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Startup Novus: Kampfansage an die Autogiganten

Startup Novus: Kampfansage an die Autogiganten
Novus
Erschienen
Lesezeit3 Min · 606 Wörter

Millionen eingesammelt, Tesla- und Lucid-Prominenz an Bord: Das Braunschweiger Startup NOVUS bläst zum Angriff auf den urbanen Verkehr. Mit einem elektrischen Lightbike, das E-Bike, Roller und Motorrad vereint, wollen die Gründer Millionen Autofahrer aus ihren Blechkisten locken.

Die Straßen sind voll, die Autos zu schwer und die Mobilitätskonzepte von gestern. NOVUS will damit Schluss machen – und bekommt für seine Kampfansage einen zweistelligen Millionen-Dollar-Betrag von Investoren, die wissen, wie man ganze Branchen umkrempelt.

Millionen für die Mobilitätsrevolution

Angeführt vom deutsch-amerikanischen Investor 468 Capital hat das 2019 gegründete Unternehmen eine Finanzierungsrunde im zweistelligen Millionen-Dollar-Bereich abgeschlossen. Das Geld soll die Expansion in Europa und den USA finanzieren. Anders als viele Mobilitäts-Startups liefert NOVUS bereits: Seit Frühjahr 2026 rollen die ersten Serienfahrzeuge über europäische Straßen. Jetzt soll aus dem ambitionierten Nischenprodukt eine globale Mobilitätsplattform werden.

Carbon statt Blech: 130 km/h Kampfansage

Das NOVUS One ist weder klassisches Motorrad noch gewöhnliches E-Bike. Der selbsttragende Carbonrahmen bringt das Fahrzeug auf gerade einmal 121 Kilogramm. Trotzdem beschleunigt das elektrische Lightbike in unter zwei Sekunden auf Tempo 50 und erreicht bis zu 130 km/h. Die Batterie mit 6,2 kWh soll 150 Kilometer Reichweite ermöglichen, nach 90 Minuten sind laut Hersteller 80 Prozent geladen. Kupplung? Fehlanzeige. Gangschaltung? Überflüssig. NOVUS verspricht Fahrspaß ohne komplizierte Bedienung. Der Haken: Die Founders Edition kostet mindestens 21.300 Euro netto.

Tesla-Köpfe statt Zweirad-Romantik

Hinter NOVUS versammelt sich eine bemerkenswerte Investorenriege. Eric Bach, früher bei Tesla und Chief Engineer bei Lucid Motors, unterstützt das Unternehmen als Investor und Board Advisor. Dazu kommt Martin Hoffmann, der die Schweizer Sportmarke On zum internationalen Börsenunternehmen mitentwickelte. Insgesamt stehen mehr als 30 Investoren hinter NOVUS, darunter Führungskräfte und Gründer aus dem Umfeld von Adidas, Audi, BMW, Mercedes-AMG und Xiaomi. Auch Rennfahrerin Sophia Flörsch ist dabei. Auffällig: Kein einziger klassischer Zweiradhersteller sitzt im Gesellschafterkreis.

Der nächste Angriff gilt dem Auto

NOVUS-Gründer René Renger kennt die etablierte Autoindustrie von innen. Der ehemalige Volkswagen-Designer arbeitete unter anderem am Golf und am ID. Buzz. Jetzt will er den Stadtverkehr neu erfinden. Seine Zielgruppe sind nicht eingefleischte Motorradfans, sondern Autofahrer. Mehr als 400 Millionen davon zählt das Unternehmen in Europa und Nordamerika zu seinem potenziellen Markt. In vielen Ländern genügt für die gedrosselte Einstiegsversion ein Autoführerschein. Die konkreten Voraussetzungen unterscheiden sich allerdings je nach Land.

KI auf zwei Rädern: Das Bike lernt mit

Renger denkt längst über das reine Fahrzeug hinaus. Software-Updates sollen die Lightbikes kontinuierlich verbessern. Perspektivisch könnten intelligente Systeme den individuellen Fahrstil erkennen und Fahrer automatisch unterstützen. Die Vision: eine Mobilitätsplattform, die Hardware und künstliche Intelligenz verbindet. Noch ist das Zukunftsmusik, doch die Richtung steht fest. NOVUS will Fahrzeuge nicht nur verkaufen, sondern technologisch weiterentwickeln.

2027 wird abgerechnet

Mit dem NOVUS Two steht bereits das nächste Modell in den Startlöchern. Es soll günstiger werden und die Lightbike-Kategorie für eine breitere Käuferschicht öffnen. Produktionsstart ist für Ende 2027 geplant, während der US-Markteintritt bereits 2027 erfolgen soll. Ob NOVUS tatsächlich Millionen Autofahrer zum Umsteigen bewegt, bleibt offen. Doch die Kampfansage sitzt: Während die etablierte Autoindustrie immer größere Fahrzeuge baut, setzt ein Startup aus Braunschweig auf weniger Gewicht, radikales Design und maximale Einfachheit.

NOVUS One Fahrzeugdaten

  • Gewicht 121 kg
  • 0–50 km/h unter 2 Sek.
  • Höchstgeschwindigkeit 130 km/h
  • Reichweite 150 km
  • 6,2 kWh
  • 80% Ladung 90 Minuten
  • Fahrmodi 3 Performance-steuernde Modi
  • Drehmoment bis zu 430 Nm im Performance-Modus
  • Peakleistung 25 kW (33 PS)
  • Nominalleistung 11 kW (15 PS)
  • Connectivity Over-the-Air-Updates
  • Smartphone-Integration
  • Keyless Go
  • Preis Founders Edition ab 21.300 € (netto)
  • Fahrzeugklasse Zwei Leistungsstufen, per Software festgelegt:
    • Rollerklasse: L1e, 50-ccm-Äquivalent, bis 45 km/h.
    • Motorradklasse: L3e, 125-ccm-Äquivalent, bis 130 km/h

Günther Suchy

Head of Digital Editorial

Günther Suchy ist bei Business Punk Head of Digital Editorial. Daneben ist der promovierte Volkswirt Professor für Kommunikation und Journalismus an der Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) am Campus Ravensburg – also einer, der die Medienwelt nicht nur lehrt, sondern lebt. Als gelernter Redakteur kennt er den Journalismus und die digitalen Medien jenseits des Elfenbeinturms: An der DHBW Ravensburg leitet das Hochschulradio „Das kleine U-Boot“, baut crossmediale Ausbildungs- und Produktionsformate auf und hält dabei immer den Finger am Puls der Branche. Bevor er an die staatliche Hochschule nach Ravensburg kam, war Suchy unter anderem in der Unternehmenskommunikation von MAN und in leitenden Funktionen digitaler Medienprojekte tätig – sowie als Online-Redaktionsleiter der Automotive-Formate bei Motorvision (DSF). Seine Lehr- und Forschungsprojekte bringen ihn immer wieder an Universitäten und Hochschulen in aller Welt, u.a. nach Shanghai/China, Chile oder Marrakesh/Marokko. Im Königreich Bhutan lehrte er 2024 und 2025 am Royal Thimpu College und gab Seminare am Nationalen Olympischen Komitee zum Thema „Nachhaltigkeitskommunikation im Sport“. An der Universität Durban in Südafrika unterrichtet er regelmäßig das Thema "Green Startups" und vermittelt in Praxis-Workshops Know-how zu innovativen Gründerthemen. Zwischen Subkultur, Startup-Mindset und System fühlt er sich zu Hause – und genau aus dieser Perspektive schreibt er für Business Punk.