Business & Beyond USA und Iran einigen sich: Trump torpediert den Deal

USA und Iran einigen sich: Trump torpediert den Deal

60 Tage bis zum Frieden: USA und Iran vereinbaren Fahrplan. Katar vermittelt. Doch Trump droht weiter. Die Straße von Hormus bleibt Zankapfel. Was der Deal für globale Energiemärkte bedeutet.

Washington und Teheran haben sich auf einen Zeitplan geeinigt. 60 Tage bleiben beiden Seiten, um aus dem fragilen Waffenstillstand ein dauerhaftes Abkommen zu schmieden. Katar vermittelte die erste hochrangige Verhandlungsrunde in der Schweiz.

Das Ergebnis: Mechanismen zur Überwachung und Koordinierung, die sicherstellen sollen, dass die Vereinbarungen eingehalten werden. Beide Mechanismen sollen sicherstellen, dass die militärischen Operationen im Libanon tatsächlich eingestellt werden. Die technischen Teams sollen die Verhandlungen auf dem Bürgenstock fortsetzen.

Trumps Twitter-Diplomatie gefährdet den Prozess

Während die Delegationen noch am Verhandlungstisch saßen, griff Donald Trump zur Tastatur. Auf Truth Social drohte er dem Iran mit härteren Militärschlägen, sollte die Hisbollah im Libanon nicht gestoppt werden. Die iranische Delegation verließ daraufhin das Luxushotel am Vierwaldstättersee.

Der einflussreiche iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf kritisierte den US-Kurs scharf. Die Verhandlungen gerieten in eine kritische Phase, die Vermittler mussten nachsteuern. Nach 80 Minuten Krisengesprächen mit JD Vance, Steve Witkoff und Jared Kushner kehrten die Iraner zurück an den Tisch.

Straße von Hormus wird zum Testfall

Ein Kommunikationskanal zur Straße von Hormus steht. Beide Seiten wollen Zwischenfälle und Missverständnisse in der strategisch wichtigen Meerenge verhindern. Die Zahlen zeigen, warum das dringend nötig ist: Am Sonntag passierten nur fünf Schiffe die Straße – am Tag zuvor waren es noch 26.

Der Schiffsverkehr brach um über 80 Prozent ein, nachdem der Iran erneut eine Blockade androhte. Für die globalen Energiemärkte ist das ein Alarmzeichen. Rund 20 Prozent des weltweiten Erdöls und ein Großteil des Flüssiggases passieren diese Route. Die Koordinierungsstelle soll nun garantieren, dass Handelsschiffe sicher durchfahren können.

Syrien bleibt außen vor

Aus Damaskus kam die Klarstellung: Syrien werde nicht militärisch im Libanon eingreifen. Trump hatte zuvor angedeutet, Syrien könne helfen, die Hisbollah zu kontrollieren. Al-Scharaa wies das zurück – Trumps Aussagen seien missverstanden worden. Der US-Präsident habe von einer diplomatischen Rolle gesprochen, nicht von einer Invasion.

Diese Klarstellung war nötig, denn die Hisbollah-Frage belastet die Verhandlungen massiv. Israel setzt darauf, dass der Iran seine Verbündeten im Libanon zurückpfeift. Benjamin Netanjahu geht sogar weiter: Er erwartet den Sturz der iranischen Regierung als Folge des Militäreinsatzes.

Technische Teams arbeiten weiter

Trotz aller Spannungen läuft der Prozess. Nach 18 Stunden beendeten die Hauptdelegationen ihre Arbeit, die technischen Teams setzten die Verhandlungen fort. Das iranische Außenministerium meldete Fortschritte bei der Umsetzung gegenseitiger Verpflichtungen.

Die Vermittler sprachen von einer positiven und konstruktiven Atmosphäre – zumindest bevor Trump seine Drohungen absetzte. Die Vermittler legten ein Dokument mit den vereinbarten Eckpunkten vor. Dieser Rahmen soll die Basis für das endgültige Abkommen bilden, das in 60 Tagen stehen muss.

Business Punk Check

Die 60-Tage-Frist ist ambitioniert – zu ambitioniert. Während Diplomaten von konstruktiver Atmosphäre reden, torpediert Trump den Prozess mit Social-Media-Drohungen. Das Muster kennt man: Verhandeln und gleichzeitig maximalen Druck aufbauen. Für Energiemärkte und Logistikunternehmen bedeutet das anhaltende Unsicherheit. Die Straße von Hormus bleibt ein Risikofaktor, solange kein belastbarer Mechanismus steht. Der vereinbarte Kommunikationskanal ist ein Anfang, aber kein Garant.

Unternehmen mit Lieferketten durch die Region sollten alternative Routen kalkulieren und Versicherungsprämien im Blick behalten. Die eigentliche Frage lautet: Kann ein Deal halten, wenn eine Seite parallel mit militärischen Schlägen droht? Die Geschichte solcher Verhandlungen zeigt – meistens nicht. Wer auf schnelle Entspannung setzt, unterschätzt die Komplexität. Der Libanon-Konflikt, die Hisbollah-Frage und Netanjahus Regime-Change-Fantasien machen einen nachhaltigen Frieden unwahrscheinlich. Realistisch ist ein brüchiger Waffenstillstand mit regelmäßigen Eskalationen. Für Investoren heißt das: Volatilität einpreisen, nicht Stabilität.

Quellen: Bild

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