Drive & Dreams VW in China wieder Nummer eins – aber nur kurz

VW in China wieder Nummer eins – aber nur kurz

Volkswagen erobert in China vorübergehend die Marktführung zurück. Doch der Konzern selbst glaubt nicht daran, dass das hält. Weltweit brechen die Verkäufe ein.

Der Wolfsburger Konzern lieferte im ersten Quartal 2026 weltweit 2,05 Millionen Fahrzeuge aus – vier Prozent weniger als im Vorjahr. Besonders bitter: In China brachen die Verkäufe um 15 Prozent ein, in den USA um 13 Prozent. Doch ausgerechnet im Reich der Mitte gelang VW ein überraschender Coup: Die Marke kletterte vorübergehend wieder auf Platz eins der Neuzulassungen. Allerdings verdankt der Konzern diesen Erfolg weniger eigener Stärke als vielmehr den Problemen chinesischer E-Auto-Hersteller.

Verbrenner als Rettungsanker in China

Peking änderte die Förderregeln für Elektroautos – und traf damit vor allem heimische Hersteller wie BYD. VW profitierte davon mit seinem nach wie vor starken Verbrennergeschäft und baute den Marktanteil leicht aus. Doch in Wolfsburg weiß man genau: Das ist keine nachhaltige Strategie.

Der Konzern rechnet selbst nicht damit, die Spitzenposition bis Jahresende zu halten. 2025 lag VW in China nur noch auf Platz drei – hinter BYD und Geely. Jahrzehntelang war der deutsche Hersteller dort unangefochtener Marktführer gewesen.

E-Auto-Absturz in zwei Märkten

Während Europa stabil bleibt, kollabiert das Elektrogeschäft in den beiden wichtigsten Märkten außerhalb der EU. In China sank der E-Auto-Absatz um 64 Prozent, in den USA sogar um 80 Prozent. Präsident Trump hatte die Förderung komplett gestrichen – mit drastischen Folgen.

VW zog bereits Konsequenzen: Die Produktion des ID.4 in den USA wird eingestellt, stattdessen sollen dort mehr Verbrenner-SUVs vom Band rollen. Weltweit lieferte der Konzern nur noch 200.000 Elektrofahrzeuge aus – ein Minus von 7,7 Prozent. Einzig in Europa läuft es: Dort stiegen die E-Auto-Verkäufe um 11,5 Prozent auf 176.400 Fahrzeuge. Der Auftragsbestand in Europa wuchs sogar um 15 Prozent gegenüber Jahresende 2025.

Europa kann die Verluste nicht ausgleichen

In Westeuropa legte VW um 4,2 Prozent zu, in Osteuropa um 7,6 Prozent. Deutschland verzeichnete ein Plus von 4,8 Prozent. Doch diese Zuwächse reichen bei weitem nicht aus, um die massiven Rückgänge in China und Nordamerika zu kompensieren. Der weltweite Marktanteil blieb laut Volkswagen Group zwar stabil – allerdings in einem insgesamt geschrumpften Markt.

Auch die Premiumtochter Audi kämpft: Die Auslieferungen sanken weltweit um 6,1 Prozent auf 360.106 Fahrzeuge. In Nordamerika brach der Absatz um 27 Prozent ein, bei E-Autos sogar um 85 Prozent. Audi gibt die Zollkosten bislang nicht in größerem Umfang an Kunden weiter – und zahlt dafür mit Marktanteilen.

Plug-in-Hybride erleben Comeback

Immerhin eine gute Nachricht: Die Nachfrage nach Plug-in-Hybriden zieht wieder an. Weltweit lieferte VW 109.000 PHEVs aus – 31 Prozent mehr als im Vorjahr. Die zweite Generation mit elektrischen Reichweiten bis zu 143 Kilometer scheint bei Kunden anzukommen.

