Business & Beyond Warum Merz‘ China-Offensive zum Rohrkrepierer werden könnte

Warum Merz‘ China-Offensive zum Rohrkrepierer werden könnte

Deutschland will gegen Chinas Exportflut vorgehen, doch die Strategie krankt an inneren Widersprüchen. Während Ökonomen vor Schnellschüssen warnen, zeigt sich: Peking hat sich selbst verwundbar gemacht.

China flutet Europa mit Billigexporten, manipuliert die Währung und drückt mit staatlichen Subventionen die Preise. Soweit die Diagnose. Doch bei der Therapie wird es kompliziert: Friedrich Merz fordert einen Währungsdialog nach Vorbild des Plaza-Abkommens von 1985, Frankreichs Macron will härtere Schutzzölle, und in Brüssel diskutiert man Mindestpreise für chinesische Waren. Das Problem: Ein gemeinsames deutsch-französisches Positionspapier wurde nicht rechtzeitig fertig. Europas Einigkeit existiert nur auf dem Papier.

Die nackten Zahlen sind brutal: Chinesische Produkte sind im Schnitt 43 Prozent günstiger als deutsche, wie der Maschinenbauverband VDMA ermittelt hat. In den ersten fünf Monaten 2025 brachen deutsche Exporte nach China um über 14 Prozent ein, während die Importe um sechs Prozent auf 74 Milliarden Euro stiegen. Die EU-weite Handelslücke beträgt mittlerweile 360 Milliarden Euro. Der Renminbi ist nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds zwischen 20 und 30 Prozent unterbewertet, ein bewusster Schachzug Pekings.

Felbermayrs Gegenstrategie: Präzision statt Panik

Handelsökonom Gabriel Felbermayr, Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung, warnt vor pauschalen Importzöllen à la Trump. „Man muss differenzieren“, sagt Felbermayr laut WirtschaftsWoche. Wo es keine EU-Produktion gibt, seien Billigimporte willkommen. Anders bei Sektoren mit heimischen Kapazitäten oder strategischer Relevanz.

Sein Vorschlag: sektorspezifische Zölle – Antidumping-, Antisubventions- und Schutzzölle, die im Handelsrecht bereits etabliert sind. Das Problem dabei: Die aktuellen Antisubventionszölle auf E-Autos greifen zu kurz, weil sich Importe einfach auf Hybridmodelle verlagern. Die Sektordefinition sei zu eng, kritisiert Felbermayr. Besser als Subventionen an europäische Firmen wäre ohnehin die Senkung von Energiekosten, Abgaben und Steuern und die Förderung von Forschung statt Produktion.

Mindestpreise: Geschenk an Peking

Politisch en vogue, ökonomisch katastrophal, so bewerten Experten die Idee von Mindestpreisen für China-Importe. „Aus ökonomischer Sicht absolut kontraproduktiv“, sagt Jürgen Matthes vom Institut der deutschen Wirtschaft. Mindestpreise würden chinesischen Exporteuren eine Gewinngarantie auf dem Silbertablett servieren und den Exportschub verstärken. Matthes plädiert stattdessen für Ausgleichszölle, die nachgewiesene Wettbewerbsverzerrungen ausgleichen – bis zu 50 Prozent. Merz schwebt ein internationaler Währungsdeal vor, analog zum Plaza-Abkommen.

Damals organisierten die G5-Staaten eine Dollar-Abwertung. Nur: China müsste einer Renminbi-Aufwertung zustimmen – bei kontrollierter Wirtschaft und geschlossenen Kapitalmärkten extrem unwahrscheinlich. Eine Kapitalmarktöffnung könnte Geldflucht auslösen und Chinas Finanzsystem destabilisieren.

Europas Spaltung spielt Peking in die Karten

Während Berlin und Paris Geschlossenheit beschwören, charmieren einzelne Staaten Peking eifrig. Spaniens Premier Sánchez war viermal in China – mit Erfolg: CATL baut mit Stellantis eine Batteriefabrik für 4,1 Milliarden Euro, bringt 2000 chinesische Arbeiter mit. Die versprochenen 4000 spanischen Jobs klingen gut – zeigen aber Europas Dilemma: nationale Interessen schlagen europäische Solidarität.

Peking kontert die Chinaschock-Rhetorik geschickt mit dem Narrativ der „China-Chance 2.0″. Premier Li Qiang argumentiert, Chinas Aufstieg verschaffe anderen Ländern günstigen Zugang zu fortschrittlichen Technologien. Die staatsnahe Global Times attackierte Merz persönlich als „Wirtschaftslaien“ mit „egoistischen Absichten“ – ein seltener diplomatischer Affront.

Business Punk Check

Merz‘ Währungs-Offensive klingt nach entschlossenem Handeln, ist aber Realpolitik-Theater. Ein Plaza-Abkommen 2.0 scheitert an Chinas Weigerung, die Kontrolle aufzugeben. Mindestpreise wären ein Eigentor. Felbermayrs sektorspezifischer Ansatz ist klug, aber langsam – zu langsam für Maschinenbauer, die jetzt bluten. Die bittere Wahrheit: Europa ist für seine Energiewende auf chinesische Solar- und Batterietechnik angewiesen.

Und solange Spanien Deals macht, während Deutschland Grundsatzreden schwingt, lacht Peking sich ins Fäustchen. Chinas Währungsmanipulation macht das Land langfristig verwundbar – verhindert freie Konvertibilität, schmälert internationale Kaufkraft. Doch kurzfristig sitzt Peking am längeren Hebel. Europas einzige Chance: radikale Standortverbesserung statt protektionistischer Schnellschüsse.

Quellen: WirtschaftsWoche, WirtschaftsWoche

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