Business & Beyond VW-Hauptversammlung: Blume gesteht – das Geschäftsmodell ist tot

VW-Hauptversammlung: Blume gesteht – das Geschäftsmodell ist tot

VW-Chef Oliver Blume räumt auf der Hauptversammlung ein: Das jahrzehntelang erfolgreiche Geschäftsmodell funktioniert nicht mehr. 50.000 Stellen fallen weg, Fabrikkosten sinken um 20 Prozent – und trotzdem reicht es nicht.

Oliver Blume hat auf der virtuellen Hauptversammlung des Wolfsburger Konzerns ausgesprochen, was viele längst ahnten: Das Geschäftsmodell von Volkswagen ist Geschichte. „Unser über Jahrzehnte erfolgreiches Geschäftsmodell funktioniert heute nicht mehr“, erklärte der VW-Chef laut Spiegel im Rahmen der Versammlung.

Die Rahmenbedingungen hätten sich 2026 nochmals verschärft, die Lage sei angespannt und anspruchsvoll. Während Blume einerseits Fortschritte bei E-Autos betont – in Europa ist VW Marktführer –, räumt er andererseits ein: „Mit unseren Produkten stehen wir wieder vorn im Wettbewerb. Allerdings verdienen wir damit nicht genug Geld.“.

Radikaler Stellenabbau und Kapazitätskürzung

Die Zahlen sind brutal: Bis 2030 sollen konzernweit 50.000 Stellen wegfallen. 28.000 Mitarbeiter haben bereits freiwillige Austritte vereinbart, allein bei der Kernmarke reduziert sich die Belegschaft bis Ende 2026 um 19.000 Beschäftigte. Parallel dazu senkt VW die Fabrikkosten an deutschen Standorten um mehr als 20 Prozent.

Doch damit nicht genug: Blume plant, die Kapazität der europäischen Werke bis 2030 um weitere 500.000 Fahrzeuge zu kürzen – zusätzlich zum bereits laufenden Abbau von einer Million Fahrzeugen bis 2028. In China soll die Produktion ebenfalls um 500.000 Einheiten sinken. Finanzvorstand Arno Antlitz begründet den Kurs mit der chinesischen Konkurrenz, die in Ost- und Südeuropa neue, effiziente Werke hochzieht.

Aktionäre attackieren die Konzernstruktur

Während Aktionärsvertreter den Sparkurs grundsätzlich mittragen, wächst die Kritik an der Konzernstruktur. Ingo Speich, Manager bei der Fondsgesellschaft DEKA, fordert mehr als nur Kostensenkungen: VW müsse endlich wieder attraktive Produkte liefern. Speich sieht den Konzern zerrieben zwischen den Interessen der Anker-Aktionäre – Familie Porsche, Familie Piëch, Land Niedersachsen, Katar.

„Der breite Kapitalmarkt wird einfach häufig vergessen vom Aufsichtsrat“, so Speich. Die Gemengelage aus Familieninteressen, Landespolitik und Staatsfonds blockiere strategische Entscheidungen. Zum Start der Hauptversammlung sorgte zudem der überraschende Rückzug von Aufsichtsrätin Susanne Wiegand für Aufsehen. Die ehemalige Renk-Chefin zog ihre Kandidatur zur Wiederwahl kurzfristig zurück – nach nur einem Jahr im Kontrollorgan.

Zölle, Handelsbarrieren und geopolitische Risiken

Blume macht deutlich, dass die laufenden Sparprogramme zwar Wirkung zeigen, aber durch externe Faktoren konterkariert werden. Zölle, Handelsbarrieren und geopolitische Risiken belasten das Geschäft massiv. Das „Zielbild Volkswagen Konzern 2030″ soll im Sommer konkretisiert werden – gemeinsam mit dem Aufsichtsrat.

Ziel: 2030 der „weltweit attraktivste Automobilhersteller“ sein, mit einer Umsatzrendite von acht bis zehn Prozent. Ob das realistisch ist, bleibt fraglich. Laut einem Bericht des Manager Magazins sehen Teile der VW-Führung den Konzern sogar als existenzgefährdet an.

Business Punk Check

VW steckt in der Zwickmühle: Der Konzern schrumpft sich gesund, während die Konkurrenz aus China Europa mit neuen Werken flutet. Blumes Eingeständnis, dass das alte Geschäftsmodell tot ist, kommt spät – aber immerhin ehrlich. Die Frage ist: Reicht Kostensenken allein? 20 Prozent weniger Fabrikkosten klingen beeindruckend, doch wenn die Produkte nicht genug Marge abwerfen, hilft auch das beste Sparprogramm nichts. Die Kritik der Aktionäre trifft ins Schwarze: VW braucht nicht nur Effizienz, sondern wieder Produkte, die Menschen wirklich wollen.

Die Konzernstruktur mit ihren verfilzten Interessen ist dabei ein massives Hindernis. Solange Familien, Länder und Staatsfonds am Steuer sitzen, bleibt VW ein schwerfälliger Tanker in stürmischer See. Die nächsten Monate werden zeigen, ob Blume den Konzern wirklich neu aufstellen kann – oder ob VW weiter zwischen Sparzwang und Innovationsdruck zerrieben wird. Wer auf schnelle Besserung hofft, sollte sich warm anziehen: Die geopolitischen Risiken und Handelskonflikte werden nicht verschwinden.

Quellen: Ndr, Spiegel, Waz Online

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