Female & Forward Gründen Frauen in Deutschland wirklich häufiger? Ein Blick hinter die Schlagzeile

Gründen Frauen in Deutschland wirklich häufiger? Ein Blick hinter die Schlagzeile

Frauen gründen in Deutschland immer häufiger“ – diese Botschaft macht gerade die Runde, befeuert vom KfW-Gründungsmonitor 2026 und von Förderprogrammen, die steigende Bewerberinnenzahlen melden. Die gute Nachricht stimmt im Kern.

Die vollständige ist allerdings komplizierter: Während insgesamt wieder mehr Menschen gründen, sinkt der Anteil der Frauen – und im besonders relevanten Vollerwerb sogar deutlich.

Was der KfW-Gründungsmonitor 2026 zeigt

Die Gründungstätigkeit in Deutschland ist 2025 spürbar gestiegen: rund 690.000 Gründerinnen und Gründer nach 585.000 im Jahr zuvor. Getragen wird dieser Zuwachs fast vollständig vom Nebenerwerb – 483.000 Nebenerwerbsgründungen (nach 382.000), während die Zahl der Vollerwerbsgründungen mit 206.000 nahezu unverändert blieb. Die Gründerlandschaft verjüngt sich zudem weiter: Das Durchschnittsalter liegt bei 34,2 Jahren, 40 Prozent der Gründenden sind unter 30, und 44 Prozent der Gründungen bauen auf digitale Angebote – ein neuer Rekord.

So weit der Aufschwung. Beim Blick auf die Frauen kippt das Bild. Der Anteil der Gründerinnen lag 2025 bei 35 Prozent – einen Prozentpunkt niedriger als 2024 und klar unter dem langjährigen Durchschnitt von 39 Prozent. Besonders auffällig: Im Vollerwerb, also bei der Selbständigkeit als Haupterwerbsquelle, brach der Gründerinnenanteil von 33 auf 27 Prozent ein. Stabil blieb der Frauenanteil nur im Nebenerwerb, bei 38 Prozent.

Anders gesagt: Frauen gründen nicht pauschal „häufiger“. Sie gründen vor allem dort häufiger mit, wo es nebenberuflich und kleinteilig zugeht – und ziehen sich gleichzeitig aus der unternehmerischen Vollexistenz zurück.

Wo die „häufiger“-Erzählung herkommt

Befeuert wird die optimistische Lesart unter anderem von Förderprogrammen wie CoCo – Frauen gründen, einem bundesweiten, digitalen Angebot von BerufsWege für Frauen & Social Business Women e.V., gefördert von der KfW Stiftung. Dort zeigen die Zahlen tatsächlich nach oben: Seit Programmstart haben sich 1.745 Frauen beworben, 1.193 wurden begleitet, 708 Gründungen sind bereits umgesetzt. Allein der aktuelle Jahrgang verzeichnet 834 Bewerbungen – ein klarer Nachfrageschub.

„Die steigenden Bewerbungszahlen zeigen deutlich, dass Frauen gründen wollen. Was häufig fehlt, sind Zugang zu Wissen, Netzwerken und die passende Begleitung“, sagt Hannah Radloff, Projektleiterin von CoCo. Schirmherr des Programms ist Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus. Die Geschäftsideen der Teilnehmerinnen liegen schwerpunktmäßig in Bildung, E-Commerce, Gesundheit und Pflege, Sozialunternehmen, Konsumgütern, Gastronomie sowie digitalen und KI-gestützten Dienstleistungen.

Warum gezielte Förderung weiter ein Thema bleibt

Dass der Wille da ist, die Quote aber stagniert oder sinkt, verweist auf die bekannten Hürden: schwierigerer Zugang zu Kapital, kleinere Netzwerke und die Last, Selbständigkeit mit Care-Arbeit zu vereinbaren. Genau an diesen Punkten setzen Programme wie CoCo an, die Frauen über zwölf Monate von der Idee bis zur tragfähigen Gründung begleiten – unabhängig von Wohnort und Lebenssituation.

Business Punk Check

Die Schlagzeile „Frauen gründen häufiger“ ist ein Lehrstück darin, wie eine richtige Einzelzahl ein schiefes Gesamtbild erzeugt. Ja, Bewerberinnenzahlen einzelner Programme steigen, und ja, absolut gründen mehr Menschen. Aber der entscheidende strukturelle Wert – der Frauenanteil, besonders im Vollerwerb – bewegt sich in die Gegenrichtung. Für die Wirtschaft ist genau das die unbequeme Pointe: Der jüngste Gründungsboom ist überwiegend ein Nebenerwerbs-Boom, und das unternehmerische Vollrisiko gehen Frauen seltener ein als noch vor einem Jahr. Wer weibliches Unternehmertum ernst meint, sollte nicht die schöne Überschrift feiern, sondern die 27 Prozent im Vollerwerb erklären – und ändern.

Häufig gestellte Fragen

Gründen Frauen in Deutschland jetzt häufiger? Nur eingeschränkt. Die absolute Gründungstätigkeit ist 2025 gestiegen, der Frauenanteil aber auf 35 Prozent gesunken (langjähriger Schnitt: 39 Prozent). Im Vollerwerb fiel der Gründerinnenanteil sogar von 33 auf 27 Prozent.

Wie viele Gründungen gab es 2025 insgesamt? Rund 690.000 nach 585.000 im Vorjahr. Der Zuwachs stammt fast vollständig aus dem Nebenerwerb (483.000), während der Vollerwerb mit 206.000 nahezu stabil blieb.

Was ist CoCo – Frauen gründen? Ein bundesweites, digitales Gründungsprogramm von BerufsWege für Frauen & Social Business Women e.V., gefördert von der KfW Stiftung. Es begleitet Frauen zwölf Monate lang und hat nach eigenen Angaben bereits 708 Gründungen erfolgreich umgesetzt.

Warum sinkt der Frauenanteil trotz hoher Nachfrage? Strukturelle Hürden bleiben: schwierigerer Kapitalzugang, kleinere Netzwerke und die Vereinbarkeit von Selbständigkeit mit Care-Arbeit. Diese treffen vor allem die riskantere Vollerwerbsgründung.

Welche Branchen sind bei Gründerinnen besonders beliebt? Laut CoCo vor allem Bildung, E-Commerce, Gesundheit und Pflege, Sozialunternehmen, Konsumgüter, Gastronomie sowie digitale und KI-gestützte Dienstleistungen.

Quellen: StartupValley, KfW (Pressemitteilung via Presseportal), KfW-Gründungsmonitor

Faktenstand: 5. Juni 2026. KfW-Gründungsmonitor 2026 (vorgestellt am 19. Mai 2026), Datenjahr 2025.

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