Finance & Freedom Wero gegen PayPal: 669 Mio. Euro für 14 Prozent Reichweite

Wero gegen PayPal: 669 Mio. Euro für 14 Prozent Reichweite

Zwei Jahre, 669 Mio. Euro Kapital, ein PayPal-Killer, den kaum jemand nutzt: Wero kämpft gegen Bekanntheitsprobleme und eigene Ambition.

KI-unterstützt · redaktionell geprüft

Europas Banken wollten mit Wero einen eigenen Champion gegen PayPal, Visa und Mastercard aufbauen. Zwei Jahre nach dem Start kennt nur gut jeder Dritte den Namen und weiß, was sich dahinter verbirgt.

Für ein Projekt mit fünf Länder-Gesellschaftern und dreistelligem Millionenbudget ist das ein mageres Ergebnis.

Die Zahlen zeigen ein Bekanntheitsproblem, kein Wachstumswunder

Laut einer repräsentativen Verivox-Umfrage unter 1002 Personen können nur 39 Prozent korrekt zuordnen, dass Wero ein Zahlungsdienst ist. 31 Prozent haben noch nie davon gehört, so heise online. 23 Prozent kennen den Namen zwar, wissen aber nicht, was sich dahinter verbirgt. Der Rest verwechselt Wero mit einer App zum Handeln von Währungen, einer Geldanlage-App, einer Kreditkarte aus Holz oder einem Legitimierungsdienst. Diese Verwechslungen zeigen, dass selbst dort, wo der Name hängen geblieben ist, kein klares Bild des Produkts entstanden ist. Vor einem Jahr lag die Bekanntheit bei rund 30 Prozent, der Zuwachs bleibt trotz wachsender Werbekampagne überschaubar.

Bezeichnend ist zudem, dass selbst unter jenen, denen Wero ein Begriff ist, laut heise online 65 Prozent noch keinerlei Berührungspunkte mit dem Dienst hatten. Bekanntheit und tatsächliche Nutzung klaffen also doppelt auseinander: erst zwischen Befragten insgesamt und jenen, die den Namen kennen, dann noch einmal zwischen Kennern und tatsächlichen Nutzer:innen. Bei der Nutzung sieht es noch dünner aus: Nur bei 14 Prozent aller Befragten ist das Girokonto überhaupt für Wero freigeschaltet, aktiv genutzt hat den Dienst gerade einmal knapp jeder Vierzehnte. Vor einem Jahr waren es vier Prozent, die Steigerung ist damit relativ hoch, das absolute Niveau bleibt jedoch niedrig.

EPI meldet Millionen-Nutzerzahlen, doch der Vergleich zeigt die Kluft zu PayPal

Die European Payments Initiative (EPI), Trägerin von Wero und getragen von Banken wie Sparkassen, Volksbanken und Deutscher Bank, gibt nach eigenen Angaben 57 Millionen registrierte Nutzer:innen in Europa an, davon neun Millionen in Deutschland, wie t3n berichtet. PayPal kommt allein hierzulande auf 35 Millionen aktive Kundenkonten. Registrierung ist nicht gleich Nutzung, entsprechend groß bleibt die reale Distanz zwischen beiden Diensten. Wero startete 2024 mit Handy-zu-Handy-Zahlungen, seit November 2025 funktioniert auch Online-Bezahlen, an der Ladenkasse soll es im Laufe des Jahres losgehen.

Erste Händler wie Lidl, Decathlon, Eventim und Rossmann sind an Bord, von flächendeckender Akzeptanz ist aber keine Rede. Das klassische Henne-Ei-Problem: Händler zögern bei geringer Kundenzahl, Kundschaft bleibt aus, solange der Dienst nicht überall nutzbar ist. Dass Lidl und Decathlon erst nach dem Befragungszeitraum als größere Online-Shops dazukamen, zeigt zugleich, dass sich die Akzeptanzseite gerade erst in Bewegung setzt, während die Umfragezahlen diesen jüngsten Schritt noch gar nicht abbilden können.

Finanziell hängt Wero am Tropf seiner Bankeneigner

Die Geschäftszahlen zeigen ein Unternehmen, das noch weit von Selbstständigkeit entfernt ist. Die Erträge stiegen 2025 von 14,5 auf 35,1 Mio. Euro, stammen aber fast ausschließlich von Banken und Zahlungsdienstleistern, nicht von Endkund:innen. Der Jahresverlust sank zwar auf 71,4 Mio. Euro nach 119,1 Mio. Euro im Vorjahr, bleibt aber beträchtlich.

Seit der Gründung haben die EPI-Eigner rund 668,9 Mio. Euro investiert, davon 215 Mio. Euro im Dezember 2025. Die liquiden Mittel stiegen dadurch auf 320,5 Mio. Euro. Verivox-Geschäftsführer Oliver Maier ordnet die bisherige Entwicklung ein: „Wichtige Achtungserfolge, aber von einer flächendeckenden Akzeptanz ist Wero immer noch sehr weit entfernt“, so Maier laut heise online. Die Verantwortlichen müssten nun Tempo machen, so Maier weiter. Der Befund passt zum Muster der Umfrage: Wachstum ist messbar, bleibt aber auf niedrigem Niveau, während der Kapitalbedarf im dreistelligen Millionenbereich verharrt. Für ein Konsortium aus etablierten Banken ist das finanziell tragbar, verändert aber nichts an der Grundfrage, ob sich das Nutzungsverhalten von Millionen Menschen tatsächlich verschieben lässt, solange PayPal, Visa und Mastercard im Alltag präsenter bleiben.

Business Punk Check

Belegt ist: Wero hat ein handfestes Bekanntheits- und Nutzungsproblem, das keine Werbekampagne bislang gelöst hat. Belegt ist auch die finanzielle Abhängigkeit von den Bankeneignern, die seit Gründung fast 669 Mio. Euro nachgeschossen haben, zuletzt 215 Mio. Euro auf einen Schlag.

PR-Sprech beginnt bei der Erzählung vom europäischen Gegengewicht zu US-Playern: Aktuell läuft Wero nur in drei Ländern vollständig, während PayPal in Deutschland allein mehr als dreimal so viele aktive Konten zählt wie Wero europaweit registrierte Nutzer:innen hat. Unklar bleibt, ob die Abhängigkeit von AWS als Cloud-Infrastruktur, die die EPI selbst als geopolitisches Risiko benennt, langfristig zum Problem wird.

Für Entscheider in Handel und Finanzwesen zählt vor allem eines: Wero bleibt ein Langstreckenprojekt mit Kapitalbedarf, kein Selbstläufer. Wer früh integriert, wettet auf europäische Regulierung und Bankenmacht statt auf kurzfristige Kundennachfrage.

Auf einen Blick

  • Nur 39 Prozent der Befragten wissen laut Verivox-Umfrage korrekt, dass Wero ein Zahlungsdienst ist, 31 Prozent kennen den Namen gar nicht.
  • Lediglich 14 Prozent haben ihr Girokonto für Wero freigeschaltet, aktiv genutzt hat den Dienst nur gut jeder Vierzehnte der Befragten.
  • Die EPI gibt 57 Millionen registrierte Nutzer:innen in Europa an, während PayPal allein in Deutschland auf 35 Millionen aktive Kundenkonten kommt.
  • Die Bankeneigner haben seit Gründung rund 669 Mio. Euro in Wero gesteckt, zuletzt 215 Mio. Euro im Dezember 2025, bei einem Jahresverlust von 71,4 Mio. Euro.

Quellen: Golem, Heise, T3N

Das könnte dich auch interessieren