Commerzbank-Übernahme: Klingbeil zieht rote Linien gegen Orcel
Der Bund hält nur zwölf Prozent, doch Klingbeil stellt UniCredit-Chef Orcel Bedingungen. Ein Machtpoker mit begrenzten Druckmitteln beginnt.
Lars Klingbeil hat sich lange geweigert, mit Andrea Orcel überhaupt zu sprechen. Jetzt saß der Bundesfinanzminister dem UniCredit-Chef gegenüber und stellte Bedingungen für eine Übernahme, die längst nicht mehr zu verhindern ist. Der Grund für den Kurswechsel ist simpel: UniCredit hat sich Zugriff auf bis zu 49,65 Prozent der Commerzbank-Anteile gesichert, der Bund kommt nur noch auf rund zwölf bis 13 Prozent.
Das Gespräch fand in Berlin statt, wie Tagesschau berichtet. Klingbeil bezeichnete das Vier-Augen-Treffen als konstruktiv. Orcel sprach von einem guten ersten Austausch, dem zeitnah weitere folgen sollten.
Vom Boykott zur Verhandlung
Die Bundesregierung hatte die Übernahmepläne monatelang als „feindlich“ gebrandmarkt und jede Gesprächsbereitschaft mit Verweis auf das Commerzbank-Management abgewiesen, wie SZ.de dokumentiert. Selbst als im Juli klar wurde, dass die Italiener bereits knapp 50 Prozent kontrollierten, blieb Berlin auf Distanz. Diese Haltung hat sich als Positionierungsverlust erwiesen: Wer die Realität ignoriert, verhandelt später aus der schwächeren Position.
Jetzt fordert Klingbeil, dass die Commerzbank eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleibt und ihr Mittelstandsgeschäft in Deutschland wie international fortführt. „Wir erwarten, dass die Commerzbank eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleibt und ihr starkes Mittelstandsgeschäft fortsetzt – sowohl in Deutschland als auch international“, sagte Klingbeil laut Tagesschau.
Zwei Sitze als letzter Hebel
Der Bund will an zwei Aufsichtsratssitzen festhalten und verlangt, dass die künftige Konzernstruktur die Bedeutung des deutschen Marktes widerspiegelt, der dann größten Region der UniCredit-Gruppe. Als konkrete Forderung nannte das Ministerium auch den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. Klingbeil betonte, die Regierung stehe an der Seite der mehr als 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Commerzbank.