Business & Beyond Prognose verdoppelt, Problem bleibt: Deutschlands Wachstum hängt am Staat

Prognose verdoppelt, Problem bleibt: Deutschlands Wachstum hängt am Staat

Starke Exporte und ein ausgebliebener Energieschock treiben die Zahlen

Ausschlaggebend für die Korrektur waren laut DIW vor allem ein im Frühsommer unerwartet kräftiger Außenhandel und ein Energiepreisschock infolge des Iran-Kriegs, der deutlich geringer ausfiel als befürchtet. Nagel bestätigt dieses Bild: Die Exportzahlen seien „recht solide“ gewesen, die Auftragseingänge in der Industrie „ordentlich“.

Nach revidierten Destatis-Daten wuchs die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal 2026 um 0,3 Prozent zum Vorquartal, nachdem sie zum Jahresstart 2026 um 0,4 Prozent zugelegt hatte. Beide Institute betonen, dass eine jüngste Datenrevision eine stärkere konjunkturelle Dynamik seit Ende 2023 zeigt als bislang angenommen. Die reale Wirtschaft hat sich demnach robuster entwickelt, als die Modelle im Frühjahr unterstellten.

Fratzscher warnt vor der falschen Lesart einer sicheren Wende

DIW-Präsident Marcel Fratzscher formuliert die Kernbotschaft selbst zweigeteilt: „Die deutsche Wirtschaft steht vor einer möglichen Trendwende zu stärkerem Wachstum in den kommenden zwei Jahren“, sagt er laut Google News Wirtschaft, warnt aber zugleich, dieser Aufschwung dürfe „nicht als gesicherte Wende interpretiert werden“. Rund 70 Prozent des Wachstums gehen laut Fratzscher auf öffentlichen Konsum und staatliche Investitionen zurück, etwa in Klimaschutz, Infrastruktur und Verteidigung. Die private Binnennachfrage bleibe die größte Schwachstelle.

Private Investitionen reichten weiterhin nicht aus, um die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit Deutschlands nachhaltig zu stärken, mahnt der DIW-Chef. Eine Eskalation im Nahen Osten oder neue Handelskonflikte könnten die Erholung jederzeit wieder bremsen.

Business Punk Check

Fakt ist: Beide Prognoseinstitute haben ihre Zahlen fast synchron deutlich nach oben korrigiert, das ist belegt und ungewöhnlich. Interpretationssache ist, ob das eine echte „Trendwende“ markiert, wie Fratzscher es vorsichtig formuliert, oder nur eine Verschnaufpause auf staatlichem Kredit.

Denn die Wachstumstreiber sind fast ausschließlich öffentliche Ausgaben, nicht private Unternehmen, die investieren. Offen bleibt, was passiert, wenn die Sondervermögen für Klimaschutz und Verteidigung irgendwann auslaufen und die private Nachfrage bis dahin nicht nachgezogen hat.

Auf einen Blick

  • Die Bundesbank erwartet für 2026 rund ein Prozent Wachstum, doppelt so viel wie in der Juni-Prognose veranschlagt.
  • Das DIW hat seine Prognose für 2026 auf 1,2 Prozent angehoben, nach zuvor nur 0,5 Prozent.
  • Unerwartet starke Exporte und ein schwächerer Energiepreisschock durch den Iran-Konflikt gelten als Haupttreiber der Korrektur.
  • DIW-Präsident Fratzscher warnt, dass der Aufschwung überwiegend auf staatlichen Ausgaben beruht und private Investitionen weiterhin fehlen.

Quellen: Handelsblatt, Google News Wirtschaft (DE), Zeit, Bundesbank, Reuters, KI-unterstützt

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