Finance & Freedom Revolut demokratisiert Private Equity: ab einem Euro ist jeder dabei

Revolut demokratisiert Private Equity: ab einem Euro ist jeder dabei

Die Neobank öffnet institutionelle Anlageklassen für die Masse: Private Equity, Infrastructure, Credit, früher nur Millionären zugänglich, jetzt ab 1 Euro. Drei Vermögensverwalter mit 2,2 Billionen Dollar unter Verwaltung machen mit.

Willkommen in der Welt, in der jeder Kleinstanleger sich wie ein institutioneller Investor fühlen darf, für den Preis eines Coffee-to-go. Revolut macht ernst und öffnet, ab sofort den Zugang zu Private-Markets-Anlagen für seine Kunden in 21 europäischen Ländern, darunter Deutschland und Österreich. Mindestbetrag: ein Euro. Zum Vergleich: Bisher waren für solche Investments locker sechsstellige Summen fällig.

Die Neobank kooperiert dafür mit den Schwergewichten Apollo, Hamilton Lane und Partners Group – Vermögensverwalter, die zusammen über 2,2 Billionen Dollar verwalten, wie Handelsblatt berichtet. Das Angebot umfasst Private Equity, Private Credit und Infrastructure-Fonds. Alles verpackt in sogenannten ELTIF-2.0-Strukturen, dem neuen EU-Regulierungsrahmen, der institutionelle Anlageklassen erstmals für Privatanleger zugänglich macht.

ELTIF 2.0 als Türöffner – oder Trojanisches Pferd?

„Historisch waren Private Markets nur einer sehr exklusiven Gruppe vorbehalten, oftmals mit Mindestbeträgen von über 100.000 Euro“, erklärt Rolandas Juteika, Head of Wealth and Trading bei Revolut, gegenüber Trending Topics. Die neue ELTIF-Regulierung schaffe erstmals einen strukturierten Rahmen.

Was Juteika als „strukturellen Wandel, der von Regulierung getrieben ist“ feiert, könnte für unerfahrene Anleger zur Kostenfalle werden. Denn die Gebührenstruktur hat es in sich: Jährliche Verwaltungsgebühren zwischen 1,5 und 2,5 Prozent, Gesamtkosten von 2,0 bis 2,8 Prozent pro Jahr plus Performance-Fees. Zum Vergleich: Passive ETFs kosten 0,10 bis 0,50 Prozent. Revolut selbst erhebt zwar keine zusätzlichen Plattformgebühren, aber die Fondskosten fressen ordentlich an der Rendite.

Liquidität? Quartalsweise, wenn überhaupt

Der Haken an Private Markets: Die Anlagen sind illiquide. Rücknahmen sind in der Regel quartalsweise möglich und auch dann nur begrenzt auf 2 bis 5 Prozent des Fondsvermögens. „In extremen Marktstressphasen hat der Fondsmanager die regulatorische Befugnis, Rücknahmen vorübergehend vollständig auszusetzen“, so Juteika. Sprich: Wer sein Geld braucht, könnte leer ausgehen.

Immerhin: Revolut hat Schutzmechanismen eingebaut. Kunden müssen vor dem ersten Investment eine Eignungsprüfung absolvieren. Wer durchfällt, wird technisch ausgesperrt. Zusätzlich gibt es eine 14-tägige Bedenkzeit, in der Orders storniert werden können. In der App werden Lock-up-Zeiträume und Verkaufsfrequenzen explizit angezeigt.

Quellen: Handelsblatt, Trending Topics

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