Business & Beyond Invest in Brain

Invest in Brain

Heiner und Viktoria Lauterbach sind nicht nur ein Paar, sondern auch Geschäftspartner: Mit ihrer E-Learning-Plattform „Meet Your Master“ wollen sie lebenslanges Lernen von den Besten zugänglich machen. Ihr Erfolgsrezept ist eine klare Rollenverteilung, gegenseitiger Respekt und eine gemeinsame Vision. Warum Deutschland vor allem ein Upgrade im Denken braucht, erklären sie im Gespräch.

Das Ehepaar Lauterbach über Unternehmertum zu zweit und warum Deutschland ein Upgrade im Denken braucht.

Text/ Interview: Nena Brockhaus

Als ich zu Heiner und Viktoria Lauterbach am Ende unseres Gesprächs sage, dass sie beide für mich ein goldenes Paar seien, entgegnet Heiner sofort: „Was soll das denn sein? Mir sagt dieser Begriff nichts.“ Das ist typisch für Lauterbach. Er will Dinge verstehen. Begreifen. Dampfplauderei missfällt ihm. Womöglich erklärt das zum Teil auch seinen Erfolg. Seit über 40 Jahren ist er einer der bekanntesten Schauspieler Deutschlands. Kaum jemand, der seinen Namen nicht kennt.

Ich erkläre ihm, dass ich den Begriff vor Jahren in der New York Times las und er mir sehr gefiel. Gemeint sind damit diese raren Beziehungen, in denen Frau und Mann auf Augenhöhe sind. Gleich stark. Eng miteinander verwoben. Und jetzt kommt die wichtigste Regel für die Definition eines goldenen Paares: Beide besitzen enormes Charisma. Bei Viktoria und Heiner Lauterbach ist das so. Sie sind solch ein glänzendes Paar. Verbunden auch in ihrer gemeinsamen unternehmerischen Mission. Mit ihrer E-Learning-Plattform Meet Your Master wollen sie Deutschland klüger machen. Das lebenslange Lernen von den Besten jedem zugänglich machen.

Aber wie gelingt es, als Paar zu gründen? Wie gelingt es, als Paar zu führen? Wie lebt es sich mit einem gemeinsamen Unternehmen? Wie schafft man es, zu Hause nicht bloß über die Arbeit zu sprechen? Schließlich heißt es doch immer, dass man, um glücklich zu sein, Privates und Berufliches strikt trennen sollte. Oder etwa doch nicht?

Business Punk: Viktoria, Heiner, ihr beide arbeitet als Ehepaar eng zusammen. Gemeinsam habt ihr euer Unternehmen Meet Your Master gegründet. Viele sagen, das kann nicht funktionieren. Wie schafft ihr das?

Viktoria Lauterbach: „Wenn man dieselbe Vision hat, funktioniert es. Unsere Idee war von Anfang an: Lernen soll Spaß machen. Und es soll möglich sein, von den Besten zu lernen. Wir wollten einen Ort schaffen, der dazu einlädt, sich inspirieren statt sich einfach nur berieseln zu lassen. Wenn man diese Leidenschaft teilt, macht auch das gemeinsame Arbeiten Freude.

Heiner Lauterbach: Genau. Finde etwas, das dich begeistert – dann musst du nie arbeiten. Das sage ich ja immer.


Business Punk: Gibt es bei euch eine klare Balance, oder verschiebt sich das Kräfteverhältnis immer wieder?

HL: Beziehungen sind selten völlig ausgewogen. Leidenschaft und Erfolg schwanken. Aber wenn beide eine eigene Bedeutung und Bestimmung haben, stärkt das die Partnerschaft. Viktoria ist wie ein Chamäleon. Sie passt sich jeder Situation an. Wirf sie ins Haifischbecken, und sie schwimmt vorneweg.

VL: Das höre ich nicht jeden Tag! Wir ergänzen uns einfach sehr gut. Wir haben unterschiedliche Stärken und eine klare Rollenverteilung. Ich kümmere mich um die Zahlen, Organisation, Personal und Verhandlungen. Heiner kümmert sich vor allem um das Kreative, um Inhalte und Filmabnahmen. Trotzdem geht jede Entscheidung über beide Schreibtische. Wir reden über alles.  Am Ende müssen wir immer gemeinsam auf einen Nenner kommen, auch wenn wir am Anfang oft unterschiedlicher Meinung sind.

Business Punk: Wie verhindert ihr, dass ihr zu Hause zu viel über die Arbeit sprecht? Neben eurem gemeinsamen Unternehmen machst du, Viktoria, ja auch noch Heiners Management.

HL: Ich werde oft gefragt: Ist das nicht blöd, wenn du nach Hause kommst und eigentlich nur deine Ruhe willst? Und ich entgegne immer: Nein. Wenn ich nach einem langen Drehtag heimkomme, bin ich froh, dass mir dort kein filmischer Analphabet sitzt – jemand, der bei „Film“ eher an Tesafilm denkt als an Filmwerke. Sondern dass Viktoria da ist: meine beste Ratgeberin. Sie kennt genauso viele Produzenten, Verleiher und Regisseure wie ich. Wahrscheinlich noch mehr. Und insofern habe ich das immer als großen Vorteil empfunden.

