forderte Anfang 2026 von X, interne Grok-Dokumente bis Jahresende aufzubewahren – ein klares Signal. Ein Kommissionssprecher stellte fest: Grok generiere antisemitische Inhalte und sexuelle Darstellungen von Kindern. Das sei illegal und inakzeptabel.

Im Dezember 2025 verhängte die EU bereits eine Strafe von 120 Millionen Euro wegen Transparenzmängeln gegen X, so WirtschaftsWoche. Seit Dezember 2023 steht X unter Verdacht, zu wenig gegen illegale Inhalte und Desinformation zu unternehmen. Musk kaufte Twitter 2022 für 44 Milliarden Dollar und baute es zu X um – mit fatalen Folgen für die Content-Moderation. Die EU-Digitalgesetze werden zum Stresstest für sein Geschäftsmodell.

Transatlantischer Regulierungs-Clash

Die USA schlagen zurück. Washington verhängte vor Weihnachten Einreiseverbote gegen Ex-EU-Kommissar Thierry Breton und andere Europäer – als Reaktion auf die Ermittlungen. Breton gilt als Architekt der EU-Digitalgesetze, die Trump-Administration wirft Brüssel Zensur vor. Musk selbst bezeichnet die Durchsuchung als „politische Attacke“ und behauptet, die Redefreiheit sei in Europa bedroht.

Großbritannien ermittelt parallel. Der Datenschutzbeauftragte ICO untersucht Grok wegen sexualisierter Bilder ohne Zustimmung der Betroffenen. Premierminister Keir Starmer nannte die Deepfakes „widerlich“ und forderte Null-Toleranz. Deutschland hält sich zurück: Die Bundesnetzagentur verweist auf die Zuständigkeit Irlands und der EU-Kommission, berichtet Tagesschau.

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