Green & Generation Blauer Engel für Software: Grüner Stempel oder Tech-Revolution?

Blauer Engel für Software: Grüner Stempel oder Tech-Revolution?

Der Blaue Engel zertifiziert jetzt Software. Anita Schüttler erklärt, warum das Umweltlabel mehr ist als Greenwashing – und welche Hürden Unternehmen bei der Zertifizierung wirklich erwarten.

Vom Klopapier zum Code: Das Umweltzeichen Blauer Engel, das seit Jahrzehnten auf Papierprodukten klebt, hat einen neuen Anwendungsbereich entdeckt – Software. Was zunächst absurd klingt, macht bei näherem Hinsehen durchaus Sinn: Digitale Produkte verbrauchen Energie, belasten Server und treiben Hardwarezyklen an.

Die Frage ist nur, ob ein grünes Siegel wirklich etwas an der Ressourcenverschwendung der IT-Industrie ändert.

Was macht Software nachhaltig?

Der Blaue Engel für Software bewertet nicht nur den Energieverbrauch einer Anwendung, sondern prüft ein ganzes Bündel an Kriterien. Ressourceneffizienz steht dabei im Mittelpunkt: Wie viel Rechenleistung frisst die Software? Wie lange bleibt sie auf älterer Hardware lauffähig? Wie transparent kommuniziert der Hersteller über Systemanforderungen und Updates?

Anita Schüttler, Head of IT Sustainability bei neuland Bremen und Auditorin für den Blauen Engel, hat ihre eigene Software durch den Zertifizierungsprozess gebracht – und berichtet in einem Beitrag auf heise von durchaus handfesten Herausforderungen. Die Kriterien gehen über bloße Effizienz hinaus: Auch Langlebigkeit und Nutzerautonomie spielen eine Rolle. Software, die nach zwei Jahren künstlich veraltet oder neue Hardware erzwingt, fällt durch. Das Siegel soll bewussten Konsum fördern – nicht nur bei Endverbrauchern, sondern vor allem in Unternehmen, die ihre IT-Infrastruktur klimafreundlicher aufstellen wollen.

Aufwand und Marketing-Hebel

Der Weg zum Blauen Engel ist kein Spaziergang. Schüttler spricht im Interview offen über Kosten und zeitlichen Aufwand des Zertifizierungsprozesses. Doch das Investment zahle sich aus: Das Umweltzeichen bringe echte Marketingvorteile, gerade bei Ausschreibungen und im B2B-Bereich.

Unternehmen, die Nachhaltigkeit ernst nehmen, bekommen mit dem Siegel einen messbaren Nachweis – kein Greenwashing-Statement, sondern eine unabhängige Prüfung durch das Umweltbundesamt. Die größte Hürde: Viele Softwarehersteller haben überhaupt keine Transparenz über den Ressourcenverbrauch ihrer Produkte. Wer den Blauen Engel anstrebt, muss erst einmal Daten erheben – und das bedeutet: Messinfrastruktur aufbauen, Prozesse dokumentieren, blinde Flecken aufdecken.

Business Punk Check

Ist der Blaue Engel für Software ein echter Gamechanger oder nur PR-Kosmetik? Die Wahrheit liegt dazwischen. Ja, das Siegel schafft Transparenz in einem Bereich, der bisher völlig unkontrolliert vor sich hin ressourcenfrisst. Und ja, erste Unternehmen nutzen es als Differenzierungsmerkmal. Aber: Solange die großen Player – Microsoft, Google, Meta – nicht mitspielen, bleibt es ein Nischenprojekt für mittelständische Softwarehäuser.

Die eigentliche Frage: Wer kontrolliert, ob zertifizierte Software nach Updates noch die Kriterien erfüllt? Und wie viele Käufer interessiert das Siegel überhaupt? Nachhaltigkeit ist ein Buzzword – aber zahlt jemand dafür mehr? Für IT-Entscheider könnte der Blaue Engel dennoch zum Faktor werden: Bei öffentlichen Ausschreibungen wird Nachhaltigkeit zunehmend zur Pflicht. Wer dann vorweisen kann, hat einen klaren Vorteil. Unterm Strich: Besser als nichts – aber kein Selbstläufer.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Blaue Engel für Software?

Der Blaue Engel ist ein deutsches Umweltsiegel, das nun auch Software zertifiziert. Geprüft werden Ressourceneffizienz, Energieverbrauch, Langlebigkeit und Transparenz. Das Siegel vergibt das Umweltbundesamt nach unabhängiger Prüfung.

Welche Kriterien muss Software erfüllen?

Software muss ressourcenschonend arbeiten, auf älterer Hardware lauffähig bleiben und transparent über Systemanforderungen informieren. Künstliche Obsoleszenz und erzwungene Hardware-Upgrades führen zur Ablehnung.

Lohnt sich die Zertifizierung für Unternehmen?

Die Zertifizierung erfordert Zeit und Investitionen, bringt aber Marketingvorteile – besonders bei öffentlichen Ausschreibungen und im B2B-Bereich. Unternehmen können Nachhaltigkeit messbar nachweisen statt nur zu behaupten.

Welche Software ist bereits zertifiziert?

Konkrete Namen zertifizierter Anwendungen wurden im Interview nicht genannt. Expertin Anita Schüttler berichtet jedoch, dass ihre eigene Software den Prozess durchlaufen hat und erste Unternehmen das Siegel nutzen.

Quellen: heise, blauer-engel.de

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