Finance & Freedom Girocard-Rekord: Wie die EC-Karte zur Kreditkarten-Konkurrenz wird

Girocard-Rekord: Wie die EC-Karte zur Kreditkarten-Konkurrenz wird

4,21 Milliarden Zahlungen, 92 Prozent kontaktlos: Die Girocard verdrängt Bargeld und will 2027 sogar Kreditkarten bei Mietwagen und Hotels ersetzen.

Wer heute an der Bäckereitheke seine Karte zückt, zahlt mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem Produkt, das viele noch „EC-Karte“ nennen, obwohl dieser Begriff seit Jahren technisch überholt ist. Die Girocard hat im ersten Halbjahr einen neuen Höchstwert erreicht und drängt Bargeld an deutschen Ladenkassen weiter in die Defensive.

Der eigentliche Umbruch liegt jedoch nicht in der reinen Nutzungszahl, sondern darin, wo sich die Karte künftig gegen Kreditkarten positionieren will.

Rekordwerte bei Transaktionen und Kontaktloszahlungen

Rund 4,21 Milliarden Mal griffen Verbraucherinnen und Verbraucher im ersten Halbjahr zur Girocard, ein Plus von vier Prozent gegenüber dem bisherigen Höchstwert aus dem Vorjahreszeitraum, wie Euro Kartensysteme mitteilte. Im Gesamtjahr 2025 waren es 8,3 Milliarden Transaktionen, so heise. Der Umsatz stieg auf 151,9 Mrd. Euro nach 150,7 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum.

Besonders auffällig: Im Juni liefen 92 Prozent aller Bezahlvorgänge kontaktlos, viele davon über Smartphone oder Smartwatch statt Plastikkarte. Der Durchschnittsbetrag pro Transaktion sank derweil auf 36,12 Euro, ein Indiz dafür, dass die Karte zunehmend auch bei Kleinbeträgen am Kiosk oder Automaten zum Einsatz kommt, wie WirtschaftsWoche berichtet. Diese Verschiebung zu Kleinbeträgen zeigt, dass die Girocard nicht mehr nur für den Wocheneinkauf, sondern für den gesamten Alltag von der Bäckerei bis zum Zeitungskiosk zur Standardoption geworden ist.

Neue Funktionen sollen die Karte 2027 aufwerten

Der eigentliche Aha-Moment liegt im Ausblick, nicht in der Rückschau. Voraussichtlich ab Frühjahr 2027 sollen In-App-Zahlungen möglich werden, also die Nutzung der Girocard direkt in Händler-Apps statt nur an physischen Terminals. Das würde eine technische Lücke schließen, in der bislang fast ausschließlich Kreditkarten und Wallet-Lösungen dominierten.

Zusätzlich ist für kommendes Jahr geplant, dass die Girocard anstelle einer Kreditkarte für Mietwagenbuchungen oder Hotelreservierungen genutzt werden kann, sagte Christopher Kirsch, Direktor Produktentwicklung Girocard bei Euro Kartensysteme, laut heise. Beide Schritte zielen auf Bereiche, in denen die Girocard bisher strukturell benachteiligt war, weil Anbieter eine Kreditkarten-Garantie voraussetzten. Bislang scheiterte die Girocard im Reisegeschäft vor allem daran, dass Vermieter und Hotels eine Sicherheitshinterlegung verlangten, wie sie nur Kreditkarten bieten konnten. Gelingt der Umbau, würde die Girocard erstmals ernsthaft in ein Segment vorstoßen, das lange als Domäne von Visa und Mastercard galt.

Bargeld verliert an Terrain, aber nicht an Bedeutung

Mit fast 1,4 Millionen Bezahlterminals im deutschen Einzelhandel und rund 100 Millionen im Umlauf befindlichen Karten ist die Infrastruktur längst flächendeckend. Das bedeutet nicht automatisch das Ende des Bargelds, wohl aber eine Verschiebung der Gewohnheiten hin zu kleineren, alltäglichen Kartenzahlungen.

Für Handel und Banken ist das relevant, weil jede zusätzliche Funktion die Girocard tiefer in Bereiche trägt, die bisher Kreditkartenanbietern vorbehalten waren, etwa im Reise- und Mietwagengeschäft. Die Integration in digitale Geldbörsen auf dem Smartphone dürfte diesen Trend weiter beschleunigen, da Nutzer ihre Karte gar nicht mehr physisch mitführen müssen, um kontaktlos zu bezahlen. Wie stark sich das auf Gebührenmodelle und Marktanteile auswirkt, bleibt bei aktuellem Datenstand offen.

Business Punk Check

Fakt ist: Die Zahlen von Euro Kartensysteme belegen einen klaren Nutzungstrend hin zu kontaktlosem Bezahlen. Fakt ist auch, dass In-App-Zahlungen und die Mietwagen-Funktion bislang angekündigte, aber nicht umgesetzte Maßnahmen sind.

Ob die Girocard damit tatsächlich Kreditkarten im margenstarken Reisesegment verdrängt, ist eine offene Frage, die von der Kooperationsbereitschaft internationaler Anbieter abhängt. Spannend wird, ob deutsche Nutzer eine Karte, die sie lange als reines Inlandsprodukt kannten, künftig auch im Ausland als echte Alternative wahrnehmen.

Auf einen Blick

  • Die Girocard erreichte im ersten Halbjahr mit 4,21 Milliarden Transaktionen einen neuen Rekordwert, vier Prozent über dem Vorjahreswert.
  • Im Juni liefen 92 Prozent aller Bezahlvorgänge mit der Girocard kontaktlos, oft über Smartphone oder Smartwatch.
  • Ab voraussichtlich Frühjahr 2027 sollen In-App-Zahlungen mit der Girocard möglich werden.
  • Für 2027 ist zudem geplant, die Girocard anstelle einer Kreditkarte bei Mietwagen- und Hotelbuchungen einsetzbar zu machen.
  • Der Durchschnittsbetrag pro Girocard-Zahlung sank auf 36,12 Euro, ein Zeichen für die zunehmende Nutzung bei Kleinbeträgen.

Quellen: heise, WirtschaftsWoche, Spiegel, KI-unterstützt

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