Business & Beyond VW weitet E-Auto-Offensive aus: Rivian-Invest verdrängt Amazon

VW weitet E-Auto-Offensive aus: Rivian-Invest verdrängt Amazon

Volkswagen hat Amazon als größten Rivian-Aktionär verdrängt und baut seinen Einfluss beim US-Elektroautobauer massiv aus. Hinter dem Milliarden-Deal steckt eine strategische Allianz für Software, Elektronik und die nächste Generation digitaler Elektroautos. Die Partnerschaft soll Kosten senken, Innovationen beschleunigen und VW technologisch nach vorn bringen.

Volkswagen baut seine Partnerschaft mit dem US-Elektroautobauer Rivian konsequent aus und ist nun größter Anteilseigner des Unternehmens. Der Wolfsburger Konzern verdrängt damit Amazon von der Spitzenposition unter den Rivian-Investoren. Hintergrund ist das milliardenschwere Joint Venture beider Unternehmen, das die Entwicklung moderner Software- und Elektronikarchitekturen für künftige Elektrofahrzeuge beschleunigen soll. Für VW ist die Kooperation weit mehr als ein Software-Deal – sie gilt als Schlüsselprojekt für niedrigere Entwicklungskosten, schnellere Innovationen und eine neue Generation digitaler Fahrzeuge.

Volkswagen verdrängt Amazon als größten Rivian-Aktionär

Volkswagen hat seine Beteiligung an Rivian innerhalb von weniger als zwei Jahren massiv ausgebaut. Laut aktuellen Unterlagen der US-Börsenaufsicht SEC hält der Konzern inzwischen 15,9 Prozent an dem US-Elektroautohersteller und ist damit größter Anteilseigner. Amazon, das Rivian seit Jahren finanziell unterstützt und zugleich Großkunde für elektrische Lieferwagen ist, kommt nur noch auf 12,28 Prozent. Bereits 2021 hatte Amazon vor Rivians Börsengang rund 20 Prozent gehalten und zuvor 700 Millionen Dollar investiert. Zudem bestellte der Onlinehändler bereits 2019 insgesamt 100.000 elektrische Lieferfahrzeuge bei Rivian. Neben Volkswagen und Amazon zählen Oryx Global mit 8,6 Prozent sowie Vanguard mit 5,1 Prozent zu den größten Investoren. Rivian-Gründer und CEO RJ Scaringe hält selbst rund 1,1 Prozent der Unternehmensanteile.

Milliardenprojekt als Kern der Partnerschaft

Die wachsende Beteiligung von Volkswagen ist direkt an das gemeinsame Technologie-Joint-Venture gekoppelt, das offiziell im November 2024 gegründet wurde. Ziel der Zusammenarbeit ist die Entwicklung einer neuen elektrischen Architektur sowie moderner Fahrzeugsoftware. Volkswagen hat zugesagt, insgesamt 5,8 Milliarden Dollar in Rivian und das Gemeinschaftsunternehmen zu investieren. Ursprünglich waren fünf Milliarden Dollar vorgesehen, später wurde die Summe erhöht. Bereits zum Start flossen eine Milliarde Dollar in Form einer Wandelanleihe an Rivian. Weitere Milliarden wurden 2025 und Anfang 2026 freigegeben, nachdem definierte Entwicklungsziele erreicht worden waren. Zuletzt erhielt Rivian eine weitere Milliarde Dollar nach erfolgreichen Wintertests des VW ID.EVERY1, des ersten Volkswagen-Modells mit der neuen gemeinsamen Software- und Elektronikplattform.

