Finance & Freedom Bundespräsidents Gehalt: So viel verdient Frank-Walter Steinmeier

Bundespräsidents Gehalt: So viel verdient Frank-Walter Steinmeier

Frank-Walter Steinmeier kassiert 276.000 Euro im Jahr – und nach seinem Abschied die volle Pension. Ein Blick auf die Vergütungsstruktur des höchsten Staatsamts zeigt: Hier geht es um mehr als Geld.

Das höchste Staatsamt der Republik zahlt 276.000 Euro brutto jährlich. Frank-Walter Steinmeier verdient damit mehr als die meisten DAX-Vorstände? Sein Gehalt entspricht exakt 10/9 des Kanzlergehalts – eine Formel, die seit Jahrzehnten Bestand hat. Doch die eigentliche Pointe liegt woanders: Der Ehrensold nach Amtsende entspricht dem vollen Gehalt, laut T Online ohne jegliche Abzüge. Selbst bei vorzeitigem Rücktritt.

Die Vergütungsformel hinter Schloss Bellevue

Die Berechnung wirkt auf den ersten Blick kompliziert, folgt aber einer klaren Logik. Der Bundeskanzler erhält sein Grundgehalt, der Bundespräsident bekommt davon 10/9. Seit dem Haushaltsjahr 2024 sind das konkret 276.000 Euro. Zum Vergleich: Friedrich Merz verdient rund 360.000 Euro – plus steuerfreie Aufwandsentschädigung von 12.271 Euro.

Die Hierarchie der Gehälter spiegelt nicht die protokollarische Rangfolge wider, sondern die operative Verantwortung. Zusätzlich fließen 78.000 Euro Aufwandsgeld an Steinmeier. Dieser Betrag deckt die Kosten für Hausangestellte in Schloss Bellevue, repräsentative Verpflichtungen und den gepanzerten Mercedes S-Klasse mit Fahrer. Die Transparenz endet hier: Wie viel davon tatsächlich für Personal draufgeht und wie viel als faktisches Zusatzgehalt fungiert, bleibt Ermessenssache.

Der Ehrensold-Mechanismus und seine Kritiker

Nach dem Ausscheiden aus dem Amt greift eine Regelung, die seit 1959 unverändert gilt: Der Ehrensold entspricht dem vollen Amtsgehalt. Keine Abzüge bei vorzeitigem Rücktritt, keine Staffelung nach Dienstjahren. Christian Wulff demonstrierte die Konsequenzen dieser Praxis eindrücklich. Nach nicht einmal zwei Jahren im Amt zurückgetreten, bezieht er seit 2017 die volle Pension – aktuell also ebenfalls 276.000 Euro jährlich.

Die Begründung für diese großzügige Regelung: Bundespräsidenten dürfen während ihrer Amtszeit keinen Nebenerwerb ausüben. Der Ehrensold soll diese Einschränkung kompensieren und verhindern, dass ehemalige Staatsoberhäupter nach dem Ausscheiden auf Aufsichtsratsposten oder Beratermandate angewiesen sind. Ob diese Logik bei zweijähriger Amtszeit noch trägt, wird seit der Causa Wulff kontrovers diskutiert.

Staatsgehalt versus Privatwirtschaft

Die Relation zur Privatwirtschaft entlarvt die politische Vergütung als Mittelmaß. DAX-Vorstände verdienten 2021 durchschnittlich 3,9 Millionen Euro – mehr als das 14-fache des Bundespräsidenten-Gehalts, so Wmn. Selbst mittelständische Konzernchefs übertreffen die Bezüge des Staatsoberhaupts deutlich. Die Frage ist: Soll das Amt nach Marktlogik vergütet werden oder nach symbolischem Wert?

