briefing

Punk Presso: KI-Agenten klingeln an, die Banken öffnen nicht

Claude Duet, Banken gegen KI-Agenten und Musks Starshield
BP | KI-generiert mit ChatGPT Claude Duet, Banken gegen KI-Agenten und Musks Starshield
Erschienen
Lesezeit6 Min · 1.261 Wörter

Kurz, stark, wach: neun Meldungen aus der Presse von Anthropics neuem Dauer-Agenten über abgeschottete Bankkonten bis zu Musks Starshield-Drosselung. Alles, was Business Punker vor dem ersten Kaffee wissen müssen.

Guten Morgen, es ist Freitag, der 23. Oktober 2026. Die Presse hat neun Geschichten geliefert, die man in einem Satz weitererzählen kann, dazu eine Zahl, die dem KI-Boom zu denken gibt. Der Kaffee darf ruhig noch dampfen und dazu getrunken werden.

Zahl des Tages

54 Prozent: So stark ist laut Axios der Token-Preisindex von Silicon Data seit dem Mai-Hoch gefallen, von 2,07 Dollar auf zuletzt unter 1 Dollar je Million Tokens, den Rechenschnipseln, nach denen KI abgerechnet wird. Der Index von Ramp, der Firmenausgaben für OpenAI- und Anthropic-Modelle abbildet, sank seit Ende Februar um 48 Prozent. Die Ausgaben der Firmen stagnieren laut Axios seit zwei Monaten, obwohl der Verbrauch weiter steigt, was die erwarteten KI-Börsengänge unter Druck setzen könnte.

Wenn die Ware billiger wird, muss die Menge das Geschäft tragen.

Quelle: Axios

Work-Snacks

let’s techle it: Claude Duet meldet sich, bevor Sie fragen

Anthropic schickt einen KI-Agenten ins Büro, der von allein Bescheid sagt, wenn etwas Ihre Aufmerksamkeit braucht.

Claude Duet, vorgestellt am 21. Oktober, schickt laut 9to5Google morgens einen Kurzüberblick über die wichtigsten Punkte in den verbundenen Apps und meldet sich tagsüber nur, wenn etwas ansteht. Es arbeitet laut TechCrunch im Hintergrund auf einer eigenen virtuellen Maschine, also einem Cloud-Rechner. Heikle Schritte wie Zahlungen brauchen die Freigabe des Nutzers, Wertpapierhandel und Überweisungen zwischen Konten übernimmt der Agent nicht. Die Vorschau gibt es nur auf Warteliste für Pro- und Max-Kunden. Offen ist, wie viel man einem Dauer-Agenten in den eigenen Apps anvertraut.

Snack Punk Take: Geprüft (TechCrunch, 9to5Google); Ein Agent, der von selbst klingelt, ist Assistent und Wecker in einem.

Quelle: TechCrunch, 9to5Google

AnlagePunk: Banken sperren fremde KI-Agenten aus

Die großen US-Banken lassen KI-Agenten von Drittanbietern nicht an das Geld ihrer Kunden.

Laut The Next Web sagte Schwab-Chef Rick Wurster im Bloomberg-Interview, man blocke fremde Agenten, die Kundengeld bewegen wollen, darunter Metas Muse, zig Mal pro Woche. JPMorgan-Chef Jamie Dimon sagte demnach bei den Quartalszahlen, fremde KI-Agenten dürften nicht in den Systemen der Bank handeln. Lesezugriff auf Kontodaten wie Salden bleibt bei JPMorgan über Schnittstellen wie Plaid möglich, Überweisungen nicht, berichtet Let’s Data Science. Morgan Stanley will Kundenvermögen laut diesem Bericht um jeden Preis schützen. Die Frage ist, wie lange das Nein hält, wenn Kunden den Agenten ausdrücklich beauftragen.

Snack Punk Take: Geprüft (The Next Web, Let’s Data Science), der Agent darf mitlesen, aber nicht mitzahlen.

