Business & Beyond VW-Gewinn 2025 halbiert: Blume will 50.000 Stellen streichen

VW-Gewinn 2025 halbiert: Blume will 50.000 Stellen streichen

Volkswagen verdient 2025 nur noch halb so viel wie im Vorjahr. Bei 40.000 Euro Kaufpreis bleiben 1.120 Euro Gewinn. China-Schwäche, US-Zölle und Porsche-Krise zeigen: Das Problem ist strukturell.

Volkswagen hat 2025 ein Gewinnproblem, kein Umsatzproblem. Der Konzern setzt 322 Milliarden Euro um – fast wie im Vorjahr. Doch der operative Gewinn bricht auf 8,9 Milliarden Euro ein, eine Halbierung. Nach Steuern bleiben 6,9 Milliarden Euro übrig, ein Rückgang um 44 Prozent. Die operative Marge liegt bei 2,8 Prozent – Dieselkrise-Niveau von 2016. Von einem 40.000-Euro-VW bleiben rechnerisch 1.120 Euro operativer Gewinn. Rabattschlachten oder Preiskriege? Kaum noch Spielraum.

Als Konsequenz daraus verschärft der Konzern den Kahlschlag. Die Botschaft aus Wolfsburg ist glasklar: Die Transformation zur Elektromobilität kostet nicht nur Milliarden, sondern auch Zehntausende Jobs. Vorstandschef Oliver Blume macht in seinem Aktionärsbrief deutlich: Der verschärfte Sparkurs ist alternativlos. Von ursprünglich 35.000 geplanten Stellenstreichungen bis 2030 steigt die Zahl nun auf 50.000 – konzernweit in Deutschland. Die Gewerkschaften hatten Ende 2024 noch einem moderateren Abbau zugestimmt, vor allem bei der Kernmarke VW. Doch die Realität hat Wolfsburg eingeholt: Die globale Nachfrage schwächelt, die Transformation kostet mehr als kalkuliert, und die Konkurrenz aus China setzt die Preise unter Druck.

China, Zölle und die Porsche-Katastrophe

Der Konzern liefert 8,98 Millionen Fahrzeuge aus, nur 0,5 Prozent weniger als 2024. Europa wächst leicht, China und Nordamerika schwächeln. Das eigentliche Drama spielt sich bei Porsche ab: Das operative Ergebnis stürzt von 5,3 Milliarden auf 90 Millionen Euro.

Der Grund laut Bild: Strategiewechsel bei der Elektromobilität und Sondereffekte. US-Zölle belasten zusätzlich. Die einstigen Ertragsperlen Audi und Porsche verlieren ihren Glanz.

Strukturwandel verschlafen

Auto-Managerin Beatrix C. Keim sieht das Kernproblem klar: Es gebe nicht viele Modelle mit guten Deckungsbeiträgen, also werde kein Geld verdient: „Es scheint nicht viele Modelle mit guten Deckungsbeiträgen zu geben, also wird kein Geld verdient“, sagt sie zu Bild.

Prof. Martin Gornig vom DIW Berlin ordnet ein: Das Problem sei Folge des verschlafenen Strukturwandels in der Autoindustrie generell. Das Schlussquartal 2025 zeigt leichte Erholung nach dem Milliardenverlust im dritten Quartal. Doch die Frage bleibt: Verkauft VW die falschen Autos zu den falschen Preisen?

Business Punk Check

VW hat ein brutales Profitabilitätsproblem, das Marketing-Sprech nicht löst. 322 Milliarden Umsatz klingen nach Stärke, doch 2,8 Prozent operative Marge entlarven die Wahrheit: Der Konzern verkauft die falschen Autos. Porsche stürzt von 5,3 Milliarden auf 90 Millionen Euro Gewinn ab – das ist kein Strategiewechsel, das ist Kapitulation. Die Rückkehr zum Verbrenner nach jahrelanger Elektro-Offensive kostet Milliarden und zeigt: VW hat den Strukturwandel nicht verschlafen, sondern verpennt. China kauft keine deutschen Premium-Karossen mehr, die USA bestrafen Importe mit Zöllen, und Europa allein rettet keinen Weltkonzern.

Die unbequeme Wahrheit: VW produziert zu teuer für Märkte, die billiger wollen, und zu billig für Kunden, die Premium erwarten. Wer jetzt auf schnelle Erholung hofft, ignoriert die Zahlen. Das Schlussquartal zeigt Stabilisierung, aber keine Lösung. Entscheider sollten sich fragen: Welche Zulieferer überleben, wenn VW weiter Margen opfert? Und welche Alternativen bieten chinesische Hersteller, die profitabler produzieren? Die VW-Krise ist keine Delle, sondern ein Menetekel für die deutsche Autoindustrie.

Häufig gestellte Fragen

Warum verdient Volkswagen trotz stabilem Umsatz so viel weniger?

Der Konzern verkauft weiterhin Millionen Fahrzeuge, doch die Profitabilität pro Auto sinkt dramatisch. Bei einer operativen Marge von 2,8 Prozent bleiben von einem 40.000-Euro-Fahrzeug nur 1.120 Euro Gewinn. Das deutet auf falsche Modellmixe, zu hohe Rabatte oder Produkte hin, die der Markt nicht zu profitablen Preisen abnimmt. Der Strukturwandel zur Elektromobilität verschärft das Problem zusätzlich.

Welche Branchen und Zulieferer leiden unter der VW-Krise am stärksten?

Mittelständische Zulieferer, die auf Premium-Komponenten für Porsche und Audi spezialisiert sind, stehen unter massivem Druck. Wenn die einstigen Ertragsperlen schwächeln, trifft das die gesamte Wertschöpfungskette. Besonders betroffen sind Hersteller von Elektromobilitäts-Komponenten, die auf den jetzt gestoppten Strategiekurs gesetzt haben. Werkzeugbauer und Entwicklungsdienstleister müssen sich auf Auftragsstornierungen einstellen.

Wie wirken sich US-Zölle konkret auf deutsche Autobauer aus?

US-Zölle belasten VW mit Milliardenbeträgen und reduzieren die Wettbewerbsfähigkeit auf einem der wichtigsten Märkte. Deutsche Hersteller können nicht mehr mit lokalen Preisen konkurrieren, ohne Margen zu opfern. Das zwingt zu Produktionsverlagerungen oder Marktanteilsverlusten. Für Mittelständler bedeutet das: Entweder sie folgen ihren Kunden in die USA oder verlieren Aufträge.

Was bedeutet die Porsche-Krise für die VW-Konzernstrategie?

Porsche war jahrelang die Gewinnmaschine des Konzerns. Der Absturz von 5,3 Milliarden auf 90 Millionen Euro operativem Ergebnis zeigt: Die Premium-Strategie funktioniert nicht mehr. Der Strategiewechsel bei der Elektromobilität – zurück zum Verbrenner – kostet Milliarden und signalisiert Orientierungslosigkeit. VW muss entscheiden: Entweder konsequent elektrisch oder konsequent profitabel mit Verbrennern.

Kann sich VW aus der Gewinnkrise befreien?

Das Schlussquartal 2025 zeigt leichte Erholung, doch strukturelle Probleme bleiben. VW braucht Modelle mit besseren Deckungsbeiträgen, eine klare Elektrostrategie und Antworten auf China-Schwäche. Ohne radikale Portfoliobereinigung und Kostensenkung wird die Marge unter Druck bleiben. Die Frage ist nicht ob, sondern wie schnell der Konzern handelt – und ob die Zeit dafür noch reicht.

Quellen: Bild, Focus

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