Drive & Dreams BMW: Gewinn bricht um 23 Prozen ein – aber die Konkurrenz blutet stärker

BMW: Gewinn bricht um 23 Prozen ein – aber die Konkurrenz blutet stärker

BMW verdient 23 Prozent weniger, China schwächelt, US-Zölle drücken. Trotzdem schlägt der Konzern VW und Mercedes. Warum die Münchner im Handelskrieg noch glimpflich davonkommen – und was die Neue Klasse wirklich bringt.

BMW kassiert im ersten Quartal 2026 einen Gewinneinbruch von 23 Prozent. 1,67 Milliarden Euro Nettogewinn stehen zu Buche – klingt nach viel, ist aber deutlich weniger als im Vorjahr. Der Umsatz schrumpft um 8,1 Prozent auf 31 Milliarden Euro, der Absatz sinkt um 3,5 Prozent auf 565.780 Fahrzeuge.

Die Gründe liegen auf der Hand: US-Zölle belasten die Margen, China schwächelt massiv, Währungseffekte drücken zusätzlich. Willkommen in der neuen Realität der deutschen Autoindustrie, in der geopolitische Spannungen nicht mehr nur Randnotizen sind, sondern direkt auf die Bilanz durchschlagen.

China-Krise trifft alle – BMW trifft es weniger hart

Der chinesische Markt macht den deutschen Premiumherstellern das Leben schwer. BMW verkauft dort weniger, genau wie Mercedes und VW. Doch während die Konkurrenz noch stärker leidet, hält sich BMW vergleichsweise stabil. Der Konzern setzt auf Lokalisierung: Entwicklung vor Ort, chinesische Tech-Partner, maßgeschneiderte Modelle mit langem Radstand.

Das siebenmillionste Fahrzeug läuft 2026 im Werk Shenyang vom Band – ein Signal, dass BMW in China bleibt und investiert, statt sich zurückzuziehen. Die Strategie: Nicht gegen den Markt kämpfen, sondern sich anpassen. Ob das langfristig reicht, wenn lokale Hersteller wie BYD weiter Marktanteile gewinnen, bleibt offen.

Europa rettet die Bilanz – vorerst

Während China schwächelt, boomt Europa. BMW meldet Rekord-Auftragseingänge für die ersten drei Monate 2026 – mehr als je zuvor. Besonders Deutschland zieht an, die Zulassungen steigen um über 10 Prozent. Auch die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen wächst: Die Bestellungen für batterieelektrische Modelle legen in Europa um 62 Prozent zu. „Nie zuvor haben wir in Europa so viele Auftragseingänge erzielt wie in den ersten drei Monaten des Jahres“, sagt BMW-Chef Oliver Zipse (62). Experten sehen hinter den schwachen Zahlen vor allem steigende Kosten und geopolitischen Druck. Beatrix Keim vom Center Automotive Research sagt zu BILD: „Ein Handelskrieg zwischen den USA und China würde BMW besonders treffen.“

Der BMW iX3, erstes Modell der Neuen Klasse, kommt gut an – über 50.000 Vorbestellungen sprechen eine klare Sprache. Doch Europa allein kann die globalen Schwächen nicht kompensieren. Die Frage ist, wie lange die europäische Nachfrage hält, wenn die Wirtschaft schwächelt und die Kaufkraft sinkt.

Neue Klasse: BMWs Antwort auf den Umbruch

Die Neue Klasse soll BMW aus der Krise führen. Der iX3 ist der Anfang, der i3 folgt im August, die 7er-Reihe bekommt ein umfassendes Update mit neuen Technologien. BMW investiert 650 Millionen Euro ins Münchner Stammwerk, senkt die Produktionskosten um 10 Prozent und stellt ab 2027 komplett auf Elektrofahrzeuge um.

Die Strategie: Technologieneutralität. Der neue X5 kommt 2026 mit fünf Antriebsvarianten – Verbrenner, Plug-in-Hybrid, Elektro und ab 2028 sogar Wasserstoff. BMW setzt nicht auf eine Technologie, sondern auf Flexibilität. Das klingt klug, birgt aber Risiken: Wer überall mitmischt, kann nirgendwo dominieren.

Handelskrieg belastet – aber BMW steht besser da als die Konkurrenz

Die US-Zölle drücken auf die Margen, das ist Fakt. BMW rechnet damit, dass diese Belastung das gesamte Jahr 2026 begleiten wird. Finanzvorstand Walter Mertl kündigt keine großen Sparprogramme an, betont aber, dass der Konzern an vielen Stellschrauben dreht.

Kostenmanagement statt Kahlschlag – eine Strategie, die BMW von VW und Mercedes unterscheidet. Während Daimler Truck einen Gewinneinbruch von 80 Prozent verkraften muss, verdient BMW mehr als Mercedes (1,43 Milliarden Euro) und VW (1,56 Milliarden Euro). Die Münchner stehen im innerdeutschen Vergleich am besten da – ein schwacher Trost in schwierigen Zeiten, so Focus.

Führungswechsel in stürmischen Zeiten

Mitte Mai übernimmt Milan Nedeljkovic die Konzernführung von Oliver Zipse. Der bisherige Produktionsvorstand startet in einem schwierigen Umfeld: schwaches China-Geschäft, geopolitische Spannungen, Handelskriege. Zipse hinterlässt ein robustes Unternehmen, das aber nicht dem Branchensog entkommen konnte.

