Finance & Freedom Fed-Poker: Die Märkte wetten auf September

Fed-Poker: Die Märkte wetten auf September

Jetzt kommen die Zahlen

Die eigentliche Entscheidung über die nächste Fed-Runde fällt ohnehin nicht auf dem Devisenparkett, sondern mit den kommenden US-Konjunkturdaten. Am 4. September steht der Arbeitsmarktbericht für August an, am 11. September folgen die Inflationszahlen. Vor allem die Kerninflation dürfte zum Stimmungstest werden. Fällt sie überraschend hoch aus, bekommt das Lager der Zinsfalken weiteren Rückenwind – und eine Erhöhung im September würde deutlich wahrscheinlicher.

Inflation könnte den Poker entscheiden

Ökonomen rechnen allerdings eher mit einer stabilen Kerninflation von rund 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat. Sollte sich diese Erwartung bestätigen und gleichzeitig der Arbeitsmarkt keine neue Überhitzung signalisieren, könnte die Fed im September noch einmal die Füße stillhalten. Einige Experten halten deshalb eine Zinspause für wahrscheinlicher und sehen den nächsten Schritt erst im Oktober. Genau diese Unsicherheit macht die kommenden Daten so explosiv: Schon kleine Abweichungen von den Erwartungen können Milliarden an den Aktien-, Anleihe- und Devisenmärkten bewegen.

Wall Street sitzt zwischen den Stühlen

Die aktuelle Marktlage passt perfekt zu diesem geldpolitischen Poker. Steigende Aktienkurse und fallende Anleiherenditen signalisieren zunächst Erleichterung. Gleichzeitig bleibt die Volatilität hoch, denn eine überraschend harte Fed könnte die Stimmung innerhalb weniger Stunden wieder drehen. Besonders genau beobachten Investoren deshalb die langlaufenden US-Staatsanleihen. Deren Renditen liegen derzeit bei rund 4,7 Prozent und sind damit eine Art Echtzeit-Seismograf für Inflationsängste, Wachstumserwartungen und die vermutete Richtung der Geldpolitik.

Drei Notenbanken, eine heiße Woche

Und die Fed spielt nicht allein. Neben den amerikanischen Wirtschaftsdaten stehen im September auch wichtige Entscheidungen anderer Zentralbanken an. Die EZB entscheidet am 10. September über ihren weiteren Kurs, die Bank of Japan folgt am 17. und 18. September. Damit treffen innerhalb weniger Tage drei der wichtigsten geldpolitischen Akteure der Welt auf dasselbe Problem: Die Inflation ist noch nicht vollständig erledigt, gleichzeitig wächst die Sorge, mit höheren Zinsen die Wirtschaft unnötig abzuwürgen.

Die Ruhe kann schnell vorbei sein

Für Anleger bedeutet das vor allem eines: Die aktuelle Rallye ist noch kein Freifahrtschein. Wer sich vor Arbeitsmarktbericht, Inflationszahlen und Zentralbankentscheidungen zu aggressiv positioniert, wettet auf Ereignisse, bei denen schon wenige Zehntelprozentpunkte die komplette Marktstory verändern können. Die vergangenen Tage haben gezeigt, wie schnell aus Panik Erleichterung werden kann. Die kommenden könnten zeigen, wie schnell das Ganze auch wieder in die andere Richtung funktioniert.

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