Finance & Freedom Musk macht die Bank platt: Wie X plötzlich zum Geldautomaten des Internets wird

Musk macht die Bank platt: Wie X plötzlich zum Geldautomaten des Internets wird

Was wie eine harmlose Bezahl-App klingt, könnte der nächste große Musk-Move sein. Mit X-Money will der Tech-Unternehmer Geld so einfach verschicken wie eine Nachricht – und damit Banken, Kontonummern und IBANs gleich mit entsorgen.

Elon Musk baut keine Produkte, er baut Systeme. Deshalb lohnt es sich, bei seiner neuesten Idee einen Moment länger hinzuschauen. Sie heißt X-Money, klingt zunächst erstaunlich unspektakulär und liest sich in der Kurzbeschreibung fast wie jede andere Fintech-Ankündigung: eine digitale Wallet, also eine Geldbörse auf dem Smartphone, mit der man Geld verschicken, empfangen und bezahlen kann. Große Kreditkartenanbieter sind bereits als Partner an Bord, Lizenzen in mehr als 40 US-Bundesstaaten liegen vor, und intern läuft das Ganze schon als groß angelegter Praxistest.

Alles sieht also erst einmal nach einer weiteren Bezahl-App aus. Bis man versteht, dass Musk vermutlich gerade etwas deutlich Größeres baut. Die Idee hinter X-Money geht so: Geld soll sich so leicht verschicken lassen wie eine Direktnachricht auf X. Ein Klick – das Abendessen ist bezahlt. Ein Klick – der Handwerker hat sein Honorar. Ein Klick – Geld ist unterwegs. Das eigene Profil auf Musks Plattform wird dabei zur finanziellen Identität. Damit könnte vieles verschwinden, was wir heute noch für selbstverständlich halten: Kontonummern, IBANs, die klassische Bankverbindung. Die Bankfiliale steht dann nicht mehr in der Innenstadt, sondern mitten auf dem digitalen Marktplatz, auf dem ohnehin schon alle miteinander reden.

Dass ausgerechnet Musk so etwas baut, ist alles andere als überraschend. Lange bevor er Elektroautos massentauglich machte oder Raketen punktgenau wieder auf der Erde landen ließ, gründete er X.com, eine der ersten Onlinebanken überhaupt. Daraus entstand später PayPal. Man könnte also sagen: Musk kehrt gerade zu seinem Ursprung zurück nur mit ganz anderen Möglichkeiten. Denn diesmal baut er nicht nur ein Finanzprodukt, sondern nutzt eine Infrastruktur, in der sich bereits hunderte Millionen Menschen täglich bewegen.

Und genau darin steckt der eigentliche Trick. Banken besitzen Geld. Musk besitzt Aufmerksamkeit – und Geld. Sein Netzwerk funktioniert längst wie eine riesige digitale Stadt: laut, chaotisch, voller Meinungen, voller Konflikte, aber eben auch voller Menschen. Wenn durch diese Stadt plötzlich auch Geld fließen kann, verwandelt sich eine Timeline in eine Handelsstraße, einen Boulevard, auf dem nicht nur Gedanken und Kommentare unterwegs sind, sondern auch Transaktionen, Geschäfte und irgendwann Milliarden.

Viele haben Musk ausgelacht, als er Twitter für 44 Milliarden Dollar kaufte. Das war verfrüht. Denn je klarer sich Musks Strategie abzeichnet, desto mehr wirkt dieser Kauf nicht wie der Erwerb eines Medienunternehmens und eher wie der Rohbau für etwas ganz anderes: eine globale Finanzarchitektur, die zufällig auch eine Diskussionsplattform ist.

Ob das funktioniert, weiß heute natürlich niemand. Aber wenn Musk eines immer wieder gezeigt hat, dann dies: Dass er eine fast unheimliche Begabung dafür besitzt, Dinge zu bauen, die im ersten Moment wie Science-Fiction wirken und ein paar Jahre später plötzlich Alltag sind.

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