Deluxe & Destinations Von Südtirol bis Gardasee: Die Brüder, die Stille skalieren

Von Südtirol bis Gardasee: Die Brüder, die Stille skalieren

Zwischen Bergluft und Seebrise bauen die Brüder Johannes und Christian Margesin an einer neuen Form von Luxus – einer, die nicht knallt, sondern trägt. Mit dem ALPIANA in Südtirol und dem Cape of Senses am Gardasee haben sie zwei Welten geschaffen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und dennoch denselben Kern haben: Ruhe als radikales Produkt. Im Gespräch erzählen die Hoteliers, warum echter Luxus heute im Weglassen liegt, weshalb Architektur mehr Haltung als Hülle ist – und wieso Gäste manchmal weniger wegen der Spa-Menüs kommen, sondern wegen der Menschen dahinter.

Zwei Brüder, zwei Welten: Berge und See – was ist dein persönlicher „Dopamin-Ort“? Und wie übersetzt man diesen Ort in Architektur und Hotelerlebnis?

An Südtirol liebe ich die imposante Kulisse der Berge – am Gardasee hingegen schätze ich den Blick in die Ferne und die Nähe zur Großstadt, wie z.B. Verona. Am glücklichsten bin ich, wo ich mich geborgen und willkommen fühle. Genau das versuchen wir in beiden Häusern abzubilden: elegantes und gleichzeitig durchdachtes Design, gepaart mit herzlicher Gastfreundschaft in einem einmaligen Setting.

Die Margesin Familie
Johann Margesin (l.) mit der General Managerin Alina Deutsch und den Söhnen und CEOs des Cape of Senses und ALPIANA, Christian und Johannes Margesin (r.).

Ihr führt ein Familienunternehmen in dritter Generation. Wie viel Tradition hält euch am Boden – und wie viel Rebellion treibt euch voran?

Unser Opa Josef hat in den 1970-ern den Grundstein gelegt. Seither haben wir von ihm und auch von unserem Vater viel über die Immobilienbranche, Architektur und Hotellerie gelernt – das hilft enorm. Gleichzeitig sind wir noch keine 50 und haben extreme Lust, immer wieder Neues auszuprobieren, sei es im Bereich Konzept, Design, Food, Sport, Wellness. Tradition ist ein solides Fundament, aber die Entscheidungen treffen wir nach heutigen Maßstäben.

ALPIANA vs. Cape of Senses: Natur umarmen oder auf das Minimum reduzieren?

Die Lage war für uns immer entscheidend. Das Grundstück des ALPIANA hat unsere Familie vor über 55 Jahren gekauft – mit Dolomitenblick, viel Licht und dieser typischen Ruhe der Berge. Am Gardasee haben mein Vater, Christian und ich fast 20 Jahre nach dem passenden Stück Land gesucht. Heute ist der Sonnenuntergang dort ein USP für sich. Beide Häuser funktionieren, weil wir der Natur nichts überstülpen. Wir verstärken, was der Standort ohnehin kann. Und 2026 feiern wir 50 Jahre ALPIANA – worauf wir uns sehr freuen.

Cape of Senses Gardasee
Cape of Senses Gardasee

Warum sollten Gäste euch wegen eurer Haltung wählen – und nicht wegen der Quadratmeter im Spa?

Der Unterschied entsteht immer über die Menschen, nicht über Flächen. In beiden Häusern setzen wir auf höchste Servicequalität – aber mit echter Herzlichkeit. Das Cape of Senses am Gardasee lebt von einem Team, das aus vielen Italienern besteht, die Service nicht als Job sehen, sondern aus dem Herzen heraus ihre Rolle als Gastgeber verkörpern.Im ALPIANA wiederum prägen die Südtiroler Mitarbeiter die Atmosphäre: direkt, unkompliziert, hemdsärmelig – und genau deshalb extrem authentisch. Quadratmeter sind ein Luxus an beiden Orten, aber Persönlichkeit bleibt hängen. Unsere Haltung zeigt sich in jedem Kontaktpunkt, und das ist einer der stärksten USPs beider Häuser.

ALCIELO Rooftop-Spa, Sky Pool, Black Diamond Sauna – wie viel „Wow“ braucht ein Hotel heute?

„Wows“ sind heute unverzichtbar. Unsere Regionen gehören international zu den begehrtesten Destinationen, deshalb gehen wir bewusst voraus, setzen neue Impulse und denken immer einen Schritt weiter. Für uns heißt das: moderne Spa-Welten, starke Treatments, themenspezifische Wochen und eine Gastronomie mit eigener Handschrift. Dazu kommt das Glück außergewöhnlicher Standorte: Im Cape of Senses eine Panoramalage hoch über dem Gardasee mit spektakulärem Sonnenuntergang – sichtbar von Zimmern, Bar, Restaurant und Spa. Im ALPIANA die besondere Kombination aus Nähe zu Meran und Dolomitenblick hoch über

Lana. Und klar ist auch: Man kann sich nicht auf einem einmaligen Wow ausruhen – ein gutes Hotel erfindet sich immer wieder neu.

