Green & Generation 67 Cent Strom: Warum Deutschlands Gasstrategie zum Milliardengrab wird

67 Cent Strom: Warum Deutschlands Gasstrategie zum Milliardengrab wird

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) setzt auf Gaskraftwerke. Eine neue Studie rechnet vor: Strom aus Erdgas kostet bis zu 67 Cent pro Kilowattstunde – siebenmal teurer als erneuerbare Energie.

Berlin plant den Ausbau von Gaskraftwerken als Rückgrat der Energiewende. Doch eine neue Analyse des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) entlarvt diese Strategie als Milliardengrab.

Die wahren Kosten für Gasstrom liegen bei bis zu 67 Cent pro Kilowattstunde – wenn man ehrlich rechnet. Zum Vergleich: Wind- und Solarstrom kosten unter 10 Cent. Während Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) auf fossile Brennstoffe setzt, zeigen die Zahlen eine unbequeme Wahrheit: Deutschland macht sich abhängig von volatilen Märkten und verschleiert die tatsächlichen Kosten.

Die versteckten Milliarden

Die Bundesregierung plant zunächst 10 Gigawatt neue Gaskraftwerksleistung. Förderbedarf laut t-online.de: 6,6 Milliarden Euro. Doch das ist nur der Anfang. Die FÖS-Studie rechnet die sogenannten „gesamtgesellschaftlichen Kosten“ ein – Klimaschäden, Subventionen für Gasspeicher und LNG-Terminals, Steuerbefreiungen bei der Stromerzeugung. Ein einzelnes 500-Megawatt-Kraftwerk verursacht bis 2045 Millionen Tonnen CO₂ und Klimaschäden von bis zu 7 Milliarden Euro. Diese Kosten tauchen in keiner offiziellen Rechnung auf, zahlen aber alle.

Geopolitisches Roulette

Der Iran-Konflikt führt gerade vor, wie schnell Gaspreise explodieren können. Innerhalb weniger Tage verdoppelte sich der europäische Gaspreis von 32 auf 65 Euro pro Megawattstunde. In Krisenzeiten schnellen die Stromgestehungskosten auf bis zu 53 Cent pro Kilowattstunde – ohne Klimakosten.

Deutschland importiert 95 Prozent seines Erdgases und liefert sich damit geopolitischen Schocks aus. Jeder Konflikt im Nahen Osten oder Zentralasien treibt die Preise nach oben. Wer auf Gas setzt, spielt russisches Roulette mit der Energieversorgung.

Die Alternative liegt auf dem Tisch

Speichertechnologien, Bioenergie und grüner Wasserstoff können Versorgungssicherheit zu vergleichbaren oder niedrigeren Kosten garantieren – ohne Preisschocks. Wind- und Solarstrom kosten selbst unter ungünstigen Bedingungen maximal 10 Cent pro Kilowattstunde.

Die FÖS-Analyse zeigt: Erneuerbare Backup-Optionen sind nicht nur klimafreundlicher, sondern auch wirtschaftlich überlegen. Trotzdem hält die Bundesregierung an ihrer einseitigen Gas-Strategie fest. Florian Zerzawy vom FÖS bringt es auf den Punkt: Erdgas wird in Deutschland bereits massiv subventioniert, von Gasspeichern bis zu Steuervorteilen. Diese Förderung verzerrt den Wettbewerb zulasten erneuerbarer Alternativen.

Business Punk Check

Berlins Gaskraftwerk-Strategie ist wirtschaftspolitischer Selbstbetrug. Die offiziellen Stromgestehungskosten von 23 bis 28 Cent verschleiern die wahren Belastungen. Wer Klimaschäden, Subventionen und Krisenrisiken einrechnet, landet bei 67 Cent – siebenmal teurer als Ökostrom. Doch statt technologieoffene Ausschreibungen zu starten, pumpt die Regierung 6,6 Milliarden in fossile Infrastruktur. Das ist keine Energiepolitik, sondern Lobbying für die Gasindustrie.

Für Unternehmen bedeutet das: Wer langfristig auf Gasstrom setzt, kalkuliert mit Phantasiepreisen. Jeder geopolitische Konflikt kann die Kosten verdoppeln. Smart ist, wer jetzt in eigene erneuerbare Kapazitäten investiert – Speicher, Photovoltaik, Lastmanagement. Die Technologie ist da, die Kosten sind transparent, die Risiken kalkulierbar. Gaskraftwerke sind das Gegenteil: teuer, abhängig, klimaschädlich. Deutschland braucht keine fossile Brückentechnologie mehr, sondern den Mut, die Brücke abzureißen.

Häufig gestellte Fragen

Warum sind Gaskraftwerke so viel teurer als offiziell angegeben?

Die offiziellen Stromgestehungskosten von 23 bis 28 Cent pro Kilowattstunde berücksichtigen nur Bau, Betrieb und Brennstoff. Die FÖS-Studie rechnet zusätzlich Klimaschäden durch CO₂- und Methanemissionen, staatliche Subventionen für Gasspeicher und LNG-Terminals sowie Krisenkosten durch geopolitische Konflikte ein. Diese versteckten Belastungen treiben die Gesamtkosten auf bis zu 67 Cent pro Kilowattstunde.

Welche Branchen leiden am meisten unter volatilen Gaspreisen?

Energieintensive Industrien wie Chemie, Stahl und Aluminium sind besonders betroffen. Der Iran-Konflikt verdoppelte die Gaspreise binnen Tagen. Unternehmen mit langfristigen Gasverträgen oder eigener erneuerbarer Stromerzeugung haben einen massiven Wettbewerbsvorteil. Wer auf Gasstrom angewiesen ist, muss mit Kostenschocks rechnen, die sich nicht absichern lassen.

Sind erneuerbare Backup-Optionen wirklich günstiger als Gaskraftwerke?

Ja. Speichertechnologien, Bioenergie und grüner Wasserstoff können Versorgungssicherheit zu vergleichbaren oder niedrigeren Kosten garantieren – ohne Preisrisiken durch geopolitische Krisen. Wind- und Solarstrom kosten maximal 10 Cent pro Kilowattstunde. Kombiniert mit Speichern und Lastmanagement sind sie die wirtschaftlich überlegene Lösung. Die Technologie ist marktreif, nur die Politik hängt noch an fossilen Strukturen.

Wie sollten sich Unternehmen auf die Energiewende vorbereiten?

Investitionen in eigene Photovoltaik-Anlagen, Batteriespeicher und Lastmanagement zahlen sich aus. Wer seine Stromkosten von volatilen Gasmärkten abkoppelt, gewinnt Planungssicherheit und Wettbewerbsvorteile. Langfristige Stromverträge mit festen Preisen aus erneuerbaren Quellen sind die bessere Alternative zu Gasstrom. Unternehmen, die jetzt handeln, sind krisenfester als die Konkurrenz.

Was bedeutet die Gaskraftwerk-Strategie für die Klimaziele?

Ein einzelnes 500-Megawatt-Gaskraftwerk verursacht bis 2045 Millionen Tonnen CO₂ und Klimaschäden von bis zu 7 Milliarden Euro. Deutschland importiert 95 Prozent seines Erdgases – die Emissionen bei Förderung und Transport tauchen nicht in der nationalen Klimabilanz auf. Je nach Herkunft ist Erdgas klimaschädlicher als Kohle. Wer auf Gaskraftwerke setzt, verfehlt die Klimaneutralität.

Quellen: T Online, Pv Magazine, Financial Times

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