drive & thrive · Ferrari

Vom Hengst zum Gaul

Vom Hengst zum Gaul
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Aktualisiert
Lesezeit2 Min · 444 Wörter

Ferrari schaltet den V12 ab und Jony Ive ein. Die Folge: Eine Branche trägt Trauerflor. Gejault wird zurecht, leider nur über das Falsche. Eine mehr als lesenswerte Kolumne unserer Expertin Susie von den Stemmen.

Eine Kolumne von Susie von den Stemmen

Bild: Susie von den Stemmen ist Head of Mobility bei Business Punk und mit Rennlizenz auf internationalem Revier unterwegs. On top hat sie (pferde-) starke Meinungen.

Ferrari hat einen Knopf gedrückt, und ein ganzes Milieu hat sich eingenässt. Der „Luce“, erstes Serien-Elektroauto aus Maranello: über 1.000 PS, 2,5 Sekunden auf 100, rund 550.000 Euro, gezeichnet von Jony Ive, dem Mann, der dem iPhone seine Form gab. Die Börse quittierte das mit acht Prozent Minus an einem einzigen Nachmittag, das Internet schlicht mit „Handstaubsauger“.

Ich finde das großartig. Nicht das Auto, die Panik. Denn was hier stirbt, ist nicht die Seele einer Marke. Es ist diese Lebenslüge, dass man den Fortschritt feiern darf, solange er die eigene Spielzeugkiste nicht anfasst. Der Chor der Beleidigten ist prominent besetzt: Luca di Montezemolo, jahrzehntelang Ferrari-Chef, nannte den Wagen eine Schande und wünschte sich, „man möge das springende Pferd besser gleich vom Kühlergrill nehmen.“ Pikant: Der Mann sitzt heute im Aufsichtsrat von McLaren. Heimatliebe ist eben Verhandlungssache. Auch Vize-Premier Matteo Salvini litt öffentlich mit und fragte, „was wohl Enzo dazu sagen würde.“ Ein Verkehrsminister, der 2026 einem E-Auto die Existenzberechtigung abspricht – das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Kleine Genugtuung am Rande: Ausverkauft ist er trotzdem, die gesamte Jahresproduktion 2026 vergeben, die längste Warteliste kommt ausgerechnet aus China.

Bild: Babyblau statt Blutrot, Strom statt Sound: Das Auto, über das die halbe Branche weint.

Mein Punkt: Diese Empörung ist keine wirkliche Ansichtssache, sie ist Scheinmoral in Lederausstattung. Dasselbe Publikum, das Hafermilch bestellt und den CO2-Fußabdruck der Avocado auswendig kennt, bekommt feuchte Augen, sobald ein Zwölfzylinder die Innenstadt vollbrüllt. Grüner Konsum bis zur Garage, ab da: heilige Romantik, bitte recht laut. Dabei war jede Legende zur Geburt ein Skandal. Der „F40“ auch. CEO Benedetto Vigna spricht von einem „neuen Kapitel“. Übersetzt heißt das: Schluss mit dem Weinen um eine Vergangenheit, die selbst mal ein Bruch war.

Deshalb mein Vorschlag zur Güte: Behaltet eure alten Gäule. Poliert sie, fahrt sie sonntags auf die Rennstrecke, gebt Vollgas, bis die Ohren bluten, da gehören sie hin. Aber bastelt keine Moral daraus. Wer das springende Pferd anbetet, mit 1.000 Pferdestärken durch die Gegend orgelt und sich für den Bewahrer einer reineren Welt hält, kann auch gleich konsequent sein und den Hengst in die Wurst packen.

Fotos FOTO: NICK DIMBLEBY, FERRARI, AUFMACHERBILD:KI-GENERIERT MIT CHATGPT (OPENAI)

Portrait Susie von den Stemmen

Susie von den Stemmen

Mit über 30 Jahren Erfahrung in den Medien hat Susie eine vielseitige Karriere als TV-Redakteurin, Print- und Online-Journalistin verbracht. Ihr Fokus liegt auf Kultur, Auto- und Lifestylethemen, in denen sie eine umfassende Expertise aufgebaut hat. Diese Tätigkeiten haben ihr die Möglichkeit eröffnet, faszinierende Orte zu bereisen und ein umfassendes Netzwerk im Bereich der Persönlichkeiten hinter den Marken und VIPs aufzubauen. Susies beruflicher Werdegang begann nach dem Studium der Kommunikationswissenschaften und Germanistik mit einer ersten Berufsstation beim Disney Club (ARD), gefolgt von Redaktionsarbeiten für Gottschalk Late Night (RTL) und Jay Leno (NBC Los Angeles). Sie hat zahlreiche Fernsehaufträge für verschiedene Sender durchgeführt, darunter die Produktion von TV Beiträgen, Leitung von Studioredaktionen und die Akquise von Neugeschäft. Nachdem sie mit ihrer Familie nach Hamburg gezogen ist, hat sie ihre Karriere im Printbereich gestartet, zunächst bei Park Avenue für Gruner & Jahr und später bei Gala und anderen renommierten Titeln. Als VIP-, Automobil- und Kultur-Beauftragte hat sie weiterhin die Welt bereist, ihr Netzwerk ausgebaut und ihre Leidenschaft für die Auto-, Reise- und Genussszene vertieft. Aktuell leitet sie das Office! von den Stemmen in Hamburg und München. Kunden waren und sind: Bild, Cosmopolitan, Travellers World, Ramp, Audi Magazin, Air Tours, Lufthansa Magazin, DB Magazin, Tagesspiegel, Myself, Zeit Online, Instyle Men und nun auch Business Punk. Neben ihrem Wohnsitz in Hamburg ist sie dank ihrer Porsche Rennlizenz weltweit im Einsatz, um fesselnde Geschichten rund um Automobilität, Kultur und Lifestyle zu generieren.