She'sPunk · party like a punk

„Frauen, die finanziell frei sind, haben besseren Sex“

„Frauen, die finanziell frei sind, haben besseren Sex“
Foto: Marcus Witt
Erschienen
Lesezeit3 Min · 677 Wörter

Geld und Sex haben mehr miteinander zu tun, als wir gerne zugeben. Mirna Funk argumentiert: Erst wirtschaftliche Unabhängigkeit schafft die Freiheit, wirklich zu wollen – im Leben wie im Bett. Warum das eigene Konto damit auch eine ziemlich intime Angelegenheit ist.

Text: Mirna Funk

Meinung? Stark! Die in Ost-Berlin geborene Schriftstellerin und Journalistin Mirna Funk (aktuelles Buch: „Balagan“, dtv, 25 €) ist für ihre kontroversen und viel diskutierten Ansichten bekannt. Unter anderem findet sie: Frauen sind für sich selbst verantwortlich. Ob im Bett oder beim Bankkonto.

Über Geld spricht man nicht, über Sex auch nicht.

Wer oben sagt, was er verdient, gilt als protzig; wer oben sagt, was er will, als übergriffig. Beides wirkt gierig, unfein, zu sehr gewollt. Dabei stammt beides aus derselben Quelle. Den Namen dafür hat Sigmund Freud geprägt, der Begründer der Psychoanalyse: Libido, die Energie des Sexualtriebs. Aber Freud dachte diese Energie nie nur als Bettthema. Sie lässt sich verschieben, umlenken, sublimieren – aus dem Begehren wird Arbeit, wird Kunst, wird Schöpfung. Kulturelle Leistung war für ihn im Grunde umgeleitete Triebkraft. Sein Schüler C. G. Jung ging dann noch weiter und löste die Libido ganz vom Sexuellen: Für ihn war sie von vornherein Lebensenergie überhaupt, von der das Begehren nur eine Erscheinungsform ist – dieselbe Kraft, die mal als Lust, mal als Schadensdrang, mal als schierer Wille zum Handeln auftritt. Sex, Arbeit, Geldverdienen, das „In-die-Welt-Greifen“: ein einziger Strom, der sich verzweigt, aber aus einer Quelle kommt. Diese Kraft hat eine Bedingung: Freiheit. Sie fließt nur dort, wo man auch anders könnte. Wo ein Nein möglich ist, damit das Ja überhaupt eines ist. Seit zwölf Jahren schreibe ich über genau diese Kraft. Ich schreibe über Sex und ich schreibe über finanzielle Unabhängigkeit, die sich aus dem Schaffen selbst ergibt. Denn eine Frau, die bleiben muss, weil sie sich das Gehen nicht leisten kann, kann nicht frei wollen. Ihr Ja ist nie ganz ein Ja – es trägt immer einen Rest Versorgung in sich, ein bisschen Strategie, ein bisschen Beschwichtigung. Sex wird dann, meist unbemerkt, zur Währung. Man zahlt mit dem Körper für ein Dach, für Ruhe, für das Ausbleiben des Streits. Das ist keine Lust. Das ist Buchhaltung.

Geringer Kontostand, geringe Lebenskraft

Und die Buchhaltung greift weiter, als man denkt. Wer sich ökonomisch klein macht, um versorgt zu werden, drosselt nicht nur das Konto. Er drosselt die Lebenskraft im Ganzen – erst den Handlungsspielraum, dann das Begehren, dann irgendwann die Fähigkeit, überhaupt noch etwas für sich zu wollen. Abhängigkeit ist ein langsames Austrocknen. Man merkt es zuerst nicht am Sex. Man merkt es an dem dumpfen Gefühl, das eigene Leben nur noch zu verwalten, statt es zu führen. Freiheitlich zu führen. Eigenwillig zu gestalten. Aktiv zu bewohnen. Hier fängt für mich die wirkliche Emanzipation an, und zwar nicht die Klage an das Patriarchat. Denn ich habe wenig übrig für einen Feminismus, der Frauen vor allem als Opfer der Verhältnisse beschreibt und ihnen damit noch die letzte Handlungsmacht abspricht. Die interessantere Frage ist deshalb nicht, was mit uns gemacht wurde oder wird, sondern was wir mit uns machen oder machen lassen. Denn wir kommen als Subjekte zur Welt. Ein Subjekt will, entscheidet, handelt. Ein Objekt wird gewollt, wird versorgt, wird verwaltet. Wer sich aushalten lässt, lässt über sich verfügen. Ökonomische Abhängigkeit ist das freiwillige Aufgeben der von Geburt an mitgegebenen Subjekthaftigkeit. Ein Objekt kann keinen Sex haben. Über ein Objekt kann man nur sexuell verfügen. Das eigene Begehren hat dort keinen Platz. Aber eine Frau, die weiß, was sie verdienen will, die weiß auch, was sie im Bett will, und nimmt es sich. Es ist dieselbe Bewegung, derselbe Muskel, dieselbe Haltung. Beides heißt: Ich gehöre mir. Ich lasse mich nicht verwalten, nicht aushalten, nicht kaufen, nicht benutzen. Das ist keine Frage der Reihenfolge – erst das Konto, dann der Orgasmus, oder umgekehrt. Es ist eine Frage der Haltung, die das eigene Leben definiert.

Business Punk