Finance & Freedom ETF-Risiko S&P 500: 41 Prozent stecken in nur zehn Aktien – die Alternativen

ETF-Risiko S&P 500: 41 Prozent stecken in nur zehn Aktien – die Alternativen

Goldman Sachs rechnet vor: Wer einen S&P-500-ETF kauft, investiert zu 41 Prozent in zehn Konzerne. NVIDIA allein macht 8 Prozent aus. Das ist keine Streuung – das ist eine Wette auf KI-Hype.

Goldman Sachs rechnet vor: Wer einen S&P-500-ETF kauft, investiert zu 41 Prozent in zehn Konzerne. NVIDIA allein macht 8 Prozent aus. Das ist keine Streuung – das ist eine Wette auf KI-Hype.

Der S&P 500 gilt als Synonym für breite Streuung. 500 Unternehmen, kein Klumpenrisiko, maximale Diversifikation. Nur stimmt das längst nicht mehr. Wer heute einen klassischen S&P-500-ETF kauft, steckt 41 Prozent seines Kapitals in die zehn größten Titel.

NVIDIA macht derzeit rund 6–7 Prozent des S&P 500 aus – zeitweise lag der Anteil etwas höher. Das ist keine Diversifikation, sondern eine konzentrierte Spekulation auf künstliche Intelligenz. Goldman Sachs hat die Zahlen vorgelegt – und sie entlarven ein Märchen, an das Millionen Anleger noch immer glauben.

Wenn 85 Prozent der Rally von Tech kommen

Der S&P 500 legte 2026 bisher um 10 Prozent zu. Klingt nach breiter Marktstärke. Ist es aber nicht. Laut Boerse Am Sonntag stammen 85 Prozent dieses Gewinns aus Technologieaktien. Ohne Tech liegt der Index bei mageren 3 Prozent Plus.

NVIDIA allein steuerte 20 Prozent zum Gesamtgewinn bei. Goldman-Stratege Ben Snider beschreibt den Markt als von einem einzigen Thema beherrscht: KI-Euphorie trifft auf Momentum-Trading. Das Momentum-Faktor-Modell der Bank ist in drei Monaten um 25 Prozent gestiegen – einer der schärfsten Anstiege überhaupt. Der Markt läuft nicht breit. Er läuft auf wenigen Schultern, und die tragen alle das gleiche Logo.

Das versteckte KI-Risiko im ETF-Depot

Wer einen marktgewichteten S&P-500-ETF hält, ist faktisch ein KI-Investor. Ob gewollt oder nicht. NVIDIA, Microsoft, Meta, Alphabet, Amazon – die Tech-Schwergewichte haben ein Gewicht erreicht, das klassische Indexfonds zu thematischen Wetten macht. Neutrales Markt-Exposure? Fehlanzeige. Goldman verweist auf historische Parallelen: 1998, 1999, 2015, 2021 – immer wenn Marktführerschaft so eng wurde und Momentum so stark anzog, folgten erhöhte Volatilität und schwächere Renditen.

Kein Naturgesetz, aber ein Muster, das man kennen sollte. Diesmal sei es anders, heißt es. Die Rally werde durch echtes Gewinnwachstum gestützt, nicht nur durch Bewertungsexpansion. Die Gewinnschätzungen für 2026 und 2027 wurden jeweils um 8 Prozent nach oben revidiert. Aber auch hier: Die Revisionen konzentrieren sich auf KI-Infrastruktur und Energieproduzenten. Der Rest des S&P 500? Gewinnschätzungen für 2027 praktisch unverändert.

Defensive Sektoren als Gegenpol

Goldman liefert Handlungsoptionen. Basiskonsumgüter korrelieren am wenigsten mit dem KI-Handel. Gesundheit und Immobilien zeigen ebenfalls geringe Überschneidungen. Wer ETFs auf diese Sektoren hält, schwächt das Momentum-Risiko ab. Die Bank hat zudem ein Portfolio mit Titeln veröffentlicht, die positive Gewinnrevisionen aufweisen, aber geringe KI-Abhängigkeit zeigen: Eli Lilly, Reddit, Newmont, Archer-Daniels-Midland, Casey’s General Stores. Keine typischen Tech-Titel, operatives Wachstum unabhängig von KI-Investitionszyklen.

