Business & Beyond VW rettet sich mit Radikalkur: Bis zu 60.000 Jobs und vier Werke auf der Kippe

VW rettet sich mit Radikalkur: Bis zu 60.000 Jobs und vier Werke auf der Kippe

Zwischen 50.000 und 60.000 Jobs auf der Kippe

Die Zahlen schwanken je nach Quelle, das Ausmaß nicht: Laut Welt stehen 50.000 Arbeitsplätze zur Disposition, laut BILD sind es bis zu 60.000 Stellen inklusive Management, davon 47.200 zunächst plus weitere 13.000 zur Schließung der Gemeinkostenlücke. Die Restrukturierung soll zwischen 6,6 und 10 Mrd. Euro kosten. Gleichzeitig will VW Investitionen und Forschungsausgaben um rund 50 Mrd. Euro kürzen.

Das Kalkül dahinter: Der Konzern rechnet 2030 nur noch mit 9 Millionen verkauften Fahrzeugen, deutlich weniger als die knapp 11 Millionen von 2019. Ohne Gegenmaßnahmen läge die Marge bei minus 0,1 Prozent, Ziel sind stattdessen 9 Prozent Umsatzrendite, ein operatives Ergebnis von 30,6 Mrd. Euro und eine Ergebnisverbesserung um insgesamt 30,9 Mrd. Euro. Laut BILD haben externe Berater von BCG, Roland Berger und PwC Notwendigkeit, Dringlichkeit und Schlüssigkeit des Konzepts bestätigt, ein Argument, das der Vorstand offenbar gezielt einsetzte, um Zweifler im Aufsichtsrat zu überzeugen.

Emden, Zwickau, Hannover, Neckarsulm: Frist statt Urteil

In Europa muss VW Überkapazitäten von mehr als 500.000 Fahrzeugen abbauen. Betroffen sind die Werke Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm, für die ab 2031 bis 2034 keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gesichert ist. Nur wenn die Standorte bis Juni 2027 ihre Kosten massiv senken, prüft der Konzern neue Modelle. Denkbar wäre laut Welt, ein chinesisches Modell dort fertigen zu lassen, auf Rüstungsproduktion umzustellen oder doch noch ein bereits geplantes Modell dorthin zu verschieben, sofern die Kostenbasis sinkt.

Betriebsratschefin Daniela Cavallo und IG-Metall-Chefin Christiane Benner betonten nach der Sitzung: Kein Werk wurde aufgegeben und entgegen mehreren Medienberichten ist keine Werksschließung besiegelt. Sie forderten vom Vorstand zügige Investitionsentscheidungen und erklärten, er müsse “endlich die notwendigen Investitionen auf den Weg bringen, Innovationen vorantreiben und Beschäftigung dauerhaft sichern.“ Der Vorstand selbst hatte die Dringlichkeit zuvor drastisch formuliert: „Heute entscheiden WIR über das Überleben des Volkswagen Konzerns.“ Modellvielfalt soll um die Hälfte sinken, die Komplexität laut BILD sogar um 75 Prozent.

Das Geschäft in China und den USA schrumpft, das margenschwache Mexiko-Modell Jetta dürfte zu den Verlierern zählen, weil es bislang billig unter Umgehung von Trumps Zöllen produziert wurde. Laut BILD runden ein geordneter Seat-Auslauf bis Ende 2029 und der Umbau der VW AG zur Holding mit neuer VW Pkw AG und VW Group Components AG für rund 160.000 Arbeitsverhältnisse das Paket ab. Zusätzlich sollen Immobilien und Tochterfirmen verkauft werden, die Entscheidungsstrukturen werden vereinfacht, neue Manager-Boni sollen die Umsetzung des Plans absichern. Mit Erika Rasch besetzt VW zudem nach über einem Jahr wieder den traditionell von Arbeitnehmerseite besetzten Personalvorstandsposten, ein Signal, dass zumindest formal die Mitbestimmung weiterlebt, auch wenn ihre realen Kompetenzen schrumpfen.

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