Cape of Senses am Gardasee
Cape of Senses am Gardasee

Wie verhindert man, dass Luxury zum Instagram-Set wird?

Indem der Service besser ist als jedes Foto. Klar, das Setting muss stimmen – aber entscheidend ist, dass Gäste echte Momente erleben: ehrliche Gespräche mit dem Team, kleine Überraschungen, das Gefühl, gesehen und geschätzt zu werden.

Cape of Senses ist Adults-Only. Strategie oder Bauchgefühl?

Ganz klare Strategie. Adults-Only bedeutet bei uns: ab 14 Jahren. Ab diesem Alter können Gäste Architektur, Gastronomie und Wellness wirklich bewusst erleben. Der Kern ist aber ein anderer: Viele kommen zu uns, weil sie Ruhe suchen. Ein Abend beim Sonnenuntergang mit einem Franciacorta in der Hand – genau dieses Erlebnis möchten wir schützen. Dafür ist Adults-Only die passendste Ausrichtung.

Das Cape of Senses
Das Cape of Senses

Natur spielt in beiden Häusern eine Hauptrolle. Romantik oder Business?

Für uns ist Natur vor allem der Rahmen für echte Erholung. Im ALPIANA hat das Tradition: Familien, Paare und mehrere Generationen finden dort ihren eigenen Zugang zur Ruhe – in den Bergen, in der Bewegung oder einfach im Miteinander, getragen von einem 15.000 m² großen Poolgarten mit Rückzugsorten auf verschiedenen Ebenen. Natur funktioniert hier in allen Lebensphasen. Im Cape of Senses liegt der Fokus klar auf Zweisamkeit. Romantik, Spa und gemeinsame Erlebnisse rund um den See prägen das Haus, eingebettet in einen 10.000 m²

großen Olivengarten als stillen Rückzugsraum. Am Ende geht es weniger um Romantik oder Business, sondern darum, Orte zu schaffen, an denen Menschen wirklich abschalten können.

Berge vs. Gardasee: Was habt ihr voneinander gelernt – als Brüder und Unternehmer?

Christian ist bei uns der Rationalere – ich komme stärker über das Bauchgefühl, über

Emotionen. Diese Mischung tut uns gut, weil sie zu besseren Entscheidungen führt. Auch die Standorte bringen uns ständig neue Perspektiven: Das ALPIANA steht für Bodenhaftung, Naturverbundenheit und ein sehr ehrliches, unkompliziertes Miteinander. Das Cape of Senses bringt eine andere Dimension ins Spiel – mehr Luxus, mehr Feinheit, mehr kuratierte Erlebnisse.

Wie erzählt man regionale Küche, ohne in Folklore abzurutschen?

Indem man sie zeitgemäß interpretiert. Für uns heißt das: beste Produkte, klare Handschrift, keine Nostalgie. Arnold Nussbaumer kocht seit über 25 Jahren im ALPIANA – eine unglaubliche Beständigkeit. Er verbindet alpine Küche mit italienischen und internationalen Einflüssen. Am

Gardasee setzt Gioele mit seinem jungen Team auf eine moderne Mischung aus mediterranen, Osteria- und Fine-Dining-Gerichten. Zwei unterschiedliche Stile, ein gemeinsames Ziel: Regionalität ohne Klischee.

„Berg & See“ – ist Multi-Destination Hospitality die Zukunft?

Für viele Gäste auf jeden Fall. Unsere Häuser liegen nur zwei Stunden auseinander – und könnten atmosphärisch kaum unterschiedlicher sein. Genau das macht die Kombination so spannend: erst Berge, Weite und alpines Flair im ALPIANA, dann mediterrane Leichtigkeit und Design am Gardasee. Mit unserem Package aus zwei Tagen ALPIANA und drei Tagen Cape of Senses bekommen Gäste beide Welten in einer Reise, ohne jeglichen Organisationsaufwand. Das kommt sehr gut an.

Brutalster Fehler im Hotelbusiness – und was hast du daraus gelernt?

Einmal wollten wir ein Produkt „für alle“ schaffen, doch das passte nicht zu uns. Seitdem fahren wir lieber klar: Wen sprechen wir an? Womit können wir punkten? Fokus spart Energie und bringt bessere Resultate.

Wer ist der Visionär, wer der Realist – und wer stoppt das Budget?

Ich bringe gerne viele Ideen, Christian macht sie baubar. Das Budget liegt in unseren Prozessen, nicht im Bauchgefühl. Und ja, wir challengen uns gegenseitig – das hält uns auf Kurs.

Welche Frage würdest du gern nie wieder hören?

„Was ist euer Erfolgsgeheimnis?“ Es gibt keines. Wir arbeiten mit einer klaren Vision, einer eindeutigen Positionierung und dem Fokus auf genau die Gäste, für die wir unsere Häuser entwickeln. Wir versuchen nicht, es allen recht zu machen – das war einer unserer wichtigsten Learnings. Wir haben ein starkes Team, treffen konsequente Entscheidungen und setzen sie sauber um. Mehr „Geheimnis“ steckt da nicht drin.

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