Für stark in Momentum-Titeln Engagierte empfiehlt Goldman Umschichtungen in niedrig bewertete, zurückgebliebene Aktien. Historisch schnitten diese bei Stimmungsumschwüngen deutlich besser ab. Goldman Sachs hat sein Jahresziel für den S&P 500 zuletzt auf rund 6.000 Punkte angehoben; der Index stand zum Zeitpunkt der Analyse etwas darunter. Das Aufwärtspotenzial ist begrenzt. Wenig Spielraum für einen Markt, der bereits viel Vorschusslorbeeren kassiert hat.

Schwellenländer-ETFs: Die Tech-Falle 2.0

Wer glaubt, mit Schwellenländer-ETFs die Tech-Lastigkeit zu reduzieren, irrt. Der klassische MSCI Emerging Markets ist längst kein Rohstoff- und Banken-Index mehr. Im Xtrackers MSCI Emerging Markets machen Technologieaktien 25 Prozent aus, beim iShares Core MSCI Emerging Markets 24 Prozent. Der Technologiesektor wird für über 45 Prozent des Gewinnwachstums im MSCI Emerging Markets verantwortlich sein. TSMC, Samsung, Alibaba, Tencent – alles Tech-Schwergewichte.

China, Taiwan, Südkorea repräsentieren zusammen 60 Prozent des Index. Klassische Schwellenländer aus Lateinamerika, Afrika oder Osteuropa? Randnotiz. Für Anleger mit hohem Tech-Anteil bedeutet eine Anlage in den MSCI Emerging Markets kein Gegengewicht, sondern verstärktes Klumpenrisiko. TSMC ist eng verknüpft mit Apple, AMD, Nvidia. Samsung liefert an westliche Techkonzerne. Die Wertschöpfungsketten sind global vernetzt – die vermeintliche Diversifikation ist eine Illusion.

Drei Alternativen mit echtem Gegenpol

Der L&G Emerging Markets Quality Dividends Equal Weight setzt auf Unternehmen mit nachhaltigem Dividendenwachstum und hoher Qualität. Alle Positionen werden nahezu gleich gewichtet, die Dominanz einzelner Tech-Giganten entfällt. Technologieanteil: 14 Prozent. Dafür spielen Finanzwerte, Industrie und Konsumgüter eine größere Rolle. Die geografische Streuung ist ausgewogener, Indien und Brasilien rücken stärker in den Fokus. Der SPDR MSCI Emerging Markets Small Cap investiert in kleinere Unternehmen, die stärker auf lokale Märkte ausgerichtet sind.

Portfolio: nahezu 2000 Positionen. Technologieanteil: 15 Prozent. Industrie, zyklische Konsumgüter und Grundstoffe dominieren. Regionale Verteilung breiter, China-Anteil geringer, Indien, Brasilien, Südafrika, Indonesien stärker vertreten. Die Performance zeigt geringere Korrelation zu großen Techwerten. Der iShares Edge MSCI EM Minimum Volatility investiert in Aktien mit stabilen Kursverläufen. Finanzen, Basiskonsum und Versorger sind stark vertreten, Technologie spielt mit 19 Prozent eine geringere Rolle. China ist mit 25 Prozent präsent, aber nicht übermächtig. In turbulenten Marktphasen verlor dieser ETF weniger als der breite Markt, in Aufwärtsphasen lieferte er solide Renditen.

Business Punk Check

Goldman Sachs liefert die unbequeme Wahrheit: Der S&P 500 ist keine breite Streuung mehr, sondern eine KI-Wette mit Index-Etikett. Rund ein Drittel bis knapp 40 Prozent in zehn Titeln, NVIDIA allein 6–7 Prozent – das ist Klumpenrisiko pur. Und wer glaubt, mit Schwellenländer-ETFs gegenzusteuern, kauft sich die gleiche Tech-Lastigkeit in grün. TSMC, Samsung, Alibaba – alles Tech, alles vernetzt, alles abhängig von den gleichen Investitionszyklen. Die vermeintliche Diversifikation ist eine Illusion, die Millionen Anleger teuer bezahlen könnten, sobald der KI-Hype kippt.