In Europa stiegen die Auftragseingänge für alle Antriebsarten um drei Prozent, bei reinen E-Autos um vier Prozent. Der Rückstand zu Toyota wächst weiter: Die Japaner lieferten 2025 insgesamt 11,3 Millionen Fahrzeuge aus, VW rutschte mit 8,98 Millionen unter die Neun-Millionen-Marke. Seit 2020 ist Toyota wieder weltgrößter Autobauer.

Business Punk Check

VWs China-Comeback ist ein Pyrrhussieg. Wer seine Marktführung dem Förderstopp für die Konkurrenz verdankt, hat kein tragfähiges Geschäftsmodell. Die Wolfsburger wissen das selbst – sonst würden sie nicht öffentlich einräumen, dass Platz eins nicht zu halten ist. Die Wahrheit: VW verschläft in China die E-Mobilität, während lokale Hersteller den Markt mit günstigen, technisch ausgereiften Stromern fluten. In den USA zeigt sich das Dilemma noch deutlicher. Statt die E-Offensive durchzuziehen, schwenkt VW zurück zu Verbrennern.

Das mag kurzfristig die Zahlen stabilisieren, strategisch ist es ein Offenbarungseid. Wer heute in den USA auf SUVs mit Benzinmotor setzt, verliert morgen den Anschluss – egal ob Trump im Amt bleibt oder nicht. Europa kann diese strukturellen Probleme nicht kompensieren. Die Zuwächse dort sind solide, aber viel zu klein. VW braucht dringend wettbewerbsfähige E-Modelle für China und eine klare Strategie für Nordamerika. Plug-in-Hybride sind eine Übergangslösung, kein Zukunftskonzept. Der Konzern muss jetzt liefern – oder den Anschluss an die Weltspitze endgültig verlieren.

Häufig gestellte Fragen

Warum ist VW in China wieder Marktführer geworden?

Peking änderte die Förderregeln für Elektroautos, was vor allem chinesische E-Auto-Hersteller wie BYD traf. VW profitierte davon mit seinem starken Verbrennergeschäft und konnte den Marktanteil vorübergehend ausbauen. Der Konzern selbst geht jedoch nicht davon aus, diese Position bis Jahresende zu halten.

Welche Auswirkungen haben Trumps Zölle auf VW in den USA?

Die Kombination aus gestrichener E-Auto-Förderung und erhöhten Zöllen ließ den Elektroabsatz in den USA um 80 Prozent einbrechen. VW reagierte mit der Einstellung der ID.4-Produktion und setzt stattdessen wieder verstärkt auf Verbrenner-SUVs – eine kurzfristige Notlösung ohne strategische Perspektive.

Kann Europa die Verluste in China und den USA ausgleichen?

Nein. Obwohl VW in Westeuropa um 4,2 Prozent und in Osteuropa um 7,6 Prozent zulegte, reichen diese Zuwächse nicht annähernd aus, um die massiven Rückgänge in China (minus 15 Prozent) und Nordamerika (minus 13 Prozent) zu kompensieren. Europa ist zu klein für diese Aufgabe.

Warum steigt die Nachfrage nach Plug-in-Hybriden wieder?

Die zweite Generation der Plug-in-Hybride bietet elektrische Reichweiten bis zu 143 Kilometer – genug für den Alltag vieler Pendler. Das macht sie attraktiver als reine Verbrenner, ohne die Reichweitenangst reiner E-Autos. Weltweit stiegen die PHEV-Auslieferungen um 31 Prozent auf 109.000 Fahrzeuge.

Was muss VW jetzt tun, um den Anschluss nicht zu verlieren?

Der Konzern braucht wettbewerbsfähige E-Modelle für China, die mit lokalen Herstellern mithalten können. In den USA ist eine klare Strategie jenseits kurzfristiger Verbrenner-Rückzüge nötig. Plug-in-Hybride sind Übergangstechnologie – VW muss in echte E-Mobilität investieren, sonst verliert der Konzern den Anschluss an die Weltspitze endgültig.

Quellen: Ndr, Spiegel, Volkswagen Group

Das könnte dich auch interessieren