Drive & Dreams E-Auto-Prämie: Deutsche Hersteller finanzieren Tesla und VW-Töchter

E-Auto-Prämie: Deutsche Hersteller finanzieren Tesla und VW-Töchter

Die E-Auto-Förderung sollte deutschen Herstellern helfen. Tatsächlich kassieren Tesla und ausländische VW-Marken kräftig mit, während Bilger schon das Förderende plant.

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Eine Kaufprämie, die deutschen Herstellern helfen soll, aber zu einem erheblichen Teil bei Tesla und ausländischen Marken landet: Das ist der Befund zur aktuellen E-Auto-Förderung. Während Bundesverkehrsminister Steffen Bilger bereits das Ende weiterer Zuschüsse ankündigt, fordert die CSU eine Reform, die genau das Gegenteil bewirken soll.

Der Streit zeigt, wie unklar die politische Linie bei der Verkehrswende bleibt.

Bilger sieht keinen Förderbedarf mehr

Bilger hält eine weitere Förderung von Elektro-Pkw nicht für erforderlich, wie er laut Heise Online bei einem Unternehmensbesuch in Neumünster erklärte. E-Autos seien inzwischen so gut entwickelt und kostengünstig, dass sie sich am Markt ohne staatliche Hilfe behaupten müssten. Der CDU-Politiker verwies auf hohe Kraftstoffpreise und sinkende Strompreise als Argumente für die Elektromobilität. Man tue alles dafür, dass die Strompreise in Deutschland günstiger würden, so Bilger, in der Abwägung spreche schon jetzt vieles für das Elektroauto. Besucht hat Bilger in Neumünster das Handelsunternehmen Bartels-Langness, das mit Förderung des Ministeriums zwei batterieelektrische Sattelschlepper in seine Logistik-Flotte aufnahm. Voranbringen will der Minister vor allem den Umstieg bei Lastwagen und Transportern auf alternative Antriebe.

Dort sieht er ein „Riesenpotenzial“ für Klimaschutz, gerade angesichts der Verwundbarkeit der weltweiten Kraftstoffversorgung und möglicher dramatischer Preisschwankungen. Das aktuelle Programm der Bundesregierung fördert Kauf und Leasing von Elektroautos sowie bestimmten Plug-in-Hybriden mit bis zu 6.000 Euro, gestaffelt nach Einkommen und Familiengröße. Voraussetzung ist eine Erstzulassung seit 1. Januar 2026, wobei Käufer die Förderung auch rückwirkend für bereits Anfang des Jahres bestellte Fahrzeuge beantragen können. Bis 2029 stehen drei Milliarden Euro bereit, gedacht für 800.000 Fahrzeuge. Seit Mai wurden bereits mehr als 50 Mio. Euro ausgezahlt, wie Heise Online berichtet.

Nachfrage bleibt hinter den Erwartungen zurück

Dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle liegen laut BR inzwischen 103.500 Anträge vor, bewilligt wurden bisher knapp 27.000. Auf den ersten Blick wirkt das beachtlich, relativiert sich aber angesichts der Neuzulassungszahlen: Von Januar bis Juli wurden in Deutschland mehr als 470.000 reine Elektroautos und über 198.000 Plug-in-Hybride neu zugelassen.

Der BEV-Anteil an den Neuzulassungen liegt inzwischen bei 29,3 Prozent, der Anteil der Plug-in-Hybride bei 11,4 Prozent. Die Förderung erreicht damit bislang nur einen kleinen Ausschnitt des tatsächlichen Marktes.

Die Zielgruppe stimmt, die Herstellerbilanz nicht

Drei Viertel der Förderanträge stammen aus Haushalten mit einem Jahreseinkommen unter 60.000 Euro. Das Programm erreicht damit tatsächlich Menschen mit begrenztem Budget, nicht nur Gutverdiener mit Firmenwagen-Ambitionen. Bei der Herstellerverteilung sieht die Bilanz weniger eindeutig aus. Korrektur: „Mehr als 6.200 Förderungen entfielen auf den VW-Konzern; dazu zählen auch Skoda und Cupra.“ Knapp 4.600 Bewilligungen entfielen auf Tesla, größtenteils für in Grünheide gefertigte Model-Y-Fahrzeuge. Stellantis kam auf mehr als 3.800 Förderfälle, BYD auf 1.338.

