Der Roboter, der um sich schlug, ist jetzt Börsenstar
Ein Unitree-Roboter rastet im Testgestell aus, sein Hersteller feiert wenig später ein Börsendebüt mit 629 Prozent Plus. Zwischen Panikvideo und Kursrakete liegt die eigentliche Geschichte. Die Zahlen dazu.
Zwei Ingenieure, ein Gestell, ein Humanoider, der plötzlich wild um sich schlägt. Das Video ging 2025 um die Welt und löste das übliche Gruseln aus: Die Maschinen übernehmen. Gut ein Jahr später ist der Hersteller Unitree an der Börse und wird nach dem Handelsstart mit mehr als 400 Milliarden Yuan bewertet. Das Risiko, das Sie beschäftigen sollte, hängt nicht am Roboterarm. Es hängt am Kurszettel.
Zwei Ingenieure, ein Kran, ein Softwarefehler
Der Unitree H1 war in einer chinesischen Fabrik zum Test an einem Gestell aufgehängt, eine übliche Methode, um Bewegungen zu prüfen, ohne dass die Maschine umkippt. Dann begann er laut heise plötzlich, mit den Armen zu schlagen. Die beiden Testingenieure wichen aus, einer richtete die verrutschte Aufhängung neu aus und schaltete den Roboter ab. Verletzt wurde niemand. Woher die Aufnahme stammt, ist nicht bestätigt; Boing Boing verweist auf eine angebliche Überwachungskamera.
Die Erklärung ist weniger spektakulär als das Video. Laut Fox News wurde der Roboter am Kopf gesichert, die Balance-Software berücksichtigte die Fesselung nicht. Die Sensoren werteten den Widerstand als Sturz, es entstand eine Feedback-Schleife mit immer stärkeren Korrekturen, ein „bekannter Fehlermodus“. Keine Rebellion, ein Bug. heise hält ebenfalls einen Fehler im Code für wahrscheinlich und merkt an, solche Pannen kämen bei der Entwicklung vor, würden aber selten öffentlich. Die Testumgebung sei offenbar nicht ausreichend abgesichert gewesen.
Es blieb nicht der einzige Zwischenfall. Bei einem Festival in China im Februar 2025 lief ein H1 auf die Menge zu, Sicherheitskräfte zogen ihn rechtzeitig weg, so heise. Beim Halbmarathon in Peking stürzte ein Unitree G1 laut Boing Boing direkt am Start.
629 Prozent: Die Börse liebt Maschinen mit Macken
Am 19. August 2026 debütierte Unitree am Shanghaier STAR Market. Ausgabepreis: 150,80 Yuan. Zum Handelsstart stand die Aktie laut Gasgoo bei 1.100 Yuan, rund 629 Prozent darüber, der Börsenwert überschritt 400 Milliarden Yuan. Das Unternehmen sammelte laut WirtschaftsWoche gut sechs Milliarden Yuan ein. Knapp zehn Millionen Anleger in China zeichneten, die Aktie war bei Privatanlegern rund 8.300-mal überzeichnet.
Zum Ausgabepreis lag die Bewertung bei knapp 61 Milliarden Yuan, rund 7,9 Milliarden Euro. Dem stehen laut WirtschaftsWoche ein Umsatz von knapp 1,7 Milliarden Yuan und ein ausgewiesener Gewinn von 278 Millionen Yuan im Jahr 2025 gegenüber. Zum Ausgabepreis entspricht der Börsenwert dem 36-Fachen des Umsatzes und dem 219-Fachen des Gewinns. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um rund 69 Prozent, der bereinigte Gewinn sank um etwa 53 Prozent.
Wer kauft die Dinger eigentlich?
Auch die Kundenstruktur taugt nicht für Heldengeschichten. Laut WirtschaftsWoche entfielen in den ersten neun Monaten 2025 rund 74 Prozent des Humanoiden-Umsatzes auf Forschung und Bildung, nur etwa 9 Prozent auf Industrie. Davon wiederum stammten nach Angaben von Unitree 50 bis 70 Prozent aus Firmenpräsentationen und Ausstellungen. Der Börsenprospekt räumt selbst ein, dass der großflächige kommerzielle Einsatz humanoider Roboter unsicher bleibe.
Der Markt wächst trotzdem: Im ersten Halbjahr 2026 wurden laut Smart Analytics Global rund 19.100 Humanoide ausgeliefert, 272 Prozent mehr als im Vorjahr, über 97 Prozent davon aus China. AgiBot hat Unitree nach Stückzahlen überholt. Eine chinesische Behörde zählte Ende 2025 mehr als 150 Hersteller und mahnte, Tempo und Blasenbildung in Einklang zu bringen. Ende Juli entschied die US-Behörde FCC, dass neue ausländische humanoide Robotermodelle grundsätzlich keine Zulassung mehr erhalten.
Business Punk Check
Das Video zeigt, was die Branche gern verdrängt: Humanoide sind Software auf Stahlgelenken und Software hat Bugs. Das ist kein Skandal, aber ein Argument gegen das Versprechen vom Roboter-Kollegen im Alltag. Die Börse bewertet derweil Zukunft mit einem Aufschlag, der zu Forschungslaboren und Messehallen passt, nicht zu Fabrikhallen.
Für Unternehmer:innen und Entscheider:innen lautet die Frage wann sie sich das rechnet und wer haftet, wenn Roboter "ausrasten". Wer Pilotprojekte plant, sollte Sicherheitskonzept, Testumgebung und Stückkosten verlangen, bevor er Präsentationsvideos glaubt. Und wer an Aktien denkt: Die Bewertung ist die eigentliche Sollbruchstelle.
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- Ein Unitree H1 begann in einer chinesischen Fabrik im Testgestell plötzlich, mit den Armen zu schlagen, die beiden Ingenieure schalteten ihn ab, niemand wurde verletzt.
- Als Ursache gilt laut Fox News eine Balance-Software, die die Fesselung am Kopf nicht berücksichtigte und eine Feedback-Schleife auslöste.
- Unitree debütierte am 19. August 2026 am STAR Market mit einem Ausgabepreis von 150,80 Yuan, zum Handelsstart stand die Aktie rund 629 Prozent höher.
- Dem Börsenwert vom 36-Fachen des Umsatzes zum Ausgabepreis stehen laut WirtschaftsWoche ein Umsatz von knapp 1,7 Milliarden Yuan im Jahr 2025 und ein Industrie-Anteil von nur etwa 9 Prozent am Humanoiden-Umsatz in den ersten neun Monaten 2025 gegenüber.
Quellen: heise, Fox News, Boing Boing, WirtschaftsWoche, Gasgoo