Drive & Dreams Waymo zieht Robotaxis aus dem Verkehr — die Realität holt auf

Waymo zieht Robotaxis aus dem Verkehr — die Realität holt auf

Waymos autonome Taxis fahren in Überschwemmungen, rasen durch Baustellen und werden von der Polizei verfolgt. Jetzt hat der Google-Ableger die Notbremse gezogen. Vier Städte betroffen.

Ein festgefahrenes Robotaxi in einer überfluteten Straße in Atlanta. Eine Stunde Bergungsaktion. Kein Einzelfall. Waymo, das selbsternannte Vorzeigeunternehmen der autonomen Mobilität, hat seinen Robotaxi-Dienst in vier US-Städten ausgesetzt — und liefert damit einen Reality-Check für die gesamte Branche.

In Atlanta und San Antonio ist der Service komplett gestoppt. In Dallas und Houston ebenfalls Pause wegen Unwettern, wie TechCrunch berichtet. Zusätzlich wurden in San Francisco, Los Angeles, Phoenix und Miami sämtliche Autobahnfahrten eingestellt. Der Grund: Die Fahrzeuge kommen weder mit Starkregen noch mit Baustellen klar.

Wenn künstliche Intelligenz echtem Wetter begegnet

Das Problem zeigt sich besonders drastisch bei Überschwemmungen. Waymo hatte bereits letzte Woche ein Software-Update verteilt, nachdem Robotaxis wiederholt durch überflutete Straßen gefahren waren. Die vermeintliche Lösung: Das System nutzt nun Warnungen des nationalen Wetterdienstes, um Gefahrenzonen zu meiden. Doch die Realität machte dem Unternehmen einen Strich durch die Rechnung.

Der Starkregen in Atlanta kam so schnell, dass die Überschwemmungen entstanden, bevor der Wetterdienst überhaupt warnen konnte. Ein unbesetztes Waymo-Fahrzeug fuhr prompt in die Fluten und blieb stecken — trotz des angeblichen Updates.

Waymo räumt gegenüber TechCrunch ein, dass das verteilte Update keine „endgültige Abhilfe“ darstellt. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA beobachtet den Vorfall und wird „bei Bedarf entsprechende Maßnahmen ergreifen“.

Chaos auf der Autobahn

Parallel dazu kämpft Waymo mit einem weiteren Kernproblem: Baustellen. Seit November 2025 dürfen die autonomen Taxis auf Autobahnen fahren — ein entscheidender Schritt für die Wirtschaftlichkeit des Dienstes, da er schnellere Flughafenanbindungen ermöglicht. Doch am 19. Mai postete ein Nutzer auf X ein Video seiner Fahrt mit erschreckenden Beschreibungen: Sein Waymo-Robotaxi sei „durch Pylonen gerast, riesigen Lastwagen ausgewichen und vor der Polizei davongefahren“, wie heise berichtet. Waymo bestätigt die Aussetzung der Autobahnfahrten, nennt aber keine konkreten Vorfälle als Begründung. Man integriere gerade „kürzliche technische Erkenntnisse“ in die Software.

Systematisches Versagen statt Einzelfall

Die aktuellen Probleme fügen sich in ein Muster ein. Bereits 2025 fuhren Waymo-Taxis illegal an stehenden Schulbussen vorbei. Das Unternehmen verteilte einen Fix — die Fahrzeuge ignorierten Schulbusse weiterhin. Sowohl NHTSA als auch die Verkehrssicherheitsbehörde NTSB ermitteln in diesem Fall.

Eine zweite Untersuchung läuft wegen eines Unfalls vom 23. Januar, bei dem ein Waymo-Robotaxi in Santa Monica ein Kind anfuhr. Das Unternehmen gibt an, das Fahrzeug habe auf etwa 10 Stundenkilometer abgebremst, bevor es das Kind traf, das leichte Verletzungen erlitt.

Business Punk Check

Waymos Probleme offenbaren eine unbequeme Wahrheit: Autonomes Fahren funktioniert fantastisch — bis die Realität dazwischenkommt. Während das Unternehmen eine Million bezahlte Fahrten pro Woche bis Ende 2026 anpeilt und global expandieren will, scheitert die Technologie an Basics wie Regen und Pylonen. Die wiederholten „Fixes“, die nichts fixen, sind besonders entlarvend. Erst die Schulbus-Software, die Schulbusse weiterhin ignorierte. Jetzt das Flut-Update, das Fluten nicht erkennt.

Das riecht nicht nach Kinderkrankheiten, sondern nach fundamentalen Grenzen der Technologie. Für Investoren und Wettbewerber gilt: Der Weg zur profitablen Robotaxi-Flotte wird teurer und länger als gedacht. Waymo hat zwar einen Vorsprung — aber den hatte Nokia bei Handys auch.

Quellen: heise, TechCrunch, TechCrunch

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