VW will mehr als nur bessere Infotainment-Systeme

Volkswagen betont inzwischen deutlich, dass die Kooperation mit Rivian weit über klassische Softwareprobleme hinausgeht. VW-Markenchef Thomas Schäfer widersprach im Frühjahr 2025 ausdrücklich dem Eindruck, der Konzern wolle mit Rivian lediglich seine bisherigen Schwierigkeiten bei Software und Infotainment lösen. Stattdessen gehe es um die gesamte Elektronikarchitektur des Fahrzeugs – von Karosseriesystemen über den Antriebsstrang bis hin zum Infotainment. Ziel sei es, die Vielzahl einzelner Steuergeräte in Fahrzeugen durch zentrale Hochleistungsrechner zu ersetzen. Dadurch sollen Software-Updates einfacher, Entwicklungsprozesse schneller und Produktionskosten deutlich niedriger werden. Schäfer bezeichnete Rivians Architektur dabei als „wahrscheinlich die fortschrittlichste auf dem Markt“.

Blume sieht entscheidenden Technologiesprung

Volkswagen-Chef Oliver Blume hatte die strategische Bedeutung der Partnerschaft bereits bei der offiziellen Vorstellung des Joint Ventures im November 2024 hervorgehoben. „Die Partnerschaft mit Rivian ist der nächste logische Schritt, um unsere globale Wettbewerbs- und Technologieposition zu stärken“, erklärte Blume. Durch moderne Entwicklungsprozesse, gemeinsame Technologieansätze und Skaleneffekte wolle Volkswagen seinen Kunden künftig bessere digitale Erlebnisse zu attraktiveren Preisen bieten. Gleichzeitig sollen die gemeinsamen Plattformen die Forschungs- und Entwicklungskosten nachhaltig senken.

Rivian öffnet seine Technologie für andere Hersteller

Auch Rivian-Chef RJ Scaringe sieht in der Kooperation einen Wendepunkt für die Elektromobilität. Besonders wichtig sei, dass Rivians Technologie künftig nicht nur in eigenen Fahrzeugen eingesetzt werde. „Wir freuen uns sehr, dass unsere Technologie auch außerhalb von Rivian in Fahrzeuge integriert wird – das ist ein wichtiger Wegbereiter, um die Verbreitung von Elektrofahrzeugen zu beschleunigen“, sagte Scaringe. Rivian erhofft sich im Gegenzug vor allem Vorteile bei Produktion und Skalierung. Das Unternehmen investiert weiterhin enorme Summen in Forschung und Entwicklung. Allein 2025 flossen rund 1,7 Milliarden Dollar in neue Technologien, insbesondere in autonomes Fahren und KI-Systeme. Diese hohen Investitionen haben allerdings dazu geführt, dass Rivian sein Profitabilitätsziel inzwischen über das Jahr 2027 hinaus verschieben musste.

Erste Fahrzeuge stehen bereits in den Startlöchern

Die ersten sichtbaren Ergebnisse der Kooperation sollen schon bald auf die Straße kommen. Rivian startete im April 2026 die Produktion seines neuen Mittelklasse-SUV R2, dessen Auslieferung in den kommenden Wochen beginnen soll. Auf Volkswagen-Seite werden zunächst Porsche, Audi und die neue US-Marke Scout von der gemeinsamen Technologie profitieren. Die ersten VW-Modelle mit Rivian-Architektur sollen ab 2027 erscheinen. Das Joint Venture selbst wird von Wassym Bensaid auf Rivian-Seite sowie Carsten Helbing für Volkswagen geführt. Die Teams arbeiten zunächst in Kalifornien, weitere Standorte in Europa und Nordamerika sind bereits geplant.

Kooperation mit Signalwirkung für die Branche

Die Partnerschaft zwischen Volkswagen und Rivian gilt inzwischen als eines der wichtigsten Technologieprojekte der Autoindustrie. Sollte das Joint Venture erfolgreich verlaufen, könnten künftig weitere Lizenzdeals oder neue Technologiefelder entstehen. Besonders spannend ist dabei, dass die Zusammenarbeit die Bereiche Künstliche Intelligenz und autonomes Fahren bislang ausdrücklich ausklammert – genau jene Felder, in denen Rivian derzeit massiv investiert. Für Volkswagen ist die Kooperation deshalb nicht nur eine Beteiligung an einem Elektroauto-Start-up, sondern ein strategischer Umbau des gesamten Konzerns hin zu einer softwaregetriebenen Zukunft.

Das könnte dich auch interessieren