Drive & Dreams Chinas Automarkt kollabiert: Der nächste Stresstest für VW, BMW und Mercedes

Chinas Automarkt kollabiert: Der nächste Stresstest für VW, BMW und Mercedes

Minus 22 Prozent im Mai, Verbrenner brechen um 39 Prozent ein: Chinas Automarkt stürzt ab. Für VW, BMW und Mercedes wird der einst goldene Markt zur Belastungsprobe. Die Frage ist: Kriegen die Deutschen noch die Kurve?

Während chinesische Autobauer ihre Exportrekorde feiern, bricht ihnen der Heimatmarkt weg. Im Mai wurden in China nur noch 1,5 Millionen Pkw verkauft – ein Rückgang von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie der chinesische Verband für Personenkraftwagen (CPCA) meldet. Von Januar bis Mai liegt das Minus bei knapp 20 Prozent. Besonders brutal trifft es Verbrenner: Deren Absatz sackte im Mai um 39 Prozent ab. Parallel erobern E-Autos und Plug-in-Hybride, in China als „New Energy Vehicles“ (NEV) bezeichnet, bereits über 60 Prozent Marktanteil.

Für deutsche Autobauer, die jahrelang mit China ihre Bilanzen aufpoliert haben, wird der Einbruch zum Albtraum. Volkswagen rechnet laut WirtschaftsWoche damit, dass der Gesamtmarkt für Neufahrzeuge in diesem Jahr auf unter 21 Millionen Autos fallen wird – ein historischer Rückgang für einen Markt, der eigentlich nur eine Richtung kannte: nach oben. „Der chinesische Automobilmarkt steht unter zunehmendem Druck“, so VW in Peking. Die Wolfsburger räumen ein: „Die Volkswagen Group China kann sich diesem Trend nicht entziehen. Wir passen unsere Pläne entsprechend an.“.

Der perfekte Sturm aus Subventionen, Sprit und Schulden

Was ist passiert? Drei Faktoren treffen den Markt gleichzeitig. Erstens: Der Staat hat die E-Auto-Förderung massiv zurückgefahren. Chinesische Kunden sind extrem preissensitiv – sie haben Käufe vorgezogen, als die Änderungen bekannt wurden, so Autoexpertin Beatrix Keim. Zweitens: Die Benzinpreise sind seit Beginn des Iran-Kriegs deutlich gestiegen, was Verbrennern den Rest gibt. Drittens: Die anhaltende Immobilienkrise drückt auf Vermögen und Konsumlaune.

„Viele Kunden haben mit Kreditrückzahlungen aus Immobiliengeschäften zu kämpfen“, erklärt Keim gegenüber der Wirtschaftswoche. Ein Auto lässt sich da leichter verschieben als die Tilgungsrate. CPCA-Generalsekretär Cui Dongshu sieht den Einbruch als vorübergehend an: Die Autodichte in China sei weiterhin deutlich niedriger als in Deutschland, der Markt also nicht grundsätzlich gesättigt. Das Problem sei, dass sich viele Menschen derzeit einfach kein Auto leisten könnten. Keim hingegen ist skeptischer: Das schnelle Wachstum der vergangenen Jahre sei vor allem eine Folge der Förderung gewesen. Dieses Wachstum werde sich nun abschwächen, die Preiskämpfe weitergehen.

Chinesische Hersteller flüchten ins Ausland

Die chinesischen Autobauer reagieren auf die Heimmarktschwäche mit einer aggressiven Exportoffensive. Im Mai stiegen die Pkw-Ausfuhren um rund 75 Prozent , besonders nach Mittel- und Südamerika, Australien, Südostasien und Afrika. Der E-Autobauer Nio – in Deutschland bisher ein Ladenhüter – meldete für Januar bis Mai ein Plus von 68,7 Prozent bei den weltweiten Auslieferungen. „Für Nio stehen langfristige Trends im Vordergrund und nicht kurzfristige Marktschwankungen“, so das Unternehmen laut n-tv. Für VW, BMW und Mercedes wird es ungemütlich.

Sie haben jahrelang vom chinesischen Verbrennermarkt profitiert, sind bei NEV aber zu langsam, zu teuer und zu weit weg von den Erwartungen chinesischer Kunden. Chinesische Hersteller sind schneller, günstiger und näher am Puls der Zeit. BMW und Mercedes erleben nach Angaben von Finanzmarktwelt derzeit einen Absatzeinbruch in China, der ihre globalen Zahlen belastet.

Business Punk Check

Die Zahlen sind brutal, die Strategie-Phrasen der deutschen Hersteller dafür umso weicher. VW sieht sich „gut aufgestellt“ mit seiner NEV-Offensive – während der Markt ihnen unter den Füßen wegbricht. Die Wahrheit: Deutsche Autobauer haben China jahrelang mit fetten Verbrenner-SUVs gemolken und den E-Auto-Shift verschlafen. Jetzt rächen sich träge Produktzyklen und Arroganz.

Chinesische Hersteller kompensieren die Heimmarktschwäche mit einer Exportflut, die europäische Märkte unter Preisdruck setzt. Die Lage ist nicht vorübergehend, sie ist strukturell: China wird nie wieder der Selbstbedienungsladen für deutsche Premiummarken sein. Was bleibt? Radikale Kostensenkungen, Joint-Ventures mit chinesischen Tech-Playern und der schmerzhafte Abschied von Gewinnmargen. Oder weiter schöne Quartalsberichte mit Excel-Kosmetik – bis die Realität zuschlägt.

Quellen: WirtschaftsWoche, n-tv, Manager-magazin, Handelsblatt, Autohaus, Finanzmarktwelt, N-tv, Fuw

Das könnte dich auch interessieren