Die Antwort der Bundesrepublik lautet eindeutig: Symbolik schlägt Markt. Das Gehalt orientiert sich nicht an vergleichbaren Führungspositionen, sondern an der protokollarischen Hierarchie innerhalb des Staatsapparats. Eine bewusste Entscheidung gegen die Ökonomisierung des höchsten Amts – oder ein Relikt aus Zeiten, in denen Spitzengehälter noch nicht in Millionenhöhe explodierten.

Business Punk Check

Die Vergütungsstruktur des Bundespräsidenten offenbart ein grundsätzliches Dilemma deutscher Staatsfinanzen: Symbolische Ämter werden nach Tradition bezahlt, nicht nach Marktmechanismen. 276.000 Euro klingen nach viel Geld – bis man sie mit der Realität in Vorstandsetagen vergleicht. Dann wirken sie wie ein Statement gegen die Gehaltsinflation der Privatwirtschaft. Der Ehrensold bleibt der eigentliche Skandal. Nicht wegen seiner Höhe, sondern wegen seiner Bedingungslosigkeit. Zwei Jahre Amtszeit reichen für lebenslange Vollversorgung.

Das ist keine Altersabsicherung mehr, sondern ein Jackpot-Mechanismus. Andere Beamte müssen Jahrzehnte arbeiten für eine Pension, die prozentual weit unter dem letzten Gehalt liegt. Die politische Klasse scheut die Reform, weil sie selbst profitiert. Solange Bundespräsidenten nach Kurzzeit-Amtszeiten Vollpensionen kassieren können, bleibt das System eine Einladung zum Missbrauch. Die Lösung wäre simpel: Staffelung nach Dienstjahren, wie bei jedem anderen Beamten auch. Aber dafür bräuchte es Politiker, die gegen ihre eigenen Interessen entscheiden.

Häufig gestellte Fragen

Warum verdient der Bundespräsident mehr als der Bundeskanzler?

Der Bundespräsident verdient nicht mehr, sondern weniger als der Bundeskanzler. Steinmeier erhält 276.000 Euro, Scholz rund 362.000 Euro plus steuerfreie Zulagen. Die Formel 10/9 des Kanzlergehalts stellt sicher, dass das Staatsoberhaupt protokollarisch angemessen, aber unterhalb der Regierungschef-Ebene vergütet wird.

Wie funktioniert der Ehrensold für ehemalige Bundespräsidenten?

Der Ehrensold entspricht seit 1959 dem vollen Amtsgehalt – ohne Abzüge, selbst bei vorzeitigem Rücktritt. Diese Regelung soll verhindern, dass ehemalige Staatsoberhäupter auf Nebeneinkünfte angewiesen sind. Kritiker bemängeln, dass bereits zwei Jahre Amtszeit für lebenslange Vollversorgung ausreichen.

Welche Zusatzleistungen erhält der Bundespräsident?

Neben dem Grundgehalt fließen 78.000 Euro Aufwandsgeld für repräsentative Verpflichtungen, Hausangestellte in Schloss Bellevue und einen gepanzerten Dienstwagen der Mercedes S-Klasse mit Fahrer. Diese Leistungen sind steuerpflichtig und sollen amtsbezogene Mehrkosten decken.

Wie unterscheiden sich Politikergehälter von Vorstandsvergütungen?

DAX-Vorstände verdienten 2021 durchschnittlich 3,9 Millionen Euro – mehr als das 14-fache des Bundespräsidenten-Gehalts. Die politische Vergütung orientiert sich bewusst nicht an Marktmechanismen, sondern an symbolischen Hierarchien innerhalb des Staatsapparats. Eine Entscheidung gegen die Ökonomisierung höchster Ämter.

Sollte der Ehrensold reformiert werden?

Eine Staffelung nach Dienstjahren würde das System gerechter machen und Anreize für längere Amtszeiten setzen. Aktuell reichen zwei Jahre für lebenslange Vollpension – eine Regelung, die bei anderen Beamten undenkbar wäre. Die politische Klasse blockiert Reformen jedoch, weil sie selbst davon profitiert.

Quellen: T Online, Wmn

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