Business & Beyond Revolut greift an: Fintech nimmt Indien ins Visier

Revolut greift an: Fintech nimmt Indien ins Visier

Revolut hat in Indien den Rollout begonnen. Das britische Fintech schaltet seine lokalisierte App derzeit nur für einen kleinen Teil einer Warteliste von rund 450.000 Interessenten frei – ein kontrollierter Beta-Start vor dem landesweiten Marktlaunch.

Der Vorstoß markiert einen wichtigen Schritt in der globalen Expansion des Unternehmens. Gleichzeitig nimmt Revolut einen der attraktivsten und umkämpftesten Fintech-Märkte der Welt ins Visier. Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt. Indien zählt zu den dynamischsten Digitalmärkten der Welt und verfügt mit dem staatlich geförderten Echtzeit-Zahlungssystem UPI über eine der größten Zahlungsplattformen überhaupt. Allein im Mai 2026 wurden darüber 23,20 Milliarden Transaktionen im Wert von 29,90 Billionen Rupien abgewickelt. Genau in diesem Umfeld will Revolut künftig mitmischen.

Beta statt Big Bang

Noch hält Revolut die Türen nur einen Spalt breit offen. Einige Tausend Nutzer erhalten derzeit Zugang zur lokalen Indien-Version der App. Das Unternehmen spricht von einer kontrollierten Einführungsphase, um Funktionen zu testen und Nutzerfeedback einzusammeln. Die App ist bereits im Google Play Store und im Apple App Store verfügbar; der vollständige Launch steht jedoch noch aus.

Angriff auf den UPI-Giganten

Der Markt, den Revolut ins Visier nimmt, wächst rasant. Für das Unternehmen ist der Zugang zum UPI-System entscheidend: Nutzer können bereits in der Testphase Echtzeit-Zahlungen über UPI durchführen und damit auf Augenhöhe mit lokalen Anbietern agieren. Damit positioniert sich Revolut direkt in einem Markt, der weltweit als Vorreiter für digitale Zahlungsabwicklung gilt.

Mehr als nur eine Bezahl-App

Zum Start bietet Revolut digitale Wallets, nationale Prepaid-Karten, Multiwährungskarten, virtuelle Karten sowie Einwegkarten für sichere Online-Zahlungen. Weitere Angebote wie das Bonusprogramm RevPoints und Lifestyle-Services sollen in den kommenden Monaten folgen. Gemeinsame Konten für Familien wird es vorerst nicht geben – dafür wäre in Indien eine Banklizenz erforderlich.

Der lange Anlauf zahlt sich aus

Der Markteintritt kommt nicht überraschend. Revolut arbeitet bereits seit 2021 am Aufbau seines Indien-Geschäfts. Im April 2024 erhielt das Unternehmen von der Reserve Bank of India eine „in-principle“-Autorisierung für Prepaid Payment Instruments (PPI), darunter Prepaid-Karten und digitale Wallets. Zuvor hatte sich Revolut bereits Lizenzen als AD-II-Devisenwechsler sowie für grenzüberschreitende Überweisungen und Multiwährungs-Forex-Karten gesichert. Parallel dazu wurde ein lokales Management-Team aufgebaut.

20 Millionen Kunden als Zielmarke

Die Briten denken groß. Revolut will bis 2030 rund 20 Millionen Nutzer in Indien gewinnen. Im Fokus stehen digital affine Verbraucher zwischen 25 und 45 Jahren, die internationale Finanzdienstleistungen zunehmend als Selbstverständlichkeit betrachten. Langfristig sollen Transaktionen im Volumen von mindestens sieben Milliarden US-Dollar über die Plattform laufen.

Indien wird zum Wachstumshebel – und zum Operations-Hub

Indien ist für Revolut längst mehr als nur ein neuer Absatzmarkt. Das Land entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Zentrum für die globale Expansion des Unternehmens. Berichten zufolge ist Indien bereits heute der größte Standort von Revolut, bis Ende 2026 sollen dort rund 40 Prozent der weltweiten Belegschaft beschäftigt sein. Zudem investiert das Fintech rund 40 Millionen Pfund in Technologie-Infrastruktur und Datensouveränität vor Ort.

Das Rennen beginnt

Mit dem Beta-Start ist Revolut noch längst nicht am Ziel. Doch der Einstieg in den weltweit am schnellsten wachsenden Markt für digitale Zahlungen markiert einen wichtigen Meilenstein. Die eigentliche Herausforderung beginnt jetzt: Kunden gewinnen, Vertrauen aufbauen und sich gegen eine Vielzahl etablierter Banken und Fintech-Anbieter behaupten. Fest steht: Wer im indischen Zahlungsmarkt erfolgreich ist, spielt künftig in der Champions League des globalen Fintech-Geschäfts. Revolut hat sein Ticket für dieses Rennen jetzt gelöst.

Das könnte dich auch interessieren