Historische Muster zeigen: Enge Marktführerschaft endet in Volatilität. 1998, 1999, 2015, 2021 – immer das gleiche Spiel. Diesmal sei es anders, heißt es. Die Gewinne seien real. Stimmt. Aber sie konzentrieren sich auf KI-Infrastruktur und Energieproduzenten.

Der Rest des S&P 500? Gewinnschätzungen unverändert. Was folgt daraus? Wer jetzt nicht gegensteuert, sitzt auf einer thematischen Bombe. Defensive Sektoren, Equal-Weight-ETFs, Small Caps – es gibt Alternativen. Aber man muss sie auch nutzen. Goldmans Kursziel von rund 6.000 Punkten lässt kaum Spielraum für einen Markt, der bereits Vorschusslorbeeren ohne Ende kassiert hat. Die eigentliche Frage ist nicht, ob die Korrektur kommt. Sondern wann – und ob man dann vorbereitet ist.

Hinweis: Dieser Artikel ist keine Anlageempfehlung.

Wie reduziere ich das Tech-Risiko in meinem S&P-500-ETF?

Ergänze defensive Sektoren wie Basiskonsumgüter, Gesundheit oder Immobilien. Diese korrelieren kaum mit dem KI-Handel. Goldman empfiehlt zudem Titel mit positiven Gewinnrevisionen, aber geringer KI-Abhängigkeit – etwa Eli Lilly, Newmont oder Casey’s General Stores. Alternativ: Umschichtung in niedrig bewertete, zurückgebliebene Aktien, die bei Stimmungsumschwüngen historisch besser abschneiden.

Sind Schwellenländer-ETFs eine echte Alternative zur Tech-Lastigkeit?

Nein. Klassische Schwellenländer-ETFs wie der MSCI Emerging Markets sind zu 24-25 Prozent in Technologie investiert. TSMC, Samsung, Alibaba, Tencent dominieren den Index. China, Taiwan, Südkorea machen 60 Prozent aus. Wer Tech-Risiko reduzieren will, braucht Alternativen wie den L&G Emerging Markets Quality Dividends Equal Weight (14 Prozent Tech) oder den SPDR MSCI Emerging Markets Small Cap (15 Prozent Tech).

Welche Schwellenländer-ETFs bieten echte Diversifikation?

Der L&G Emerging Markets Quality Dividends Equal Weight gewichtet alle Positionen gleich und senkt den Tech-Anteil auf 14 Prozent. Der SPDR MSCI Emerging Markets Small Cap investiert in knapp 2000 kleinere Unternehmen mit lokalem Fokus, Tech-Anteil 15 Prozent. Der iShares Edge MSCI EM Minimum Volatility setzt auf stabile Kursverläufe, Tech-Anteil 19 Prozent, dafür mehr Finanzen und Basiskonsum.

Was bedeutet Goldmans Kursziel von 7.600 Punkten für Anleger?

Der Index stand zum Zeitpunkt der Analyse etwas unter dem Goldman-Kursziel von rund 6.000 Punkten. Das Aufwärtspotenzial ist begrenzt. Das ist wenig Spielraum für einen Markt, der bereits stark gelaufen ist. Goldman warnt vor historischen Mustern: Enge Marktführerschaft und starkes Momentum führten 1998, 1999, 2015 und 2021 zu erhöhter Volatilität und schwächeren Renditen. Wer stark in Momentum-Titeln engagiert ist, sollte Gegenpositionen aufbauen.

Wie hoch ist das KI-Risiko in meinem ETF-Depot wirklich?

Wer einen marktgewichteten S&P-500-ETF hält, ist zu 41 Prozent in die zehn größten Titel investiert. NVIDIA macht allein rund 6–7 Prozent aus. 85 Prozent der bisherigen Jahresgewinne stammen aus Technologieaktien. Ohne Tech liegt der S&P 500 bei 3 Prozent Plus. Das ist kein neutrales Markt-Exposure mehr, sondern eine konzentrierte Wette auf KI. Wer das nicht will, muss aktiv gegensteuern.

Quellen: Boerse Am Sonntag, Boerse Online, Boerse-am-sonntag, Divvydiary, Justetf, Extraetf, Ig, Gs, Parqet

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