Drive & Dreams Stellantis greift VW an: E-Auto für unter 15.000 Euro soll 2028 kommen

Stellantis greift VW an: E-Auto für unter 15.000 Euro soll 2028 kommen

Stellantis will den europäischen E-Auto-Markt mit einem Kampfpreis aufmischen: Ab 2028 soll ein elektrischer Kleinwagen für unter 15.000 Euro vom Band rollen – produziert in Italien, nicht in China.

Bezahlbare E-Autos sind in Europa zur Rarität geworden. Während chinesische Hersteller den Markt mit günstigen Modellen fluten, zieht sich die europäische Industrie ins Premium-Segment zurück. Stellantis will diesen Trend durchbrechen: Der Konzern hinter Fiat, Opel, Citroën und Peugeot kündigt einen elektrischen Kleinwagen für unter 15.000 Euro an.

Produktionsstart: 2028 im italienischen Werk Pomigliano d’Arco, wo heute bereits der Fiat Panda entsteht. Das Projekt trägt den nüchternen Namen „E-Car“ und soll mehrere Konzernmarken bedienen. Die Botschaft ist klar: Europa kann günstigen Elektro-Stromer – wenn es wirklich will.

Europa kopiert japanische Kei-Cars

Die EU schafft gerade die regulatorische Grundlage für Stellantis‘ Vorstoß: Die neue Fahrzeugklasse M1E soll kompakte, leichte und kostengünstige E-Autos fördern. Das Vorbild kommt aus Japan, wo Kei-Cars seit den 1950er-Jahren das Stadtbild prägen. Diese Kleinstwagen profitieren von reduzierten Steuern und vereinfachten Zulassungsvorschriften.

Der Unterschied: Die EU-Variante ist rein elektrisch. Diskutiert werden Fahrzeuglängen zwischen 3,50 und 4,20 Metern sowie der Verzicht auf überbordende Assistenzsysteme. Stellantis positioniert sich damit als erster großer Hersteller, der diese neue Kategorie ernst nimmt – während VW weiter auf teurere Modelle setzt.

Die Ente kehrt zurück – elektrisch

Citroën macht den Anfang mit der Neuauflage einer Legende: Der 2CV kommt zurück, laut Elektroauto News diesmal mit Elektromotor. Auf dem Stellantis Investor Day 2026 präsentierte Markenchef Xavier Chardon ein erstes Teaserbild.

Die Silhouette erinnert deutlich an das Original von 1948: hohe Dachlinie, ausgeprägte Radhäuser, schmales Heck. Aber keine reine Retro-Kopie – die Grundidee zählt: maximaler Platz, einfache Technik, minimale Kosten. Die Abmessungen bleiben kompakt: zwischen 3,50 und 3,70 Metern Länge, damit positioniert sich der neue 2CV unterhalb des Citroën C3 und konkurriert direkt mit dem kommenden Renault Twingo. Premiere ist für den Pariser Autosalon im Oktober 2026 geplant, zunächst als Studie.

LFP-Akkus statt Premium-Technik

Technisch setzt Stellantis auf Pragmatismus statt Prestige. Wahrscheinlich kommen Lithium-Eisenphosphat-Batterien zum Einsatz – günstiger als NMC-Akkus, aber mit geringerer Energiedichte. Für einen Stadtstromer reicht das allemal. Die Batteriegröße dürfte zwischen 25 und 35 kWh liegen, was Reichweiten von 200 bis 300 Kilometern nach WLTP ermöglicht.

Bei der Motorleistung plant Citroën zwei Varianten: eine Basisversion mit 40 bis 50 PS für reine Stadtfahrten, eine stärkere Ausführung mit 60 bis 90 PS für Überlandstrecken. Stellantis arbeitet bereits mit dem chinesischen Batteriehersteller CATL zusammen und baut derzeit eine gemeinsame Fabrik in Saragossa. Die Ironie: Europäische E-Autos brauchen chinesische Batterietechnik, um gegen chinesische Konkurrenz zu bestehen.

Mehrere Marken, eine Plattform

Das E-Car-Projekt beschränkt sich nicht auf Citroën. Stellantis plant laut Fr weitere Modelle auf derselben Plattform, darunter wahrscheinlich einen elektrischen Fiat. Die Strategie ist klar: Entwicklungskosten auf mehrere Marken verteilen, Stückzahlen maximieren, Preise drücken.

Das Werk Pomigliano d’Arco bei Neapel wird zum europäischen Zentrum für bezahlbare E-Mobilität ausgebaut. Parallel dazu läuft der Citroën Ami bereits ab 59 Euro monatlich im Leasing – ein Mikromobil für die Stadt, das zeigt: Stellantis meint es ernst mit der Demokratisierung der Elektromobilität. Die Frage ist nur: Kommt die Offensive zu spät?

Business Punk Check

Stellantis verspricht bezahlbare E-Mobilität aus Europa – aber kann der Konzern liefern? Die Ankündigung für 2028 liegt noch zwei Jahre in der Zukunft, während chinesische Hersteller längst Fakten schaffen. Der Dacia Spring kostet heute schon unter 20.000 Euro, wird aber in China gebaut. Stellantis will mit italienischer Produktion punkten, muss dafür aber Kosten senken, ohne bei Qualität und Reichweite zu sehr zu sparen. Die LFP-Batterien sind der richtige Ansatz, die Abhängigkeit von CATL bleibt trotzdem.

Die neue EU-Fahrzeugklasse M1E könnte helfen – wenn sie tatsächlich kommt und nicht in Brüsseler Regulierungsmühlen zerrieben wird. Das größte Risiko: VW, Renault und andere Wettbewerber schlafen nicht. Wer 2028 als Erster einen alltagstauglichen E-Kleinwagen für 15.000 Euro liefert, gewinnt. Wer nur ankündigt, verliert. Stellantis hat die Chance, den europäischen E-Auto-Markt aufzumischen – oder sich mit leeren Versprechen zu blamieren. Die nächsten zwei Jahre werden zeigen, ob der Konzern mehr kann als Marketing.

Quellen: Fr, Auto Motor Und Sport, Elektroauto News

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