Business & Beyond Vom Thaiboxring ins Immobiliengeschäft: Key-Learning aus dem Sport für Gründer und Unternehmer

Vom Thaiboxring ins Immobiliengeschäft: Key-Learning aus dem Sport für Gründer und Unternehmer

Bevor ich Unternehmer wurde, war ich Thaiboxer. Dort habe ich Lektionen gelernt, die mich bis heute prägen: zu gewinnen, zu verlieren und trotzdem dranzubleiben. Auch den schwierigen Dingen ins Auge zu sehen, statt ihnen auszuweichen. Und vor allem zu verstehen, dass Emotionen in entscheidenden Momenten selten helfen. Im Gegenteil: Gehen die Emotionen hoch, geht meist die Intelligenz runter.

Habe Kontrolle über deine Emotionen

Wut, Frustration oder Übermut kosten dich im Ring den Kampf. Im Business kosten sie dich Geld. Wer emotional handelt, trifft selten gute Entscheidungen. Erfolgreich ist, wer auf Klarheit, Daten und Strategie setzt.

Viele glauben, Erfolg entsteht, weil jemand zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Ich sehe das anders. Erfolg entsteht dann, wenn man in Situationen, in denen andere hektisch, ängstlich oder unklar werden, einen kühlen Kopf behält.

Ich sage gern, dass Emotionen im Immobilieninvestment nichts verloren haben. Eine Immobilie muss mir nicht selbst gefallen, sie muss funktionieren.

Denke strategisch

Im Boxen gewinnst du nicht durch blindes Draufhauen, auch wenn es vielleicht so aussieht. Du brauchst Timing, Übersicht und einen guten Plan. Genau das gilt auch im Business: Wer langfristig denkt und strategisch handelt, setzt sich durch.

Im Sport ist das brutal ehrlich. Entweder du bist vorbereitet oder nicht. Entweder du kannst mit Druck umgehen oder du brichst daran. Für Ausreden gibt es dort keinen Applaus. Genau diese Haltung habe ich mit ins Business genommen.

Diese Denkweise habe ich früh entwickelt. Mit 17 habe ich mit Thaiboxen angefangen, viel Geld konnte ich damit allerdings nicht verdienen, etwa 1.000 Euro pro Kampf, bei Spitzenkämpfen 5.000 bis 6.000 Euro. Deshalb habe ich nebenbei mit Autos gehandelt. Geld spielte damals keine große Rolle in meinem Leben. Sieben Jahre später wurde ich Weltmeister. Als ich meinen Titel errang, änderte sich mein Denken. Ich wollte nun auch finanziell erfolgreich sein.

Rückschläge gehören dazu

Im Ring ist es normal, auch mal zu Boden zu gehen. Wichtig ist, wie man damit umgeht. Ob man aufgibt oder daraus lernt und weitermacht.

Der Weg in die Immobilienbranche war bei mir alles andere als geradlinig. Rückblickend kann ich über meinen ersten Immobilienkauf sagen: Ich habe fast alles falsch gemacht. Ich dachte damals ernsthaft, dass mich 200.000 Euro Schulden für jede weitere Finanzierung disqualifizieren würden, also habe ich die Wohnung wieder verkauft und eine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen müssen.

Ich wusste schon kurz darauf, dass es ein Fehler war, den ich aus einer Emotion heraus getroffen habe. Denn schon kurze Zeit später, als die Angst wieder weg war, war mir wieder bewusst, dass Schulden auf Eigentumswohnung waren gute Schulden und stellten in keiner Weise ein Problem dar. Oder anders gesagt: Deine Verbindlichkeiten von heute, sind dein Vermögen von morgen.

Der eigentliche Wendepunkt kam 2018, als mir ein Freund zeigte, wie er bereits zehn Wohnungen ohne eingesetztes Eigenkapital gekauft hatte. Ich konnte es kaum glauben, aber wusste, dass ich genau das auch erreichen wollte, und mehr. Einmal 100 Immobilien im eigenen Bestand haben, war das große Ziel.

