Finance & Freedom Bundestag winkt Riester 2.0 durch – aber die echte Revolution bleibt aus

Bundestag winkt Riester 2.0 durch – aber die echte Revolution bleibt aus

Ab 2027 gibt’s staatliche Zulagen für Aktiensparen. Klingt gut, doch Experten warnen: Ohne echte Aktienrente verpufft der Reform-Versuch. Deutschland verschläft weiter seine Vermögenszukunft.

Der Bundestag hat am Freitag das Altersvorsorgereformgesetz (AVReG) beschlossen – und damit die größte Umwälzung der privaten Altersvorsorge seit einem Vierteljahrhundert. Ab 2027 können Sparer mit dem sogenannten Altersvorsorgedepot staatlich gefördert in Aktien und ETFs investieren.

Die renditeschwache Riester-Ära, die vor allem Versicherungen und Berater reich gemacht hat, ist damit offiziell beendet. Sparern brachten die garantielastigen Riester-Verträge laut WirtschaftsWoche kaum Ertrag – zu hoch waren die Kosten, zu niedrig die Renditen.

Die neue Mechanik: Zulagen statt Garantien

Das Altersvorsorgedepot funktioniert nach einem simplen Prinzip: Wer fürs Alter spart, kassiert vom Staat üppige Zulagen. Die Garantiepflichten, die bei Riester-Verträgen die Rendite aufgefressen haben, fallen komplett weg.

Sparer entscheiden selbst, wie sie ihr Geld anlegen – ob in breit gestreute ETFs, Einzelaktien oder gemanagte Fonds. Besonders Geringverdiener sollen profitieren: Für sie fallen die Zulagen nach Angaben von t3n besonders hoch aus. Der Staat setzt damit auf Eigenverantwortung und Kapitalmarkt statt auf renditearme Garantieversprechen.

Der Haken: Hohe Kosten, fehlende Pflicht

Doch die Reform hat Schönheitsfehler. Der Kostendeckel liegt bei einem Prozent – viel zu hoch, wie die WirtschaftsWoche kritisiert. Das dürfte vor allem Berater freuen, die weiterhin kräftig an der Vermittlung verdienen. Gravierender noch: Das Depot ist freiwillig.

Es profitieren nur jene, die sich aktiv kümmern. Menschen ohne Kapitalmarkterfahrung bleiben außen vor – ausgerechnet die Gruppe, die staatliche Förderung am dringendsten bräuchte. Beim Thema Rente auf das Prinzip Hoffnung zu setzen, ist riskant.

Die verpasste Chance: Wo bleibt die Aktienrente?

Noch brisanter ist, was die Regierung nicht beschlossen hat. Eine echte Aktienrente nach norwegischem Vorbild – also ein staatlicher Kapitalfonds, der für alle Bürger investiert – wird es in dieser Legislaturperiode nicht geben. Ex-Vizekanzler Christian Lindners (FDP) Generationenkapital, das genau das leisten sollte, landete in der Behördenschublade. Dabei zeigt Norwegen, was möglich wäre: Der 1990 aufgelegte Staatsfonds verwaltet heute 1,8 Billionen Euro – rund 327.000 Euro pro Bürger. Deutschland?

Hat nichts Vergleichbares. Die Haushaltslage mag eine Neuauflage aktuell erschweren, doch irgendwann muss man anfangen. Ein staatlicher Kapitalfonds hätte einen entscheidenden Vorteil: Er erreicht jeden Bürger automatisch, ohne dass sich jemand aktiv drum kümmern muss.

Business Punk Check

Die Reform ist ein Fortschritt – keine Frage. Wer ab 2027 smart investiert und die Zulagen mitnimmt, kann deutlich mehr Rendite rausholen als mit Riester-Verträgen. Aber ehrlich: Das ist Kosmetik am Rentensystem, kein Kurswechsel. Solange die Politik keine Aktienrente mit Verpflichtungscharakter auflegt, bleibt Deutschland ein Land der Sparbuch-Nostalgiker.

Die SPD fabuliert lieber über Sozialabgaben auf Kapitalerträge – kontraproduktiv, wenn man Menschen zum Aktiensparen motivieren will. Unser Rat: Nutzt das Depot, wenn ihr könnt. Aber erwartet keine Wunder. Die echte Revolution – ein norwegisches Modell für alle – hat die Regierung mal wieder verschlafen. Deutschland wird kein Aktienland, solange Reformen nur freiwillig greifen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Ab 2027 können Sparer staatlich gefördert in Aktien und ETFs investieren. Anders als bei Riester-Verträgen gibt es keine Garantiepflichten mehr. Der Staat zahlt Zulagen, besonders für Geringverdiener. Sparer entscheiden selbst über die Anlage.

Lohnt sich das Altersvorsorgedepot?

Ja, wenn man die Zulagen mitnimmt und auf kostengünstige ETFs setzt. Der Kostendeckel von einem Prozent ist allerdings hoch – achte auf niedrige Verwaltungsgebühren. Besser als Riester, aber kein Selbstläufer.

Warum gibt es keine Aktienrente?

Die Regierung scheut milliardenschwere Investitionen für einen staatlichen Kapitalfonds. Ex-Finanzminister Lindners Generationenkapital wurde nicht umgesetzt. Haushaltslage und politischer Wille fehlen – dabei würde eine Aktienrente alle Bürger automatisch erreichen.

Was unterscheidet das Depot von Riester-Verträgen?

Riester-Verträge hatten Garantiepflichten, die Renditen auffraßen und vor allem Versicherungen reich machten. Das neue Depot setzt auf Kapitalmarkt ohne Garantien, dafür mit staatlichen Zulagen. Sparer können flexibler anlegen und profitieren von höheren Renditen.

Quellen: WirtschaftsWoche, WirtschaftsWoche, t3n

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