Business & Beyond Rezept für Chaos

Rezept für Chaos

Ein Gesetz kappt über Nacht die Cannabisblüten-Erstattung. Drei Konkurrenten der Branche antworten nicht mit Lobbybriefen, sondern mit einer Kampagne, die Patientenschicksale zeigt statt Paragrafen.

Ein politischer Federstrich, tausende Betroffene: Ein neues Gesetz zur Beitragssatzstabilisierung (GKV-BStabG) legt die Versorgung mit medizinischen Cannabisblüten über Nacht lahm. Seit dem 30. Juli ist die Erstattung durch die Krankenkassen gestrichen – ohne Übergangsregelung für stabil laufende Blütentherapien. Und auch bei Extrakten ist trotz gemeinsamer Auslegung von KBV und GKV-Spitzenverband vom 6. August längst nicht alles klar, erste Erstattungsanträge haben die Krankenkassen bereits abgelehnt.

Der Kollateralschaden ist massiv. Für Patient:innen mit chronischen Schmerzen oder in der Palliativversorgung hat nach Einschätzung von Betroffenen ein regelrechtes „Versorgungschaos“ begonnen. Verunsicherte Ärzt:innen ziehen die Notbremse und setzen Behandlungen aus. Eine kurzfristige Präzisierung der Vorgaben für Extrakte durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und den GKV-Spitzenverband ändert für viele am Kernproblem nichts: Die Versorgung mit medizinischen Cannabisblüten bleibt gekappt. Und die sind für manche Menschen essenziell.

Warum drei Konkurrenten plötzlich ein Bündnis bilden

Aber es regt sich Widerstand: ein breites Bündnis aus Verbänden, darunter auch solche von Patientinnen und Patienten, will mehr Änderungen, präzise Regelungen. Und auch aus der Branche kommt Unterstützung: Auf Initiative von Four 20 Pharma haben sich das Paderborner Unternehmen, Cannamedical Pharma und DEMECAN zur Initiative „Versorgung sichern“ zusammengetan. Ein neuer Kampagnen-Film zeigt die Schicksale von Betroffenen – darunter auch überraschend junge Menschen – und macht den politischen Handlungsdruck sichtbar.

Was alle eint, ist die Forderung, den pauschalen Kahlschlag zu stoppen und stattdessen eine Übergangsregelung für ärztlich dokumentierte, stabil laufende Blütentherapien sowie rechtssichere Vorgaben für bestehende Genehmigungen zu schaffen. Auch der pauschale Leistungsausschluss samt sechsmonatiger Frist soll überprüft werden. Für die Kostenkontrolle fordert die Initiative eine Reform von Hilfstaxe und Erstattungspreisen – statt des Zugangs zu wirksamen Therapien zu beschneiden.

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