Seine Amtszeit umfasste Corona, Chipkrise, Ukraine-Krieg und US-Zölle – aber auch Rekordgewinne und die Entwicklung der Neuen Klasse. Nedeljkovic muss nun beweisen, dass er das Unternehmen durch die nächste Phase navigieren kann, laut Bild.

Business Punk Check

BMW verkauft die Neue Klasse als Rettungsanker – aber ist sie das wirklich? Der iX3 bekommt Auszeichnungen, die Vorbestellungen laufen gut, Europa zeigt Interesse. Doch die entscheidende Frage bleibt: Reicht das, um in China gegen lokale Hersteller zu bestehen? BMW setzt auf Lokalisierung und Flexibilität, aber die chinesische Konkurrenz ist schneller, günstiger und besser vernetzt. Die Technologieneutralität klingt nach kluger Strategie, könnte aber auch bedeuten, dass BMW nirgendwo wirklich führt. Wer fünf Antriebsvarianten anbietet, muss fünf Entwicklungslinien finanzieren – das bindet Ressourcen.

Die Zahlen zeigen: BMW steht besser da als VW und Mercedes. Aber „besser als die Konkurrenz“ heißt nicht „gut“. Der Gewinn bricht ein, China schwächelt, die US-Zölle bleiben. Europa rettet die Bilanz, aber wie lange noch? Die Neue Klasse ist ein Versprechen, kein Beweis. BMW muss liefern – und zwar schnell. Denn die chinesischen Hersteller warten nicht, bis die Münchner ihre Strategie perfektioniert haben. Die nächsten Quartale werden zeigen, ob BMW wirklich resilient ist oder nur weniger schlecht als die anderen.

Häufig gestellte Fragen

Warum verdient BMW weniger, obwohl die Neue Klasse erfolgreich startet?

Der Gewinnrückgang liegt nicht an fehlender Nachfrage, sondern an strukturellen Belastungen. US-Zölle drücken die Margen, China schwächelt, Währungseffekte verschärfen die Situation. Die Neue Klasse zeigt zwar starke Vorbestellungen in Europa, kann aber die globalen Schwächen noch nicht kompensieren. BMW investiert massiv in neue Technologien und Produktionsumbauten – das bindet Kapital und belastet kurzfristig die Bilanz. Langfristig soll sich das auszahlen, aber die nächsten Quartale werden entscheidend sein.

Wie wirkt sich der Handelskrieg zwischen den USA und China auf BMW aus?

BMW produziert in China für den chinesischen Markt und exportiert von dort auch in andere Regionen. US-Zölle auf chinesische Importe treffen den Konzern direkt. Gleichzeitig schwächt der Handelskrieg die chinesische Wirtschaft, was die Nachfrage drückt. BMW versucht, durch Lokalisierung und flexible Produktionsstrukturen gegenzusteuern, aber die geopolitischen Spannungen bleiben ein massives Risiko. Die Strategie der Technologieneutralität soll helfen, unterschiedliche Märkte zu bedienen – ob das reicht, bleibt abzuwarten.

Welche Branchen profitieren von BMWs Investitionen in die Neue Klasse?

Zulieferer für Batterietechnologie, Halbleiter und Softwareentwicklung profitieren direkt. BMW investiert 650 Millionen Euro ins Münchner Werk, setzt auf Automatisierung und Digitalisierung – das schafft Aufträge für Maschinenbauer und Tech-Unternehmen. Auch chinesische Partner gewinnen, da BMW vor Ort entwickelt und lokale Ökosysteme integriert. Langfristig könnten auch Wasserstoff-Zulieferer profitieren, wenn BMW ab 2028 den X5 mit Wasserstoffantrieb anbietet. Die Frage ist, ob diese Investitionen sich auszahlen oder ob BMW zu viele Technologien parallel vorantreibt.

Was bedeutet der Führungswechsel für BMWs Strategie?

Milan Nedeljkovic übernimmt in stürmischen Zeiten. Als bisheriger Produktionsvorstand kennt er die Abläufe, muss aber beweisen, dass er strategisch führen kann. Die Neue Klasse ist gesetzt, die Technologieneutralität bleibt Leitlinie. Entscheidend wird sein, wie Nedeljkovic mit dem China-Problem umgeht und ob er die Kostenstrukturen weiter optimieren kann. Ein radikaler Kurswechsel ist unwahrscheinlich – BMW setzt auf Kontinuität. Aber die nächsten Quartale werden zeigen, ob das reicht oder ob härtere Einschnitte nötig sind.

Wie lange hält die starke Nachfrage in Europa?

Europa rettet aktuell die Bilanz, aber die Frage ist, wie nachhaltig das ist. Die Rekord-Auftragseingänge basieren auf der Neuen Klasse und starker Nachfrage nach Elektrofahrzeugen. Doch wenn die Wirtschaft schwächelt und die Kaufkraft sinkt, könnte der Boom schnell vorbei sein. BMW muss die europäische Stärke nutzen, um die globalen Schwächen auszugleichen – und gleichzeitig in China und den USA wieder Fuß fassen. Die nächsten Monate werden entscheidend sein, ob Europa nur ein kurzfristiger Lichtblick ist oder eine stabile Basis für Wachstum.

Quellen: Bild, Focus, Press

Das könnte dich auch interessieren