Finance & Freedom Frühstart-Rente: Zehn Euro vom Staat für Kinderdepots & ein großer Haken

Frühstart-Rente: Zehn Euro vom Staat für Kinderdepots & ein großer Haken

Ab 2027 zahlt der Bund monatlich zehn Euro in Kinderdepots. Klingt gut, doch die Frühstart-Rente birgt Fallstricke: Standardprodukte, Kostenfallen und eine Auszahlung erst mit 65.

Das Bundesfinanzministerium hat den Gesetzentwurf zur Frühstart-Rente vorgelegt. Ab Januar 2027 fließen monatlich zehn Euro vom Staat in ein Altersvorsorgedepot für Kinder zwischen sechs und 17 Jahren. Das Kabinett soll laut Table am 12.

August darüber entscheiden. Was nach staatlicher Großzügigkeit klingt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als bürokratisches Konstrukt mit eingeschränkter Flexibilität. Denn das Geld landet nicht einfach auf einem Konto, sondern wird langfristig am Kapitalmarkt gebunden – mit strikten Regeln und ohne Garantie auf Rendite.

Wer profitiert und wer nicht

Anspruchsberechtigt sind Kinder ab sechs Jahren mit erstem Wohnsitz in Deutschland. Der Staat zahlt 120 Euro jährlich, bis das Kind 18 wird. Doch nicht alle Jahrgänge starten gleichzeitig: Zunächst profitieren nur 2020 geborene Kinder. Für ältere Minderjährige können Eltern zwar Verträge abschließen, erhalten aber keine staatliche Förderung.

Ab 2027 wird die Förderung schrittweise auf weitere Jahrgänge ausgeweitet. Wer keinen individuellen Vertrag abschließt, verliert die Förderung nicht: Der Bund legt das Geld kollektiv am Kapitalmarkt an, verwaltet von der Deutschen Bundesbank. Das angesparte Kapital kann später auf ein privates Depot übertragen werden – allerdings nur bis zum 25. Lebensjahr.

Standarddepots mit Kostendeckel

Eltern können für ihre Kinder sogenannte Standarddepot-Verträge bei Banken oder Versicherungen abschließen. Diese Produkte unterliegen einem Effektivkostendeckel von einem Prozent. Abschluss- und Vertriebskosten sind bis zur Volljährigkeit verboten. Das soll verhindern, dass Provisionen die kleine staatliche Förderung auffressen.

Doch genau hier liegt das Problem: Ohne Vertriebskosten fehlt der Anreiz für Anbieter, aktiv zu beraten. Dr. Peter Schwark vom Deutschen Institut für Altersvorsorge warnt laut Asscompact, dass Kleinstverträge mit zehn Euro monatlich für viele Anbieter wirtschaftlich unattraktiv seien. Familien können zwar zusätzlich einzahlen, bis zu 6.840 Euro pro Jahr. Doch ohne nennenswerte Zuzahlungen bleibt der Vertrag ein Minimalprodukt.

Langfristige Bindung ohne Flexibilität

Das angesparte Vermögen ist strikt für die Altersvorsorge reserviert. Eine Auszahlung vor dem 65. Lebensjahr ist ausgeschlossen. Weder Studium noch Führerschein oder Immobilienkauf rechtfertigen einen vorzeitigen Zugriff. Auch ein Verkauf bei schlechten Börsenkursen ist nicht vorgesehen.

Die Erträge bleiben während der Ansparphase steuerfrei, werden aber später nach den Regeln für geförderte Altersvorsorgeverträge besteuert. Für 2027 rechnet das Finanzministerium mit Ausgaben von 198 Millionen Euro, für 2030 bereits mit 411 Millionen Euro. Rund 500.000 Kinder sollen jährlich einen individuellen Vertrag erhalten, für die übrigen legt der Bund kollektiv an.

Business Punk Check

Die Frühstart-Rente ist ein Experiment mit offenem Ausgang. Zehn Euro monatlich klingen nach staatlicher Fürsorge, doch die Realität ist ernüchternd: Ohne massive Zuzahlungen entsteht kein nennenswertes Vermögen. Selbst bei optimistischer Kapitalmarktentwicklung reicht die staatliche Förderung allein nicht für eine solide Altersvorsorge. Der Zinseszinseffekt wirkt nur, wenn Eltern oder Großeltern regelmäßig aufstocken – und das über Jahrzehnte. Jörg Asmussen vom GDV bringt es auf den Punkt: Erst mit zusätzlichen 20 Euro monatlich wird die Frühstart-Rente wirklich stark. Das größere Problem liegt im System selbst. Die Beschränkung auf Standarddepots schränkt die Produktvielfalt ein.

Der Kostendeckel von einem Prozent mag verbraucherfreundlich klingen, macht die Verträge für Anbieter aber unattraktiv. Ohne aktive Beratung werden viele Familien gar nicht erst einen Vertrag abschließen. Dann landet das Geld in der kollektiven Bundesanlage – und wird möglicherweise nie abgerufen, weil die Frist bis zum 25. Lebensjahr verstreicht. Die unbequeme Wahrheit: Die Frühstart-Rente ist kein Selbstläufer. Sie funktioniert nur, wenn Eltern frühzeitig einsteigen, kontinuierlich einzahlen und die Kosten im Blick behalten. Wer darauf hofft, dass der Staat die Altersvorsorge der Kinder regelt, wird enttäuscht. Die zehn Euro sind ein Anreiz, kein Ersatz für eigenverantwortliches Handeln. Und genau das verschweigen die meisten Pressemitteilungen.

Quellen: T Online, Asscompact, Table

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