Finance & Freedom Der Abfindungs-Vergleich der CEOs: Bahnchef Lutz geht zum Spartarif

Der Abfindungs-Vergleich der CEOs: Bahnchef Lutz geht zum Spartarif

Während Porsche-Boss Wiedeking mit 50 Millionen Euro verabschiedet wurde, muss sich Bahnchef Richard Lutz mit kolportierten 2,4 – 2,8 Millionen begnügen. Ein Blick auf die Millionenabfindungen deutscher Topmanager.

Die Millionenabfindungen deutscher Konzernchefs folgen einer klaren Hierarchie: Ganz oben rangieren Autobauer und Versandriesen, am unteren Ende steht die Deutsche Bahn. Der scheidende Bahnchef Richard Lutz wird laut „Business Insider“ mit einer bescheidenen Abfindung zwischen 2,4 und 2,8 Millionen Euro rechnen können – eine Summe, die im Vergleich zu den Rekordhaltern der deutschen Wirtschaft geradezu bescheiden wirkt.

Während verspätete Züge und Serviceprobleme das Image der Bahn prägen, bleibt auch die Vergütung ihres Chefs weit hinter der Konkurrenz zurück.

Die Millionen-Hierarchie: Wo Bahnchef Lutz steht

Im Ranking der höchsten Abfindungen deutscher Topmanager findet sich Lutz am unteren Ende der Tabelle. Mit seinen durchschnittlich geschätzten 2,6 Millionen Euro bewegt er sich auf ähnlichem Niveau wie sein Vorgänger Rüdiger Grube, der 2017 mit 2,25 Millionen Euro verabschiedet wurde. Zum Vergleich: Porsche-Chef Wendelin Wiedeking erhielt 2009 die Rekordsumme von 50 Millionen Euro – das 18-fache dessen, was Lutz erwarten kann.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Während die Bahn bei Verspätungen Spitzenwerte erreicht, bleibt sie bei Abfindungen im unteren Mittelfeld. Auf Platz zwei der Abfindungs-Champions rangiert Frank Appel von der Deutschen Post mit 38,5 Millionen Euro, gefolgt von Klaus Esser (Mannesmann) mit 30 Millionen und Thomas Middelhoff (Bertelsmann) mit 25 Millionen Euro.

Der VW-Konzern: Großzügigkeit als Geschäftsmodell

Besonders freigiebig zeigt sich seit Jahren der Volkswagen-Konzern. Wie „all-electronics.de“ auflistet, zahlte VW 2015 insgesamt 41,1 Millionen Euro an vier ausscheidende Vorstände. Drei Jahre später wiederholte sich das Schauspiel mit 41,6 Millionen Euro für vier Vorstände, wobei Ex-CEO Matthias Müller mit 17,8 Millionen Euro den Löwenanteil erhielt.

Bemerkenswert ist der Fall Christine Hohmann-Dennhardt: Nach nur 13 Monaten als Vorstand bei VW erhielt sie laut „all-electronics.de“ neben einem Begrüßungsgeld von 6,3 Millionen und Aktivbezügen von 4,5 Millionen zusätzlich eine Abfindung von 7 Millionen Euro. Für ein Jahr Arbeit kassierte sie damit insgesamt 17,8 Millionen Euro – mehr als das Sechsfache dessen, was Bahnchef Lutz nach Jahren im Amt erwarten kann.

Familienzeit und Sabbaticals: Millionen fürs Nichtstun

Die Kreativität bei der Begründung von Millionenabfindungen kennt kaum Grenzen. Bayer-Chef Marijn Dekkers bat 2016 um vorzeitige Vertragsauflösung, „um mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen“. Der Aufsichtsrat honorierte diesen Wunsch mit 4,3 Millionen Euro Abfindung. Kurz darauf übernahm Dekkers den Aufsichtsratsvorsitz bei Unilever.

Noch lukrativer gestaltete sich der Abschied von SAP-Vorstand Bernd Leukert. Für seinen „einvernehmlichen“ Abgang 2019 erhielt er laut „all-electronics.de“ für drei aktive Monate 5 Millionen Euro plus 9,7 Millionen Euro Abfindung. Bereits wenige Monate später heuerte er als IT-Vorstand bei der Deutschen Bank an.

Warum Bahnchef Lutz vergleichsweise bescheiden abschneidet

Mit seinem Jahresgehalt von zuletzt rund 2,1 Millionen Euro liegt Richard Lutz im Mittelfeld deutscher Topmanager. Seine Abfindung orientiert sich an diesem Grundgehalt und bleibt damit weit hinter den Summen zurück, die in der Privatwirtschaft üblich sind. Während EnBW-Chef Andreas Schell 2024 mit 6,4 Millionen Euro verabschiedet wurde, muss sich Lutz mit weniger als der Hälfte begnügen.

Der Unterschied erklärt sich teilweise durch die Eigentümerstruktur: Als Staatskonzern steht die Deutsche Bahn unter besonderer öffentlicher Beobachtung. Übermäßige Abfindungen würden angesichts der Serviceprobleme und hohen Staatszuschüsse kaum auf Verständnis stoßen. Zudem gelten für staatliche Unternehmen oft strengere Vergütungsregeln als für börsennotierte Konzerne.

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