Business & Beyond 28.000 Austritte fix: Der VW-Umbau wird Realität

28.000 Austritte fix: Der VW-Umbau wird Realität

Volkswagen beschleunigt den Kahlschlag: 28.000 Austritte bereits vereinbart, Fabrikkosten um ein Fünftel gesenkt. Konzernchef Blume verspricht sechs Milliarden Euro Einsparungen bis 2030 – während Trumps Handelspolitik den Konzern mit Milliarden-Belastungen trifft.

Volkswagen setzt die Axt an. Bis 2030 verschwinden mehr als 35.000 Arbeitsplätze bei der Volkswagen AG in Deutschland. Konzernchef Oliver Blume verkauft das als Erfolg seiner Sparbemühungen. Die Realität: Europas größter Autobauer kämpft gegen externe Schocks in zweistelliger Milliardenhöhe – und gegen die eigene Trägheit.

Kostensenkungs-Offensive läuft schneller als geplant

Die Zahlen klingen nach Durchgreifen. Mehr als 28.000 Austritte seien bereits verbindlich vereinbart, deutliche Kostensenkungen an deutschen Standorten erzielt. Bis 2030 peilt der Konzern laut Waz Online jährliche Netto-Einsparungen von mehr als vier Milliarden Euro an, erklärt Blume in seinem Redetext zur kommenden Hauptversammlung. Das Sparprogramm startete Ende 2023, die Einigung mit den Arbeitnehmern kam kurz vor Weihnachten 2024. Seitdem geht es schneller als erwartet: Ein Großteil der geplanten Stellenstreichungen ist bereits vertraglich fixiert. Die Werke in Sachsen und Osnabrück trifft es besonders hart. In Osnabrück läuft derzeit noch das T-Roc-Cabrio vom Band – bis die Fertigung 2026 ausläuft. Die Mitarbeiter warten auf eine Lösung, die Blume bis Jahresende versprochen hat.

Trumps Zollpolitik kostet VW fünf Milliarden jährlich

Der eigentliche Kostentreiber kommt aus Washington. Die Zölle von US-Präsident Donald Trump belasten Volkswagen direkt und indirekt mit Milliarden-Beträgen, wie Manager Magazin berichtet. Besonders bitter für die Tochter Audi: Sie verfügt über keine eigene US-Produktion und muss Fahrzeuge aus Europa und Mexiko importieren – genau die Regionen, die Trump mit Strafzöllen belegt. Audi prüfe weiterhin den Aufbau einer Fertigung in den USA, heißt es aus Wolfsburg. Eine Notlösung, die Jahre dauern wird und Milliarden verschlingt. Bis dahin bleibt der Konzern der US-Handelspolitik ausgeliefert. Die Sparprogramme sollen die externen Gegenwinde auffangen – ein Wettlauf gegen die Zeit und gegen politische Willkür.

Fabrikkosten runter, Zukunftsfähigkeit fraglich

VW verkauft die Kostensenkung als Modernisierung. Die Wahrheit: Der Konzern reagiert auf Jahre der Versäumnisse. Während Tesla und chinesische Hersteller mit schlanken Strukturen und digitalen Prozessen punkten, schleppt Volkswagen ein Kostenkorsett aus Tarifverträgen und überalterten Werken mit sich herum.

Die Reduktion der Fabrikkosten um ein Fünftel ist kein Triumph – sondern längst überfällig. Blume verspricht, die Einsparungen würden den Konzern wettbewerbsfähig machen. Doch während VW Stellen streicht, investieren Konkurrenten in neue Technologien und Produktionsstandorte. Die Frage bleibt: Spart sich Volkswagen gesund – oder nur kleiner?

Business Punk Check

VW feiert Stellenabbau als Erfolg – dabei ist es ein Offenbarungseid. Jahrelang hat der Konzern Überkapazitäten und Ineffizienzen ignoriert, jetzt kommt die Rechnung. Mehr als 35.000 Jobs weg, Milliarden-Einsparungen geplant – klingt nach hartem Management. Ist aber nur die Quittung für verpasste Transformation. Die eigentliche Gefahr: Während VW schrumpft, bauen chinesische Hersteller ihre Europa-Präsenz aus.

BYD, Nio und Co. setzen auf neue Werke, moderne Prozesse und aggressive Preispolitik. Volkswagen dagegen kämpft mit Trump-Zöllen, die den Konzern mit Milliarden-Belastungen treffen, und einer Kostenstruktur, die selbst nach dem Kahlschlag nicht wettbewerbsfähig ist. Für Zulieferer und Mittelständler in der Automobilregion bedeutet das: Diversifizierung ist überlebenswichtig. Wer nur auf VW setzt, sitzt auf einem sinkenden Schiff. Die Sparprogramme mögen kurzfristig die Bilanz schönen – langfristig fehlt die Vision, wie Volkswagen gegen Tesla, BYD und die neue Konkurrenz bestehen will.

Quellen: Waz Online, Manager Magazin, n-tv

Das könnte dich auch interessieren