Drive & Dreams Musks Milliardenwette: Tesla verbrennt Cash, Waymo fährt davon

Musks Milliardenwette: Tesla verbrennt Cash, Waymo fährt davon

Rekordumsatz, Rekordabsatz und trotzdem sind Anleger sauer. Tesla versenkt Milliarden in KI und Robotaxis, während die Gewinnmargen kollabieren. Wann zahlt sich Musks großer Plan aus?

Tesla verkauft so viele Autos wie nie zuvor, und trotzdem fließt das Geld in die falsche Richtung. 480.000 Fahrzeuge lieferte der Elektroautobauer im zweiten Quartal aus – 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz kletterte auf 28,2 Milliarden Dollar. Aber die Investoren reagieren mit Ernüchterung: Die Aktie sackte nachbörslich um drei bis vier Prozent ab.

Der Grund? Tesla verbrannte erstmals seit über zwei Jahren Geld. Der freie Cashflow rutschte ins Minus, auf 1,1 Milliarden Dollar, wie WirtschaftsWoche berichtet.

Das Gewinnproblem: Rabattschlachten statt Premium

Die Zahlen offenbaren ein fundamentales Dilemma. Tesla verkauft zwar mehr Blech, verdient damit aber immer weniger. Die Bruttomarge im Autogeschäft sackte binnen eines Quartals von 19,2 auf 16,3 Prozent – Analysten hatten mit 18 Prozent gerechnet. Der Durchschnittserlös je Fahrzeug fiel von 45.345 auf 42.730 Dollar. Schuld sind aggressive Rabatte und verbilligte Kredite, mit denen Tesla Käufer lockt.

Die teuren Modelle S und X laufen aus. Unter dem Strich blieben 1,11 Milliarden Dollar Gewinn – klingt solide, ist aber Kosmetik. Tesla verbuchte einen unrealisierten Bewertungsgewinn von über einer Milliarde auf seine SpaceX-Beteiligung. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei mageren 33 Cent, erwartet waren 51 Cent. Dazu brachen die Einnahmen aus dem Emissionshandel von 439 auf 146 Millionen Dollar ein, nachdem die Trump-Regierung die Abgasvorgaben gelockert hatte.

Der Milliarden-Blackout: Wohin fließt das Geld?

Die operativen Kosten explodierten um 47 Prozent auf 4,35 Milliarden Dollar. Forschungsausgaben stiegen um die Hälfte auf 2,37 Milliarden Dollar. Die Investitionen verdoppelten sich auf 5,8 Milliarden Dollar – für Robotaxis, den humanoiden Roboter Optimus, eine eigene Halbleiterfabrik namens „Terafab“ und Rechenzentren. Insgesamt will Tesla 2026 über 25 Milliarden Dollar versenken, fast dreimal so viel wie im Vorjahr, so Google News Wirtschaft.

Elon Musk, erkältet und mit belegter Stimme in der Telefonkonferenz, verteidigte die Ausgabenorgie: „Ich bin zuversichtlich, dass alle Dinge, in die wir investieren, unglaubliche Renditen bringen werden“, lockte er laut WirtschaftsWoche. Man investiere so schnell wie möglich, ohne „allzu verschwenderisch“ zu werden. Nur: Die Barreserven sanken bereits um 1,2 auf 43,5 Milliarden Dollar. Tesla sicherte sich vorsichtshalber Kreditlinien von bis zu 30 Milliarden Dollar.

Robotaxis: Die versprochene Revolution lässt warten

Besonders beim Robotaxi-Dienst bleibt Tesla hinter den Ankündigungen zurück. Der Service läuft in sieben US-Metropolregionen – aber größtenteils mit Sicherheitsfahrern oder regulären menschlichen Fahrern. In Texas hatte Tesla zuletzt nur 69 Fahrzeuge registriert, in Austin sind laut Beobachtern knapp 20 Robotaxis unterwegs.

Waymo, die Google-Tochter, fährt dagegen in elf Städten und hat allein in Texas 628 Fahrzeuge am Start. Teslas Robotaxi-Dienst kommt auf rund 3,9 Millionen bezahlte Kilometer – überwiegend mit Aufpasser am Steuer. In der Bay Area fehlt bis heute die Lizenz für fahrerloses Fahren. Der Cybercab, das Robotaxi ohne Lenkrad, läuft gerade erst in Serienfertigung an und muss erst Daten sammeln, räumte Musk ein.

Business Punk Check

Tesla steckt in einer klassischen Scale-up-Zwickmühle: Das Kerngeschäft wächst, aber die Margen erodieren. Gleichzeitig ballert Musk Milliarden in futuristische Projekte, die noch keine Rendite abwerfen. Autonomes Fahren? Waymo ist Jahre voraus. Humanoider Roboter? „Schwierigste Aufgabe, die Tesla je angepackt hat“, gibt Musk selbst zu.

Die Investoren verlangen Beweise, dass die Ausgaben die Marktposition tatsächlich stärken – und die bleiben aus. Musks Mantra „das wird das größte Produkt aller Zeiten“ reicht nicht mehr. Wer jetzt einsteigt, wettet auf einen Turnaround in drei bis fünf Jahren – oder auf Musks Genie. Beides keine sichere Bank. Die Konkurrenz schläft nicht, und Tesla verbrennt Cash schneller, als neue Geschäftsmodelle Geld verdienen. Jetzt zählt Execution, nicht Vision.

Quellen: WirtschaftsWoche, Google News Wirtschaft (DE)

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