Quelle: The Next Web, Let’s Data Science

let’s techle it: Musk soll Starshield für die Ukraine gedrosselt haben

Elon Musk soll persönlich angeordnet haben, die militärische Starlink-Version für die Ukraine zu drosseln und die EU verlangt jetzt volle Leistung.

Das Wall Street Journal berichtet laut Reuters unter Berufung auf US-Beamte und Eingeweihte, Musk habe den Schritt angeordnet; er habe Drohneneinsätze der Ukraine für Angriffe und Luftabwehr behindert. Musk hatte zuvor gesagt, der Einsatz von Starshield sei letztlich Sache von US-Präsident Trump. Die EU-Kommission nannte die Berichte laut Handelsblatt „äußerst besorgniserregend“ und fordert, dass SpaceX den vollen Dienst sofort wiederherstellt. Musk, SpaceX und das Weiße Haus reagierten laut Reuters zunächst nicht auf Anfragen. Offen ist, wer die Drosselung am Ende verantwortet.

Snack Punk Take: Einzelquellen (Wall Street Journal, laut Handelsblatt auch CBS News; Musk hat sich nicht geäußert). Wer die Leitung kontrolliert, entscheidet, wer im Gefecht sprechen darf.

Quelle: GV Wire (Reuters), Handelsblatt

work wise: ChatGPT-Werbung erobert 89 Länder

Seit gut acht Monaten gibt es Werbung in ChatGPT, jetzt kommen 26 Länder dazu.

Mehr als 100.000 Werbekunden haben laut OpenAI inzwischen Kampagnen geschaltet. Die Anzeigen laufen damit in 89 Ländern, 14 der neuen Märkte liegen in Lateinamerika, darunter Argentinien, Chile, Kolumbien und Peru. Gebucht wird über Partner oder selbst im Ads Manager. Anzeigen sehen nur Nutzer der Tarife Free und Go, Plus, Pro und Enterprise bleiben werbefrei.

Snack Punk Take: Eigenangabe (OpenAI, Zahlen nicht unabhängig bestätigt). Wer ChatGPT gratis nutzt, bezahlt jetzt mit Aufmerksamkeit.

Quelle: OpenAI

work wise: SAP knackt erstmals zehn Milliarden im Quartal

SAP hat zum ersten Mal in einem Quartal mehr als zehn Milliarden Euro umgesetzt, und die KI-Angst bekommt Gegenwind.

Laut ms aktuell lag der Umsatz im dritten Quartal bei 10,27 Milliarden Euro, ein Plus von 13 Prozent. Der Cloud-Auftragsbestand stieg auf 24,14 Milliarden Euro, währungsbereinigt um 26 Prozent und damit über den Erwartungen. Für 2026 erwartet SAP den Cloud-Umsatz am oberen Ende der Spanne von 25,8 bis 26,2 Milliarden Euro. Klassische Lizenzerlöse sanken um 9 Prozent, und InvestmentWeek zitiert einen Analysten, SAP bleibe vage beim tatsächlichen Beitrag der KI.

Snack Punk Take: Eigenangabe (SAP-Zahlen, wiedergegeben von ms aktuell und InvestmentWeek). Noch frisst die KI keinen Auftragsbestand.

Quelle: ms aktuell, InvestmentWeek

work wise: Taiwan stoppt Grabs 600-Millionen-Deal

Taiwans Wettbewerbsbehörde hat den Kauf von Foodpanda Taiwan durch Grab untersagt, wegen Uber.

Laut Focus Taiwan stimmten am Mittwoch drei Kommissare gegen den 600-Millionen-Dollar-Deal mit Delivery Hero, einer war für eine Genehmigung mit Auflagen, einer enthielt sich. Der Grund: Uber hält rund 13,1 Prozent an Grab, deshalb hätte Grab weniger Anreiz, Uber Eats im stark konzentrierten Lieferdienstmarkt anzugreifen. Grabs Angebot, Ubers Anteil zu verwässern, überzeugte die Behörde nicht; Uber müsse den Anteil weiter senken oder ganz verkaufen. Grab zeigte sich enttäuscht und könnte laut Bericht erneut einen Antrag stellen.

