Business & Beyond SpaceX bei 210 Dollar: Einstieg oder letzter Absprung?

SpaceX bei 210 Dollar: Einstieg oder letzter Absprung?

Nach dem größten Börsengang der Geschichte knackt SpaceX die 2,7-Billionen-Bewertung und überholt Amazon. Doch während Analysten zwischen Euphorie und Crash-Warnung schwanken, ziehen Krypto-Anleger den Kürzeren.

Elon Musk ist jetzt offiziell der erste Billionär der Weltgeschichte. Drei Handelstage nach dem SpaceX-IPO steht die Aktie bei 210 US-Dollar – ein Plus von 30 Prozent seit dem Debüt laut BTC-ECHO. Mit einer Marktkapitalisierung von 2,73 Billionen US-Dollar hat das Raumfahrtunternehmen Amazon überholt und rangiert nun auf Platz sieben der wertvollsten Assets weltweit. Der Clou: SpaceX macht keinen Gewinn. 2025 stand bei 18,67 Milliarden US-Dollar Umsatz ein Nettoverlust von 4,94 Milliarden US-Dollar in den Büchern. Trotzdem kennt der Kurs kein Halten.

Der Grund: SpaceX kündigte die Übernahme der KI-Programmierplattform Cursor für 60 Milliarden US-Dollar in reinen Aktien an – eine der größten Tech-Akquisitionen überhaupt. Cathie Woods ARK-Fonds kaufte allein am 14. Juni SpaceX-Aktien für 444,3 Millionen US-Dollar, wie Finanzen.net berichtet. Ihre Prognose: 2,5 Billionen US-Dollar Unternehmenswert bis 2030. Oppenheimer setzt das Kursziel auf 190 US-Dollar, Wolfe Research auf 175 US-Dollar. Beide Häuser glauben an ein EBITDA von über 90 Milliarden US-Dollar bis Ende des Jahrzehnts.

Analysten im Glaubenskrieg

Doch nicht alle teilen die Euphorie. CFRA-Analyst Keith Snyder vergab ein Verkaufsvotum mit Kursziel 115 US-Dollar – deutlich unter dem Ausgabepreis von 135 US-Dollar. Seine Begründung: Die Bewertung sei „nahezu absurd“ angesichts kumulierter Verluste von 41,3 Milliarden US-Dollar seit 2002. Morningstar geht noch weiter und bewertet SpaceX mit lediglich 63 US-Dollar je Aktie – ein Abschlag von 53 Prozent zum IPO-Preis.

Analyst Nicolas Owens warnt gegenüber finanzen.net: Selbst im optimistischsten Szenario rechtfertige das Geschäftsmodell maximal 154 US-Dollar. Diesem Fall räumt Morningstar allerdings nur sieben Prozent Eintrittswahrscheinlichkeit ein. Das strukturelle Problem: Nur Starlink schreibt schwarze Zahlen. Die KI-Sparte xAI verbrennt weiter Milliarden. Und Musk kontrolliert 83,8 Prozent der Stimmrechte, während er parallel Tesla, X und andere Ventures führt. Politische Kontroversen oder Fehlentscheidungen bei einem dieser Unternehmen treffen SpaceX-Aktionäre ohne Mitspracherecht.

Krypto-Crash als Kollateralschaden

Während SpaceX abhob, stürzte Bitcoin ab. Geoffrey Kendrick von Standard Chartered sieht einen Zusammenhang: ETF-Anleger hätten Bitcoin verkauft, um Cash für SpaceX freizumachen. Beweisbar ist das nicht, aber die zeitliche Überschneidung ist frappierend. Neue Nasdaq- und FTSE-Russell-Regeln erlauben zudem, Mega-IPOs schneller in Leitindizes aufzunehmen.

Kapital, das in SpaceX fließt, fehlt an anderer Stelle – besonders im Retail-Bereich, wo der SpaceX-Hype die Schlagzeilen dominiert. Die Hoffnung auf ein Ende des Iran-Kriegs gab den US-Märkten zusätzlichen Schub, wie das Handelsblatt berichtet. Während der Dow Jones Rekorde feierte, gaben Tech-Werte nach. Anleger nahmen vor dem Fed-Zinsentscheid Gewinne mit – nur SpaceX blieb unantastbar.

Business Punk Check

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: SpaceX ist astronomisch überbewertet. Ein Unternehmen, das seit 22 Jahren Verluste anhäuft, wird teurer gehandelt als Amazon – das ist Spekulation in Reinform, kein Investment. Musk verkauft Zukunftsversprechen, während die Gegenwart blutet. Die 60-Milliarden-Cursor-Übernahme? Ein geschickter Ablenkungsmanöver von der Tatsache, dass außer Starlink kein Geschäftsbereich profitabel ist.

Der Lock-up von 366 Tagen zeigt: Selbst Musk weiß, dass der Kurs auf Sand gebaut ist. Wer jetzt einsteigt, wettet nicht auf Fundamentaldaten, sondern auf den Musk-Mythos. Die entscheidende Frage kommt am 2. September mit dem ersten Quartalsbericht. Bis dahin gilt: Wer bei 210 US-Dollar kauft, sollte beten können – oder besser verkaufen, solange der Hype hält.

Quellen: BTC-ECHO, Handelsblatt, Finanzen.net

Das könnte dich auch interessieren