Finance & Freedom Flucht vor der KI: Milliardäre setzen auf Sport

Flucht vor der KI: Milliardäre setzen auf Sport

Milliardäre reißen sich um Lakers, Seahawks, Yankees und Co. und treiben die Bewertungen in absurde Höhen. Dahinter steckt eine neue Wette: Während KI ganze Branchen umkrempelt, könnte echter Sport erstaunlich unkaputtbar bleiben.

Sportteams waren schon immer Trophäen für Superreiche. Jetzt werden sie zusätzlich zum Hedge gegen eine Zukunft, in der niemand weiß, welche Geschäftsmodelle künstliche Intelligenz als Nächstes zerlegt.

Sport als KI-Schutzschild

KI kann Software entwerten, Jobs automatisieren und Medienproduktionen verändern. Dass sie die Lakers, Yankees oder den FC Liverpool überflüssig macht, ist deutlich schwerer vorstellbar. Investmentbanker Sal Galatioto würde eher darauf wetten, dass es die Yankees in 100 Jahren noch gibt, als IBM. Der Grund: Clubs besitzen Geschichte, Fans und Rivalitäten, die sich nicht per Prompt reproduzieren lassen. Dazu kommt extreme Knappheit. Große Teams sind wie seltene Kunstwerke – nur mit Millionen Fans.

Milliarden für etwas, das bleibt

Wie heiß die Wette ist, zeigen die Preise. Die Los Angeles Lakers werden bei einem geplanten Kontrollwechsel mit 12,5 Milliarden Dollar bewertet, die Seattle Seahawks mit rund 9,6 Milliarden. Die San Diego Padres gingen für 3,9 Milliarden Dollar über den Tisch, Minnesota Timberwolves und Lynx für 4,5 Milliarden. Apollo Global Management investierte zudem 2,6 Milliarden Dollar in eine Minderheitsbeteiligung an den Yankees. Auch Private Equity mischt immer stärker mit. Die Rechnung: Selbst wenn die laufende Rendite überschaubar bleibt, könnte der nächste Milliardär später noch mehr bezahlen.

Live-Sport ist das Anti-Netflix

Ein zentraler Werttreiber sind Medienrechte. Serien kann man morgen schauen, ein Finale nicht wirklich. Live-Sport bündelt Millionen Zuschauer gleichzeitig und bleibt damit für Werbung extrem wertvoll. Amazon, Apple, Netflix und andere Streaminganbieter verschärfen den Wettbewerb um Rechte zusätzlich. Für Clubbesitzer ist dabei zweitrangig, über welche Technologie Spiele künftig laufen. Wer den begehrten Inhalt besitzt, sitzt am längeren Hebel.

KI kann Highlights, aber kein Finale

KI kann Statistiken analysieren, Zusammenfassungen produzieren, Werbung personalisieren und virtuelle Sportwelten erschaffen. Was sie nicht einfach kopieren kann, ist die Bedeutung eines realen Finals mit offenem Ausgang. Fans hängen an Städten, Familiengeschichten, Stadien und Rivalitäten. Sport ist deshalb mehr als Content: Er ist Zugehörigkeit. KI könnte das Geschäft sogar profitabler machen, ohne das Kernprodukt zu ersetzen.

Die Wette auf den nächsten Milliardär

AI-proof bedeutet trotzdem nicht risikofrei. Medienmärkte können schwächeln, Zuschauergewohnheiten kippen und astronomische Bewertungen können sich als überzogen erweisen. Ein Teil des Booms basiert auf der Hoffnung, dass später jemand noch mehr bezahlt. Doch Sport besitzt etwas, das im KI-Zeitalter besonders wertvoll wird: Knappheit, Tradition und echte Ereignisse. Die Milliardenwette dahinter ist simpel: Wenn Maschinen immer mehr produzieren können, steigt möglicherweise der Wert dessen, was sich nicht einfach generieren lässt.

Der Milliardenrausch ist längst da

Wie heiß der Markt geworden ist, zeigen die jüngsten Deals:

  • Bob Iger und der Risikokapitalinvestor Josh Kushner vereinbarten den Kauf einer kontrollierenden Beteiligung an den Los Angeles Lakers. Die Bewertung liegt bei rekordverdächtigen 12,5 Milliarden Dollar; die Transaktion benötigt noch die Zustimmung der NBA.cnn+1
  • Die Seattle Seahawks wurden mit rund 9,6 Milliarden Dollar bewertet. Damit wäre der Deal einer der größten Verkäufe in der Geschichte des US-Sports.spglobal+1
  • Die MLB genehmigte den 3,9 Milliarden Dollar schweren Verkauf der San Diego Padres an Clearlake-Capital-Mitgründer José E. Feliciano und seine Ehefrau Kwanza Jones.cnn+1
  • Die Minnesota Timberwolves und die WNBA-Mannschaft Minnesota Lynx wechselten in einem Geschäft mit einer Bewertung von 4,5 Milliarden Dollar den Besitzer.cnn
  • Apollo Global Management investierte 2,6 Milliarden Dollar für eine Minderheitsbeteiligung an den Yankees.cnn
  • Ein von Jeff Bezos unterstütztes Konsortium erwarb rund 38 Prozent des FC Liverpool. Der Deal bewertet den Club Berichten zufolge mit etwa 5 bis 6 Milliarden Pfund. Das Konsortium besitzt zudem eine Option, innerhalb der nächsten zwölf Monate eine Mehrheitsbeteiligung zu erwerben.bbc+1

Zum Vergleich: Hedgefondsmanager Steve Cohen zahlte 2020 noch 2,4 Milliarden Dollar für die New York Mets.

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