Snack Punk Take: Geprüft (Focus Taiwan; Forbes meldet dasselbe). Wer an Uber hängt, kauft keinen Uber-Konkurrenten.

Quelle: Focus Taiwan, Forbes

work wise: Zeit-Chef: „Man muss die alle verklagen“

Der Chefredakteur der Zeit will KI-Konzerne wegen unerlaubter Nutzung journalistischer Inhalte verklagen.

Auf dem Mediengipfel der Medientage München sagte Jochen Wegner laut DWDL, KI-Firmen trainierten ihre Modelle ohne Erlaubnis auf journalistischen Inhalten, das sei Datendiebstahl. Klagen seien aber „kein Geschäftsmodell“. Die Zeit setzt parallel auf Dienstleister, die unerlaubte Zugriffe erkennen und blocken, und hat laut DWDL einen bezahlten Pilot mit Google, der eine begrenzte Auswahl an Artikeln vertraglich nutzen darf. Die Frage ist, ob sich Klagen und Lizenzdeals auf Dauer vertragen.

Snack Punk Take: Einzelquelle (DWDL). Piraten in der Redaktion sind willkommen, Piraten am Server nicht.

Quelle: DWDL

Play-Snacks

play hard: Netflix kappt seine Werbeprognose

Netflix rechnet für 2026 mit rund 2,7 Milliarden Dollar Werbeumsatz statt der angepeilten rund 3 Milliarden.

Laut DWDL nennt Netflix vor allem Verzögerungen: Einige Werbeprodukte kämen später als geplant. Die Aktie fiel nach den Quartalszahlen deutlich.

Snack Punk Take: Eigenangabe (Netflix-Prognose, wiedergegeben von DWDL; MEEDIA meldet dasselbe). Auch beim Streaming-Primus verkaufen sich Anzeigen nicht von selbst.

Quelle: DWDL, MEEDIA

play hard: Raab baut für Prime Video ein Seifenkisten-Spektakel

Stefan Raabs Produktionsfirma soll erstmals außerhalb von RTL einen größeren Auftrag haben, bei Amazon.

Laut DWDL hat Raab Entertainment gemeinsam mit Red Bull einen Pitch von Prime Video gewonnen: ein Seifenkistenrennen mit Promi-Teams, geplant für 2027, Budget im mittleren einstelligen Millionenbereich. Bestätigt ist nichts, Raab Entertainment antwortete nicht und Prime Video wollte sich zu Spekulationen nicht äußern. Bislang gab es neben RTL nur ESC-Formate für die ARD.

Snack Punk Take: Einzelquelle (DWDL; beide Seiten bestätigen nicht). Die Seifenkiste rollt, die Bestätigung steht noch aus.

Quelle: DWDL

Die Frage für heute

Wer hält eigentlich den Schalter, wenn ein Agent für Sie handelt?

Duet fragt bei Zahlungen nach, Banken sperren fremde Agenten aus, und bei Starshield soll ein Einzelner den Regler bedient haben. Wer vor dem zweiten Kaffee delegiert, sollte wissen, wer am Ende die Hand am Schalter hat.

Portrait Uli Weißgerber

Uli Weißgerber

Seit über 25 Jahren verbindet er Medien, Marketing und Technologie. Von Sport1.de über ProSiebenSat.1 und Bertelsmann bis zur Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle. Mit getperformance revolutionierte er das TV-Tracking und brachte Marken wie Trivago ins Fernsehen. Als Unternehmer entwickelt er mit seinem Team maßgeschneiderte Content-as-a-Serive-Lösungen und bespielt damit unter anderem digitale Plattformen wie Promipool, Buzzfeed.de und Business-Punk.com.