Drive & Dreams Musk kassierte für FSD: Teslas Autonomie-Versprechen platzt an der Hardware-Realität

Musk kassierte für FSD: Teslas Autonomie-Versprechen platzt an der Hardware-Realität

Elon Musk gibt zu, was Tesla-Besitzer längst ahnten: Hardware 3 kann vollautonomes Fahren nicht leisten. Tausende zahlten bis zu 10.000 Dollar für ein Versprechen, das nie eingelöst wird. Jetzt formiert sich Widerstand.

Zwölf Jahre Versprechungen, null Einlösungen: Tesla-Chef Elon Musk bestätigte in einer Telefonkonferenz zum ersten Finanzquartal, dass die Hardware 3 (HW3) technisch unzureichend für vollautonomes Fahren ist. „Leider verfügt Hardware 3 nicht über die nötigen Fähigkeiten, um unbeaufsichtigtes FSD zu realisieren – ich wünschte, es wäre anders“, räumte Musk ein, wie heise berichtet. Ein bemerkenswertes Eingeständnis für einen CEO, der seit Jahren das autonome Fahren als nahe Zukunft verkauft.

Besonders bitter: Seit April 2019 kassierten Tesla-Kunden 10.000 Dollar in den USA oder 6.800 Euro in Deutschland für das Full-Self-Driving-Paket (FSD) – mit der expliziten Aussicht auf vollständig autonomes Fahren durch spätere Software-Updates. Diese Versprechen erweisen sich nun als Luftnummern. Musk gab zu, dass HW3 nur ein Achtel der Speicherbandbreite von Hardware 4 besitzt, einem kritischen Element für unbeaufsichtigtes FSD.

Der teure Nachrüst-Flickenteppich

Teslas Lösung? Ein „vergünstigter Trade-In“ für Fahrzeuge mit Hardware 4 oder eine aufwendige Nachrüstung. Dabei müssen nicht nur Computer, sondern auch Kameras ausgetauscht werden – in „Mikrofabriken“ in Metropolregionen, weil die Maßnahmen für lokale Tesla-Partner zu komplex seien. Ein konkreter Zeitplan fehlt. Übersetzung: Jahre, in denen betroffene Kunden weiter auf ihr bezahltes Feature warten.

Für die Zwischenzeit verspricht Tesla lediglich weitere Software-Updates für HW3 – ein schwacher Trost für jene, die vollautonomes Fahren erwarben. Besonders pikant ist die Situation in den Niederlanden, dem einzigen europäischen Land mit FSD-Zulassung. Dort dürfen Teslas bisher nur mit einem Assistenzsystem nach Level 2 fahren, bei dem der Fahrer jederzeit verantwortlich bleibt.

Verbraucherschutz: Wurden Kunden getäuscht?

Die entscheidende Frage lautet: Wusste Tesla von Anfang an, dass HW3 nicht ausreicht? Musks Formulierung deutet darauf hin: „Wir dachten tatsächlich einmal, dass sie das könnte“, sagte er laut heise. Entweder war Tesla also technisch inkompetent – oder verkaufte bewusst ein unrealistisches Versprechen. Der Niederländer Mischa Sigtermans sieht das nicht mehr tatenlos mit an.

Er startete eine Website zur Registrierung betroffener europäischer Tesla-Besitzer und strebt eine Sammel- oder Massenklage nach niederländischem Recht an. In den USA erstritt bereits ein Kunde vor einem Small Claims Court die volle Rückzahlung von 10.600 Dollar – allerdings auch, weil Tesla nicht auf Kontaktversuche des Gerichts reagierte. Aktuell verzögert der Autohersteller die Zahlungsfrist mit allen Mitteln.

Business Punk Check

Tesla liefert die Blaupause, wie man Kunden maximal frustriert: Jahrelang vollmundige Versprechungen, dann ein halbgares Eingeständnis ohne konkrete Kompensation. Musks Strategie, mit Kameras statt Lidar-Sensoren autonomes Fahren zu ermöglichen, erweist sich als riskante Wette auf dem Rücken zahlender Kunden. Wettbewerber wie Waymo setzen auf umfassendere Sensorik – vielleicht nicht ohne Grund.

Für betroffene HW3-Besitzer bleibt nur der Gang zum Anwalt oder das Hoffen auf irgendwann kommende Nachrüstungen. Die Lektion: Bei Tech-Versprechen gilt Vorkasse-Prinzip nur für Firmen, die liefern können. Tesla hat gerade bewiesen, dass sie dazugehören – nämlich zu jenen, die nicht liefern. Wer heute noch FSD kauft, sollte wissen: Das „Full“ steht vermutlich für „Fully Speculative Dream“.

Häufig gestellte Fragen

Welche Tesla-Modelle sind von der Hardware-Limitierung betroffen?

Alle Tesla-Fahrzeuge mit Hardware 3 (HW3), die ab April 2019 verkauft wurden. Besitzer, die 10.000 Dollar oder 6.800 Euro für FSD zahlten, können vollautonomes Fahren nicht nutzen, da die Hardware-Kapazität nicht ausreicht. Tesla bietet bisher nur vage Nachrüst-Versprechen an.

Plant Tesla eine kostenlose Nachrüstung auf Hardware 4?

Nein. Tesla bietet lediglich einen „vergünstigten Trade-In“ für neue Fahrzeuge mit Hardware 4 oder eine kostenpflichtige Nachrüstung an. Diese erfordert den Austausch von Computer und Kameras in speziellen „Mikrofabriken“. Ein konkreter Zeitplan oder Preis wurde nicht genannt.

Können betroffene Tesla-Besitzer klagen?

Ja. In den Niederlanden läuft bereits eine Initiative für eine Sammelklage. Ein US-Kunde erstritt bereits die volle Rückzahlung von 10.600 Dollar. Rechtsexperten sehen gute Chancen, da Tesla ein Produkt verkaufte, das technisch nicht lieferbar ist.

Was unterscheidet Teslas FSD-Ansatz von Wettbewerbern?

Tesla setzt ausschließlich auf Kameras und KI, während Wettbewerber wie Waymo zusätzlich Lidar- und Radar-Sensoren nutzen. Musks Ansatz sollte kostengünstiger sein, erweist sich aber als technisch unzureichend für vollautonomes Fahren ohne menschliche Überwachung.

Quellen: heise

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