Business & Beyond TikTok versagt beim Kinderschutz & Brüssel droht Milliarden-Strafe

TikTok versagt beim Kinderschutz & Brüssel droht Milliarden-Strafe

Die EU-Kommission wirft TikTok massive Verstöße beim Schutz Minderjähriger vor. Öffentliche Profile machen Kinder zur Zielscheibe für Cybermobbing und Täter. Jetzt droht dem Bytedance-Konzern eine Strafe von bis zu 1,5 Milliarden Euro.

Brüssel macht ernst: Die EU-Kommission hat TikTok vorläufige Untersuchungsergebnisse präsentiert, die dem chinesischen Konzern Bytedance schwere Versäumnisse beim Jugendschutz nachweisen. Die Voreinstellungen für Konten von Minderjährigen verstoßen gegen den Digital Services Act (DSA) und setzen Kinder systematisch Gefahren wie Cybermobbing, Grooming und ausbeuterischem Verhalten aus.

Die Plattform hat nun Gelegenheit zur Stellungnahme, bevor die Kommission über Sanktionen entscheidet. Bei einem geschätzten Jahresumsatz von über 30 Milliarden Dollar könnte die Strafe bis zu 1,5 Milliarden Euro betragen.

Öffentliche Profile als Einfallstor für Täter

Das Kernproblem: TikTok erlaubt Minderjährigen, ihre Konten auf „öffentlich“ zu stellen. Damit werden Inhalte selbst für Nutzer ohne TikTok-Account sichtbar, eine Einladung für potenzielle Täter, die gezielt nach Opfern suchen.

Selbst im Privatmodus bleiben Jugendliche über Followerlisten und Profilfotos auffindbar, so Heise. Die EU-Kommission fordert eine radikale Umstellung: Inhalte von Minderjährigen sollen standardmäßig nur für explizit akzeptierte Follower sichtbar sein. Außerdem soll TikTok aufhören, Inhalte von Kindern und Jugendlichen algorithmisch anderen Nutzern zu empfehlen.

DSA-Verstoß mit System

Kommissionsvizepräsidentin Henna Virkkunen bringt es auf den Punkt: Ein hohes Schutzniveau dürfe keine Option sein, sondern müsse die Standardeinstellung darstellen. Genau daran scheitert TikTok: „Der DSA verpflichtet Plattformen dazu, Schutzmaßnahmen für Minderjährige in die Gestaltung ihrer Dienste zu integrieren, und zieht sie zur Rechenschaft, wenn sie dies versäumen“, erklärt sie laut heise.

Diese sollen nicht als nachträgliche Wahlmöglichkeit, sondern als Grundkonfiguration implementiert werden. Die aktuellen Voreinstellungen setzen Kinder einer zu breiten Öffentlichkeit aus und erfüllen nicht die gesetzlichen Anforderungen an Privatsphäre, Datenschutz und Sicherheit.

Ermittlungen seit Februar 2024

Die jetzigen Vorwürfe sind Teil eines umfassenderen Verfahrens, das die Kommission im Februar 2024 eröffnet hat. Bereits zuvor hatte Brüssel die Suchtgefahr der Plattform und mangelnde Transparenz bei Werbung kritisiert.

TikTok-CEO Shou Zi Chew traf sich im Mai 2025 mit Virkkunen in Brüssel. Das Unternehmen zeigt sich bisher kooperativ. Doch die Kommission macht deutlich: Trotz vorläufiger Ergebnisse steht die Strafandrohung im Raum. Bis zu 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes können fällig werden.

Politische Dimension: Altersschranken im Gespräch

Parallel verschärft die EU den Druck auf Social-Media-Plattformen generell. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte für die Zeit nach dem Sommer einen Vorschlag zu strengeren Altersgrenzen an. Die TikTok-Vorwürfe liefern zusätzliche Munition für diese Debatte.

Sollte Brüssel tatsächlich Altersschranken einführen, könnte das Geschäftsmodell von TikTok und anderen Plattformen in der EU fundamental unter Druck geraten. Die Frage ist nicht mehr, ob die EU reguliert, sondern wie hart.

Business Punk Check

Brüssel entlarvt, was längst offensichtlich war: TikTok hat beim Jugendschutz versagt, nicht aus Unfähigkeit, sondern aus Kalkül. Öffentliche Profile von Minderjährigen generieren mehr Reichweite, mehr Engagement, mehr Werbeeinnahmen. Der DSA zwingt die Plattform jetzt, zwischen Profitmaximierung und Compliance zu wählen. Die drohende Strafe von 1,5 Milliarden Euro ist für einen Konzern mit 30 Milliarden Dollar Jahresumsatz verkraftbar – aber der Reputationsschaden und mögliche Altersschranken könnten das Geschäftsmodell in Europa fundamental gefährden.

Die eigentliche Frage lautet: Wird TikTok die Änderungen global umsetzen oder nur in der EU? Denn was Brüssel hier durchsetzt, könnte zum Standard für andere Märkte werden. Für Eltern und Jugendschützer ist die Botschaft klar: Verlasst euch nicht auf Plattformen, sondern auf Regulierung. Und für andere Social-Media-Konzerne gilt: Der DSA ist kein zahnloser Tiger – die EU meint es ernst.

Quellen: Heise, Futurezone

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