Auch meine erste Erfahrung mit dem Bankberater war kein Erfolg. Ich bin hin, habe ihm von meinem Vorhaben erzählt und wurde direkt wieder herausgebeten. Er sagte sowas wie „Lieber Herr Bräunig, da ist die Tür. Solche Geschäfte machen wir nicht.“

Also bin ich, dieses Mal mit einem ausgefeilteren Plan, zur nächsten Bank.

Disziplin schlägt Talent

Talent bringt dich vielleicht nach oben, aber nur Disziplin hält dich dort.

Als Thaiboxer hatte ich zehn Trainingseinheiten pro Woche, egal wie müde ich war oder sogar verletzt. Das hat mir beigebracht, dass Erfolg eine Entscheidung ist. Wer sich nicht täglich verbessert, wird irgendwann überholt. Da zeigt, wer konsequent an sich arbeitet, wird langfristig immer die überholen, die auf schnellen Erfolg hoffen.

Irgendwann kamen die Zusagen von Banken und ich konnte mir über die Zeit ein Portfolio schaffen und optimieren: solide Einheiten, vermietbare Objekte, klare Zahlen, tragfähige Finanzierungen.

Hype-Standorte, sei es Magdeburg oder Grünheide, haben mich nie interessiert. Mich interessiert, ob etwas langfristig funktioniert.

Passe dich an – oder du verlierst

Kein Kampf läuft exakt nach Plan. Dein Gegner reagiert, verändert seinen Stil oder bringt dich aus dem Konzept. Wenn es dir nicht gelingt, dich anzupassen, verlierst du.

Dasselbe gilt für das Business. Bedingungen in den Märkten, Regulierungen, und Gesetzgebungen verändern sich ständig. All das kann sich ändern. Wichtig ist, hier handlungsfähig zu bleiben.

Wie wichtig das ist, hat sich spätestens mit der Zinswende 2022 gezeigt. Für viele war das ein Schock, der Markt wurde nervös, manches Geschäftsmodell geriet ins Wanken. Solche Phasen zeigen, wie stabil dein Denken wirklich ist. Für mich war das kein Anlass zur Panik, sondern ein Grund, noch genauer hinzusehen, Prozesse anzupassen und Strukturen zu schärfen.

Der eigentliche Hebel liegt nicht mehr allein im nächsten Deal, sondern in Prozessen, die skalieren, in Strukturen, die funktionieren und in einer Digitalisierung, die ganz konkret dafür sorgt, dass Wachstum nicht im Chaos endet. Ein Unternehmen wächst auf Dauer nicht über Heldentum, sondern über Klarheit, Standards und saubere Abläufe.

Auch wenn ich heute nicht mehr in den Ring steige, ist Sport bis heute ein Teil meiner Ziele und fast täglich etwas, das mich mental zusammenhält und an meine Werte erinnert. Für 2026 habe ich mir vorgenommen, zwölf Marathons zu laufen. Die Hälfte habe ich bereits geschafft.

Der Auslöser dafür liegt in der Corona-Zeit: Damals bin ich zum ersten Mal einen Marathon gelaufen. Der offizielle Lauf wurde abgesagt, also bin ich ihn privat trotzdem gelaufen. Ich war in dieser Zeit extrem fit, und genau dieses Niveau wollte ich 2026 nicht nur punktuell erreichen, sondern über das ganze Jahr halten.

Am Ende ist vieles von dem, was mich heute unternehmerisch prägt, nicht neu. Es sind dieselben Prinzipien, die mich schon im Sport getragen haben: Kontrolle über Emotionen, Strategie, Resilienz, Disziplin, und die Fähigkeit, auch unter Druck handlungsfähig zu bleiben. Der Unterschied ist nur das Spielfeld. Die Haltung dahinter ist dieselbe geblieben.

Der Unterschied ist nur das Spielfeld. Die Haltung dahinter ist dieselbe geblieben.

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