Deluxe & Destinations In Genf geht alles …

In Genf geht alles …

In unserem aktuellen Business-Punk-Heft 2.2026: Was auf der Watches and Wonders 2026 wirklich zählte, waren nicht neue Farben oder Gehäusegrößen – sondern technische Meisterwerke, die die Grenzen des Machbaren neu definieren. Wir zeigen vier außergewöhnliche Uhren

Von Wolfgang Winter

Sieben Tage, 65 Marken – und vier Uhren, die beweisen, dass es bei der wichtigsten Uhrenmesse der Welt schon lange nicht mehr um das Anzeigen der Zeit, sondern um das Ausloten von Grenzen geht

Eine Uhr zeigt die Zeit. Das ist der offizielle Teil. Der Inoffizielle: Das interessiert die Käufer von Luxusuhren eher am Rande. In Wahrheit geht es um mehr. Um Innovation, Präzision und das ständige Verschieben des technisch Machbaren beim Lösen von Problemen, die niemand hat – aber alle sehen wollen. Und um Eitelkeit, natürlich. Dies war auch bei der Watches and Wonders 2026 das eigentliche Ding. Neben all den neuen Trendfarben, Retro-Zifferblättern, kleineren Gehäusegrößen, Steinzifferblättern und Uhren, die schon im All waren, noch fliegen oder fliegen könnten. Technische Trotzreaktionen Wenn es eine Botschaft der Luxusmarken gab, dann diese: Stillstand ist keine Option. Nicht einmal dort, wo das Erreichte längst unglaublich genug wäre. Die Super Freak von Ulysse Nardin, das Bulgari Octo Finissimo Ultra Tourbillon in Platin, das Jaeger-LeCoultre Gyrotourbillon à Stratosphère und die Patek Philippe Celestial 6105G sind daher keine Produkte im klassischen Sinn. Sie sind technische Trotzreaktionen. Gegen Schwerkraft, Bauhöhe, Konstruktionslogik und Konvention. Kurz und gut, gegen die naive Vorstellung, dass es bei einer Uhr um das Anzeigen der Zeit geht.

Ulysse Nardin Super Freak

Kaliber UN-252 Automatik Komponenten 511 Gangereserve 72 h Gehäuse 44 mm Weißgold Limitierung 50 Stück Preis ca. 348.000 €

Das erste automatische Doppel-Tourbillon Zum Jubiläum hätte es ein hübsches Sonderblatt, eine Gravur und ein Glas Champagner geben können. Ulysse Nardin hat sich anders entschieden. Das Kaliber UN-252 ist das erste automatische Doppel-Tourbillon der Welt. Zwei fliegende Tourbillons, um zehn Grad gegeneinander geneigt, über das kleinste Differential der Uhrengeschichte synchronisiert. 511 Komponenten. 97,46 Prozent davon in permanenter Bewegung. Das Ziel des ganzen Aufwands? Stunden, Minuten, Sekunden anzeigen. Mehr nicht. Nie war „nur die Zeit anzeigen“ teurer, komplizierter und beeindruckender.

Patek Philippe Celestial Sunrise and Sunset

Kaliber 240 C LU CL LCSO Automatik mit Mikrorotor Komplikation Sonnenaufgang/-untergang, Sternenkarte, Mondphasen, Datum, Zeitkorrektur Gangereserve 38 bis 48 h Gehäuse 47 mm Weißgold Preis ca. 415.795 €

Genfer Nachthimmel 139 in Echtzeit Es hat fünf Jahre und sechs Patente gebraucht. Das Ergebnis: Die erste Patek-Armbanduhr mit Sonnenaufgang- und Sonnenuntergangsanzei – ge – inklusive synchroner Sommer-/Winterzeit-Kor – rektur. Dafür drehen sich drei übereinanderliegende transparente Scheiben mit unterschiedlicher Ge – schwindigkeit und zeigen den Genfer Nachthimmel in Echtzeit. Das Gehäuse: 47 mm groß, jedoch ohne Bandansatz. Stattdessen eine X-Struktur mit schwar – zem Composite-Band wie bei Raumfahrtmodulen. Für Patek eine mutige Ent – scheidung. Für Sammler vermutlich genau deshalb interessant.

Bulgari Octo Finissimo Ultra Tourbillon in Platin

Kaliber BVF 900 Handaufzug Komponenten 1,85 MM Gangereserve 42 h Gehäuse 40 mm in 950er Platin Limitierung 10 Ex. Preis ca. 659.000 €

Limitierte Platinuhr ohne Krone 1,85 Millimeter. Das ist die Gesamthöhe. Nicht das Werk – die ganze Uhr. Bulgari hat seinen Weltrekord für das flachste fliegende Tourbillon mit dem Kaliber BVF 900 in Platin gegossen. Der Trick dabei: Gehäuse und Uhrwerk sind keine separaten Baugruppen mehr. Sie sind eine einzige, integrierte horizontale Architektur ohne Krone. Das Aufziehen und Einstellen erfolgt über zwei seitliche Rädchen. Nicht jedermanns Sache? Klar. Gibt ja auch nur zehn Exemplare davon.

Jaeger-LeCoultre Master Hybris Inventiva Gyrotourbillon à Stratosphère

Kaliber 178 Handaufzug Tourbillon-Gewicht 0,78 g Komponenten 517, Tourbillon 189 Gangereserve 72 h Gehäuse 42 mm 950er Platin Limitierung 20 Ex. Preis ca. 765.000 €

Auf Haaresbreite fliegen – des Tourbillon Ein Tourbillon im Tourbillon im Tourbillon. Drei Titan – käfige, drei Achsen, drei verschiedene Rotations – geschwindigkeiten. Damit deckt das dreiachsige Tourbillon laut JaegerLeCoultre 98 Prozent aller möglichen Lagen ab, in denen Schwerkraft die Präzision beeinflusst. Das wurde noch nie erreicht. Der gesamte Mechanis – mus wiegt 0,78 Gramm. Jaeger-LeCoultre hat viele Jahre Forschung im neuen Kaliber 178 destilliert und damit die Hybris InventivaLinie eröffnet. Reserviert für Dinge, die eigentlich nicht machbar sein sollten. Aber keine Sorge. Die Zeit zeigt die Uhr auch.

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