VL: Ich liebe es, mich einzumischen. Das Management für Heiner hat sich organisch entwickelt. Die Produzenten riefen ohnehin immer bei mir an. Irgendwann war klar: Dann mache ich es ganz.

Business Punk: Von wem habt ihr persönlich am meisten gelernt?

VL: Von Heiner. Er zeigt, dass man in jedem Alter Neues lernen kann. Mit dem Klavierspielen hat er erst mit über 50 begonnen – und wurde dafür sogar ausgezeichnet. Heiner gibt sich nicht mit Mittelmaß zufrieden: Er trainiert bei den besten Coaches, selbst wenn das bedeutet, quer durch Deutschland zu reisen. Er sucht sich immer die Besten, die er erreichen kann, um seine Ziele konsequent zu verfolgen. Beim Golf war das zum Beispiel ein Handicap unter 10.

HL: Ich hatte nie diesen einen Mentor – ich lerne von vielen unterschiedlichen Menschen. Idealerweise lernt man jeden Tag. Vom Physiotherapeuten genauso wie vom Regisseur oder Unternehmer. Wichtig ist, einen klaren Plan zu haben und Fehler nicht endlos zu wiederholen, sondern bewusst zu korrigieren.

Business Punk: Eure Plattform Meet Your Master vereint Persönlichkeiten wie die Scorpions, Oliver Kahn, Anke Engelke oder Sebastian Fitzek. Wie gewinnt man solche Master?

HL: Am Anfang will keiner der Erste sein. Viele haben gesagt: Klingt gut, fangt mal an. Das war zäh. Also habe ich selbst den Anfang gemacht – und nach und nach weitere potenzielle Master auf unserer Wunschliste überzeugt.

VL: Natürlich hilft der Name Lauterbach bei der Akquise. Er öffnet Türen. Aber entscheidend ist, dass unsere Wunsch-Master merken: Wir meinen es ernst. Und wir haben eine Vision. Anke Engelke hat am schnellsten reagiert und innerhalb von 24 Stunden zugesagt.

Business Punk: Wohin entwickelt sich Meet Your Master?

VL: Meet Your Master entwickelt sich kontinuierlich weiter. Neue Kurse kommen stetig hinzu – zuletzt ein Kurs zum Thema “Schlaf” mit Professor Fietze, einem der führenden Schlafforscher Deutschlands. Mit unserem ganz neuen KI-gestützten Einstein-Kurs öffnen wir uns zudem einer neuen Richtung, die künftig unter dem Label „Meet Your Master History“ ausgebaut werden könnte. Auch die Live-Formate wachsen weiter: Nach dem erfolgreichen Event in München im vergangenen Herbst planen wir weitere Veranstaltungen, die echte Begegnungen und nachhaltige Impulse ermöglichen.

HL: Ein Thema, das uns besonders am Herzen liegt, ist die Berufsorientierung mit unserem Kernthema Leidenschaft zu verknüpfen. Deshalb führen wir aktuell auch Gespräche mit Ministerien, Wirtschaft, Schulen und Kammern, um gemeinsam Formate zu entwickeln, die jungen Menschen echte Perspektiven eröffnen – insbesondere denen, die kein starkes unterstützendes Umfeld haben. Mit speziellen Kursen, die im Schulterschluss mit starken Partnern entstehen, soll das Thema Berufsorientierung eine größere Bühne bekommen. Unser Wunsch ist es zu inspirieren, Wissen und Erfahrungen zugänglich zu machen und vielleicht sogar unentdeckte Leidenschaften zu wecken.

 Business Punk: Zum Schluss: Was bedeutet für euch ‚Innovation‘?

HL: Für mich ist es ein Modewort. Innovation heißt letztlich positive Veränderung. Im Einklang mit der Zeit.

VL: Und im Einklang mit unseren Werten. Nicht jede Neuerung ist automatisch gut oder ein Fortschritt. Um beim Thema Bildung zu bleiben: Es geht nicht darum, in unserem Bildungssystem ständig Neues einzuführen, sondern Bildung wieder einen echten Wert zu geben – für den Einzelnen und für die Gesellschaft. Vielleicht wäre die größte Innovation, Lernen wieder mit Neugier, Freude und Sinn zu verbinden. Und klarzumachen: Bildung endet nicht mit dem Schulabschluss – sie begleitet uns ein Leben lang.

by stefan kokovic / all rights reserved

Viktoria und Heiner Lauterbach haben die Lernplattform Meet Your Master 2018 mit Ziel gegründet, online von den besten Experten zu lernen. Während sie sich um die Finanzen kümmert, liegt sein Fokus auf dem Kreativen. Trotzdem geht jede Entscheidung über beide Schreibtische.

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