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dm macht’s vor, Rossmann macht’s nach: Online-Apotheke 2.0

Rossmann startet eine Online-Apotheke
Business Punk by KI Rossmann startet eine Online-Apotheke
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Lesezeit4 Min · 768 Wörter

Raoul Roßmann startet 2026 eine Online-Apotheke. Der Plan: rezeptfreie Medikamente verkaufen, dm kopieren und das Ganze aus den Niederlanden steuern. Apotheker sind stinksauer.

Raoul Roßmann hat bei dm abgeschrieben. Und gibt es sogar zu. Gegenüber der Lebensmittelzeitung bedankte sich der Sohn von Gründer Dirk Roßmann artig „für die Inspiration“ bei der Konkurrenz. Übersetzung: Wir haben gesehen, dass ihr damit durchkommt, jetzt machen wir das auch. Die Drogeriekette plant für 2026 eine eigene Online-Apotheke – gesteuert aus den Niederlanden, verkauft über die Rossmann-App. Rezeptfreie Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel, der übliche Kram. dm hat im Dezember vorgelegt, Rossmann zieht nach. Willkommen im Copycat-Business.

Die Strategie ist simpel: Warum sollen Apotheken an rezeptfreien Medikamenten verdienen, wenn Drogeriemärkte das auch können? Schließlich verkaufen Rossmann und dm längst Vitamine, Schmerzmittel-Light und allerlei Wellness-Gedöns. Der nächste logische Schritt: das komplette Sortiment online bringen. Etwa 2500 verschreibungsfreie Arzneimittel will dm bereits anbieten, dazu 1000 Kosmetikprodukte. Rossmann wird nachziehen, vermutlich mit ähnlichen Zahlen. Die Margen locken, die Technik ist da, die Kunden sowieso.

Apotheker schlagen Alarm – zu Recht?

Der Deutsche Apothekerverband tobt. Vorsitzender Hans-Peter Hubmann warnt vor verschwimmenden Grenzen zwischen Drogerie und Apotheke. Seine Sorge: Hochwirksame Mittel dürften nicht „marketinggesteuert rausgehauen“ werden. Ein Punkt, der nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Wer schon mal Ibuprofen mit leerem Magen geschluckt hat, weiß: Auch rezeptfreie Medikamente können ordentlich reinhauen. Die Frage ist nur: Braucht es für Kopfschmerztabletten wirklich eine pharmazeutische Beratung? Oder geht es den Apothekern vor allem um Umsatzschutz?

Fakt ist: Der Markt für rezeptfreie Arzneimittel ist ein Milliardengeschäft. Und bisher hatten Apotheken quasi ein Monopol. Drogeriemärkte durften nur ein eingeschränktes Sortiment führen. Mit den Online-Apotheken hebeln dm und Rossmann diese Grenze aus – rechtlich sauber, versteht sich. Die niederländische Steuerung ist kein Zufall: Die Regularien dort sind lockerer, die Genehmigungen schneller zu bekommen. Ein klassischer Regulierungs-Arbitrage-Move.

IT-Infrastruktur als Knackpunkt

Rossmann betont, dass zunächst die technische Basis geschaffen werden müsse. Klingt vernünftig, ist aber auch eine Ausrede für die Verzögerung. dm hatte Monate gebraucht, um die eigene Plattform aufzusetzen. Rossmann wird ähnliche Probleme haben: Lagerhaltung, Versand, Kühlketten bei bestimmten Produkten, Altersverifikation. Und dann die Integration in die bestehende App, die bisher hauptsächlich für Rabattcoupons und Produktsuche genutzt wird. Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon.

Die zentrale Frage: Wird Rossmann schneller sein als andere Nachahmer? Rewe, Edeka, vielleicht sogar Amazon – sie alle könnten auf die Idee kommen, ebenfalls ins Geschäft einzusteigen. Der Markt ist groß genug, aber die Margen schrumpfen mit jedem neuen Anbieter. Rossmann muss also Gas geben, sonst wird aus der „Inspiration“ ein „zu spät gekommen“.

Was das für Kunden bedeutet

Mehr Auswahl, niedrigere Preise – theoretisch. Praktisch werden dm und Rossmann vermutlich ähnliche Preise aufrufen wie stationäre Apotheken. Schließlich geht es nicht darum, den Markt kaputtzumachen, sondern Marktanteile zu gewinnen. Der eigentliche Vorteil liegt in der Bequemlichkeit: Medikamente bestellen wie Duschgel, Lieferung nach Hause, keine Wartezeit an der Apothekentheke. Für chronisch Gestresste ein Segen, für Apotheken ein Albtraum.

Bleibt die Frage, ob Kunden wirklich darauf gewartet haben. Die meisten kaufen ihre Schmerzmittel ohnehin schon bei dm oder Rossmann – nur eben das eingeschränkte Sortiment. Die Online-Apotheke erweitert das Angebot, revolutioniert aber nichts. Es ist Evolution, keine Revolution. Und genau das macht es für Rossmann so attraktiv: geringes Risiko, hohe Renditechancen.

Business Punk Check

Rossmann macht nichts Neues, sondern kopiert dm. Und das ist völlig okay. Im Handel gewinnt nicht der Innovativste, sondern der Schnellste beim Kopieren. Die Empörung der Apotheker ist nachvollziehbar – aber auch ein Stück weit Besitzstandswahrung. Jahrzehntelang hatten sie ein geschütztes Geschäftsmodell, jetzt kommt Konkurrenz. Die Argumente zur Patientensicherheit sind nicht ganz falsch, aber bei rezeptfreien Mitteln auch nicht überzeugend.

Wer Aspirin missbrauchen will, schafft das auch ohne Rossmann. Der eigentliche Gewinner: der Kunde, der jetzt mehr Auswahl hat. Der Verlierer: kleine Apotheken, die ohnehin schon unter Druck stehen. Rossmann und dm werden den Markt nicht revolutionieren, aber ordentlich Geld verdienen. Und darum geht es am Ende.

Häufig gestellte Fragen

Wann startet die Rossmann Online-Apotheke?

Ein konkretes Datum gibt es nicht. Raoul Roßmann nennt 2026 als bestimmendes Projekt. Vermutlich wird es Richtung Jahresende, wenn die IT-Infrastruktur steht.

Welche Medikamente wird Rossmann verkaufen?

Nur rezeptfreie Arzneimittel, ähnlich wie dm. Dazu kommen Nahrungsergänzungsmittel, Kosmetik und Medizinprodukte. Verschreibungspflichtige Medikamente bleiben außen vor.

Warum wird die Apotheke aus den Niederlanden gesteuert?

Die Regularien in den Niederlanden sind lockerer als in Deutschland. Das erleichtert die Genehmigung und den Betrieb einer Online-Apotheke erheblich.

Quellen: Lebensmittelzeitung, Deutscher Apothekerverband

Martin Wald

Tech & Security

Martin Wald analysiert die Schnittstelle zwischen Geld, Macht und Alltag. Seine Themen reichen von Rente, Sozialstaat und Gesundheit bis zu Wirtschaft, Märkten und technologischen Umbrüchen. Er zerlegt politische Entscheidungen, Urteile und Trends auf ihre ökonomischen Folgen und macht sichtbar, wer gewinnt, wer verliert und wo Risiken liegen. Der Blick ist pragmatisch, pointiert und nutzenorientiert. Keine Wohlfühltexte, sondern Einordnung für Menschen, die verstehen wollen, wie Systeme funktionieren und was das für ihre Entscheidungen bedeutet.