Ein Großteil der bislang bewilligten Förderungen fließt damit ins Ausland, wenn auch nicht überwiegend nach China. Der Anteil reiner Stromer von deutschen Herstellern fiel laut einer Studie von Autoexperte Stefan Bratzel binnen eines Jahres von 63,5 auf 54,2 Prozent. Vor allem Volkswagen verlor Marktanteile, während Tesla, Stellantis und chinesische Marken wie BYD, Leap Motor und MG zulegten. Bratzel sieht die Gefahr, dass Elektroautos und chinesische Newcomer die Kräfteverhältnisse auch auf dem Heimatmarkt der deutschen Hersteller dauerhaft verschieben. Förderpolitik und Regulierung müssten deshalb so angepasst werden, dass Wertschöpfung in Europa bleibe und unfaire Praktiken eingedämmt würden, fordert er.

CSU will Umbau, Ifo-Institut zweifelt am Sinn

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fordert im ARD-Sommerinterview eine Reform der Förderung noch im Herbst, damit deutsche Hersteller stärker profitieren. Sein Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sieht die aktuelle Prämie ebenfalls als Fehlschuss und verlangt gezielte Unterstützung für die heimische Industrie. Bratzel schlägt ein Punktesystem vor, das europäische Produktion bei der Förderhöhe berücksichtigt und mit dem geplanten EU-Industrial-Accelerator-Act kompatibel wäre. Wirtschaftswissenschaftler Matthias Falck vom Ifo-Institut sieht dagegen kaum noch Gründe für eine Kaufprämie überhaupt, da die Unsicherheit über die Marktdurchsetzung von Elektroautos inzwischen entfallen sei.

Hinzu komme, dass die deutschen Autohersteller selbst ein starkes Interesse an attraktiven Preisen für Elektroautos hätten, um ihre Flottenziele zu erreichen. Rund die Hälfte der bewilligten Anträge kam von Haushalten mit einem zu versteuernden Einkommen bis 45.000 Euro. Experten fordern deshalb, die Förderung auf Gebrauchtwagen auszuweiten, da genau diese Einkommensgruppe eher Gebraucht- als Neufahrzeuge kauft. Der Verband der Automobilindustrie äußert sich auf Anfrage nicht zur aktuellen Diskussion, verweist aber auf ein älteres Positionspapier, in dem er sich bereits für eine solche Ausweitung ausgesprochen hat.

Business Punk Check

Die Zahlen entlarven die Fördermär: Eine Prämie, die deutsche Hersteller stärken sollte, füttert munter Tesla und ausländische VW-Töchter mit. Wer glaubt, staatliches Geld lande automatisch bei heimischer Wertschöpfung, hat die Grünheide-Fabrik nicht auf dem Schirm.

Bilgers Förderstopp-Ankündigung kollidiert frontal mit Söders Reformwunsch. Beide sitzen in derselben Koalition, verfolgen aber gegensätzliche Ziele. Für Entscheider in der Autoindustrie bedeutet das: Planungssicherheit gibt es hier nicht, nur politisches Rauschen.

Die eigentliche Erkenntnis liegt woanders: Die Förderung erreicht tatsächlich einkommensschwache Haushalte, wie die Zahlen belegen. Das ist der seltene Fall, in dem Sozialpolitik und Klimaschutz zusammenpassen. Nur der Herstellerbonus fürs eigene Land bleibt Wunschdenken.

Auf einen Blick

  • Von den bislang bewilligten Förderanträgen gingen mehr als 6.200 an den VW-Konzern und knapp 4.600 an Tesla, größtenteils für in Grünheide gefertigte Model-Y-Fahrzeuge.
  • Bundesverkehrsminister Steffen Bilger hält eine weitere Förderung von Elektro-Pkw für nicht erforderlich, da sich E-Autos inzwischen am Markt behaupten müssten.
  • Der Anteil reiner Stromer deutscher Hersteller sank laut einer Studie von Stefan Bratzel binnen eines Jahres von 63,5 auf 54,2 Prozent, während Tesla und chinesische Marken zulegten.
  • CSU-Chef Markus Söder und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger fordern eine Reform der Förderung, damit deutsche Hersteller stärker davon profitieren.

Quellen: Heise, Br

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