Finance & Freedom Altersvorsorgedepot 2027: Riester stirbt, Gutverdiener kassieren

Altersvorsorgedepot 2027: Riester stirbt, Gutverdiener kassieren

Riester ist tot, es lebe das Altersvorsorgedepot: Ab 2027 locken Steuervorteile und ETFs statt Garantiezwang. Doch der Kostendeckel verrät, wer wirklich profitiert.

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Am 31. Dezember stirbt die Riester-Rente. Ihr Nachfolger, das Altersvorsorgedepot, startet zum 1. Januar 2027 mit einem Versprechen, das nach zwei gescheiterten Jahrzehnten fast trotzig klingt: mehr Rendite, weniger Kosten, einfachere Förderung.

Für Gutverdiener steckt der eigentliche Clou aber nicht in der Zulage, sondern im Kleingedruckten der Steuerstundung.

Warum Gutverdiener genauer hinschauen sollten

Wer deutlich mehr einzahlt, als für die maximale Förderung nötig ist, profitiert vom Sonderausgabenabzug und davon, dass Erträge während der Ansparphase unversteuert bleiben, so das Handelsblatt. Die Steuer fällt erst in der Auszahlungsphase an, oft mit niedrigerem Satz im Ruhestand.

Verbraucherschützer warnen jedoch bereits, dass Banken und Finanzdienstleister genau diesen Steuervorteil als Verkaufsargument nutzen dürften, um frühzeitig ins Beratungsgespräch zu kommen. Die Fördermechanik selbst ist neu justiert: 50 Cent pro Euro Zuschuss auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr, danach 25 Cent für jeden weiteren Euro bis 1.800 Euro. Macht in der Spitze bis zu 540 Euro Grundzulage. Kinder bringen bis zu 300 Euro extra.

Drei Konstruktionsfehler von Riester fallen weg

Riester krankte an der verpflichtenden Beitragsgarantie: Anbieter mussten zum Rentenbeginn mindestens die eingezahlten Beiträge zurückzahlen, was das Geld in niedrig verzinste Anleihen zwang. Kombiniert mit Kosten von typischerweise 2 bis 3 Prozent pro Jahr blieb von der Rendite oft weniger übrig als auf dem Tagesgeldkonto, wie finanzen.net dokumentiert. Mehr als jeder vierte Vertrag wurde inzwischen gekündigt oder stillgelegt.

Das Altersvorsorgedepot kippt den Garantiezwang: Sparer können bis zu 100 Prozent in Aktien-ETFs investieren, wer Sicherheit will, wählt freiwillig ein Garantieprodukt. Der Kostendeckel für Standardprodukte liegt bei 1 Prozent, herunter von ursprünglich geplanten 1,5 Prozent. Ein öffentlicher Träger bringt zusätzlich ein eigenes Standarddepot an den Markt, das den Preisdruck auf private Anbieter erhöhen dürfte.

Die digitale Selbstbedienung entscheidet über die Rendite

Genau hier liegt der eigentliche Machtwechsel: Wer sein Depot selbst digital verwaltet und günstige ETFs mit 0,1 bis 0,2 Prozent Kosten wählt, statt ein verwaltetes Standardprodukt zu nehmen, spart über 40 Jahre rund 65.000 Euro gegenüber dem gedeckelten Ein-Prozent-Produkt, rechnet finanzen.net vor.

Die App- und Robo-Advisor-Anbieter, die genau diese Selbstauswahl einfach machen, dürften zu den eigentlichen Gewinnern der Reform zählen, nicht die klassischen Versicherer mit aktiv gemanagten Depots. Bestehende Riester-Verträge laufen unangetastet weiter, ein Wechsel ist freiwillig. Da die neuen Produkte laut Main-Post erst 2027 an den Markt kommen, rät die Deutsche Rentenversicherung von übereilten Kündigungen ab, weil dabei sämtliche Förderungen zurückgezahlt werden müssten.

Business Punk Check

Die Idee ist gut, das Kleingedruckte entscheidet. Ein Kostendeckel von 1 Prozent ist zwar niedriger als bei Riester, aber immer noch das Fünf- bis Zehnfache dessen, was ein simpler ETF kostet. Wer sich nicht selbst um die Auswahl kümmert, zahlt weiter drauf, nur mit hübscherer Verpackung.

Der eigentliche Test steht 2027 an, wenn das staatliche Standarddepot live geht und zeigt, ob es Preisdruck erzeugt oder nur ein weiteres Bequemlichkeitsprodukt wird. Für Early Adopters lohnt sich schon jetzt, die eigene ETF-Kompetenz aufzubauen, statt auf die erste Bankberatung zu warten. Wer abwartet, verliert nichts, da Bestandsschutz und Widerrufsfristen Zeit verschaffen. Wer aber blind auf Verkaufsgespräche mit Steuerargument hereinfällt, zahlt am Ende die Zeche für fremde Bequemlichkeit.

Auf einen Blick

  • Das Altersvorsorgedepot löst zum 1. Januar 2027 die Riester-Rente ab und öffnet die Förderung erstmals auch für Selbstständige und Beamte.
  • Gutverdiener profitieren laut *Handelsblatt* vor allem von Sonderausgabenabzug und unversteuerten Erträgen während der Ansparphase, nicht primär von der Zulage.
  • Der Kostendeckel für Standardprodukte sinkt auf 1 Prozent, liegt aber laut *finanzen.net* weiterhin deutlich über den Kosten eines selbst gewählten günstigen ETFs.
  • Bestehende Riester-Verträge genießen Bestandsschutz, ein Wechsel bleibt freiwillig, konkrete Produktangebote gibt es laut *Main-Post* noch nicht.

Quellen: Handelsblatt, Finanzen, Mainpost

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