Business & Beyond ZF zurück im Plus: Schulden bleiben, Airbag-Sparte auch

ZF zurück im Plus: Schulden bleiben, Airbag-Sparte auch

Nach zwei Verlustjahren schreibt ZF wieder schwarze Zahlen; 122 Mio. Euro Gewinn. Doch Schulden, Stellenabbau und die Kehrtwende bei Lifetec zeigen: Die Wende ist teuer erkauft.

Zwei Jahre lang schrieb ZF Friedrichshafen tiefrote Zahlen, zuletzt einen Verlust von 2,1 Mrd. Nun meldet der zweitgrößte deutsche Autozulieferer für das erste Halbjahr einen Nettogewinn von 122 Mio. Euro, wie Finanzchef Michael Frick laut WirtschaftsWoche mitteilte.

Im Vorjahreszeitraum stand noch ein Minus von 195 Mio. Euro zu Buche. Die Rückkehr in die Gewinnzone wirkt wie eine Erfolgsgeschichte; tatsächlich ist sie vor allem das Ergebnis radikaler Einschnitte, während die strukturellen Probleme des Konzerns ungelöst bleiben.

Umsatz sinkt, Ergebnis steigt

Der Umsatz ging um zwei Prozent auf 19,3 Mrd. Euro zurück, bereinigt um Wechselkurseffekte und Unternehmensverkäufe legte er leicht um 0,5 Prozent zu. Gleichzeitig stieg das bereinigte operative Ergebnis um 111 Mio. Euro auf 964 Mio. Euro, so WirtschaftsWoche.

Vorstandschef Mathias Miedreich führt den Sprung auf Kostendisziplin und die Konzentration auf profitable Produkte zurück. Für das Gesamtjahr bestätigt ZF seine Prognose von mehr als 38 Mrd. Euro Umsatz. Die Schere zwischen schrumpfendem Geschäft und wachsender Marge zeigt: Das Unternehmen verdient nicht mehr Geld, weil mehr verkauft wird, sondern weil es kleiner und billiger geworden ist.

Schuldenberg bleibt trotz Harman-Deal hoch

Die Verbindlichkeiten liegen weiterhin bei rund 9,8 Mrd. Euro, nach 10,5 Mrd. Euro im Vorjahreshalbjahr. Aufgenommen wurden die Kredite vor allem für die Übernahmen von Wabco und TRW; allein die Zinslast kostet ZF jährlich Hunderte Millionen Euro.

Substanziell entschulden soll nun der Verkauf der Sparte für automatisiertes Fahren an die Samsung-Tochter Harman, dessen Abschluss Frick laut Handelsblatt für die zweite Jahreshälfte erwartet. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt, dürfte laut Handelsblatt aber über einer Milliarde Euro liegen. Ob dieser Erlös reicht, um den Schuldenberg spürbar zu senken, bleibt offen.

Kehrtwende bei Lifetec, Kahlschlag bei Personal

Überraschend hält ZF nun doch an seiner Airbag- und Sicherheitstechnik-Sparte Lifetec fest, die seit Herbst 2022 zum Verkauf stand. „Wir haben nun entschieden, dass ZF Lifetec bis auf Weiteres vollständig im Besitz von ZF verbleiben wird“, sagte Frick laut WirtschaftsWoche.

Ein Komplettverkauf sei laut Handelsblatt an unterschiedlichen Preisvorstellungen gescheitert, für einen Teilbörsengang habe sich kein Zeitfenster geöffnet. Gleichzeitig läuft der größte Stellenabbau der Firmengeschichte: Bis 2028 sollen bis zu 14.000 Jobs in Deutschland wegfallen. Ende Juni beschäftigte ZF weltweit noch 149.675 Menschen, in Deutschland gut 47.000; vier Prozent weniger als Ende 2025.

Business Punk Check

Fakt ist: ZF schreibt wieder Gewinn, doch der Umsatz schrumpft und die Schulden bleiben hoch. Die Lifetec-Kehrtwende zeigt, dass selbst ein zahlungskräftiger Konzern mit Staatsstiftung als Eigentümer keine Käufer zu akzeptablen Preisen findet; ein Warnsignal für die gesamte Zulieferbranche.

Der Harman-Verkauf soll die Entschuldung tragen, konkrete Zahlen fehlen bislang. Eine belastbare Stimme der Betroffenen aus dem Stellenabbau liegt bislang nicht vor; offen bleibt, wie tragfähig die Erholung ohne echtes Umsatzwachstum wirklich ist.

Auf einen Blick

  • ZF erzielte im ersten Halbjahr einen Nettogewinn von 122 Mio. Euro, nach einem Verlust von 195 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum.
  • Der Umsatz sank um zwei Prozent auf 19,3 Mrd. Euro, während das bereinigte operative Ergebnis auf 964 Mio. Euro stieg.
  • Die Schulden liegen weiterhin bei rund 9,8 Mrd. Euro, entlastet werden soll die Bilanz durch den geplanten Verkauf der Sparte für automatisiertes Fahren an Harman.
  • Entgegen früherer Pläne bleibt die Airbag-Sparte Lifetec vollständig bei ZF, während bis 2028 bis zu 14.000 Stellen in Deutschland abgebaut werden sollen.

Quellen: WirtschaftsWoche, Handelsblatt, Tagesschau, Autohaus, Faz

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