Green & Generation Peter Thiel setzt 140 Millionen Dollar auf autonome KI-Kraftwerke im Ozean

Peter Thiel setzt 140 Millionen Dollar auf autonome KI-Kraftwerke im Ozean

Der Palantir-Gründer investiert 140 Millionen Dollar in schwimmende KI-Rechenzentren, die sich aus Wellenenergie speisen. Panthalassa will tausende autonome Knoten auf dem Pazifik stationieren.

Peter Thiel macht wieder Schlagzeilen – aber diesmal nicht mit Rohstoff-Deals in Grönland, sondern mit schwimmenden Kraftwerken auf dem Ozean. Der Palantir-Mitgründer führt eine Finanzierungsrunde über 140 Millionen Dollar für Panthalassa an, ein Startup aus Portland, das KI-Rechenzentren mitten auf dem Meer betreiben will. Die Energiequelle: Meereswellen. Das Silicon Valley hat bereits 210 Millionen Dollar in die Vision gepumpt.

Die Idee klingt nach Science-Fiction, ist aber technisch durchdacht. Panthalassa baut schwimmende Stahlkugeln mit 50 Metern Durchmesser, die über ein 60 bis 85 Meter langes Rohr mit einem Unterwasserrahmen verbunden sind. Wenn Wellen die Konstruktion bewegen, treibt Meerwasser durch das Rohr nach oben in ein Druckreservoir, wo Hochdruckstrahlen interne Turbinen antreiben. Ein geschlossener Hydraulikkreislauf, der rund um die Uhr läuft – mit einem Kapazitätsfaktor von bis zu 90 Prozent.

Rechenzentren, die der Ozean kühlt

Die KI-Chips sitzen direkt an Bord der schwimmenden Plattformen. Das umgebende Meerwasser übernimmt die Kühlung – ein enormer Vorteil gegenüber landgestützten Rechenzentren, die Unmengen an Strom und Süßwasser für Klimaanlagen verbrauchen. Die Ergebnisse der Berechnungen werden per Satellit an Land übertragen. Welche Chiparchitektur oder konkrete Rechenkapazität pro Knoten erreicht wird, verschweigt Panthalassa bislang.

Benjamin Lee, Computerarchitekt an der University of Pennsylvania, beschreibt den Ansatz als Verwandlung eines Energieübertragungsproblems in ein Datenübertragungsproblem. Allerdings bedeutet die Satellitenanbindung auch Einschränkungen: Hunderte Megabit pro Sekunde sind für Echtzeit-Antworten machbar, doch die Koordination mehrerer Knoten und größere Datenmengen bleiben eine Herausforderung. Physischer Transport von Speichermedien per Schiff wäre wohl nötig.

Prototypen seit 2021, kommerzieller Start 2027

Panthalassa hat bereits mehrere Prototypen getestet: Ocean-1 im Jahr 2021 und Ocean-2 in einem dreiwöchigen Seetest vor der Küste Washingtons im Februar 2024. Der Ocean-3-Prototyp erreicht eine Länge von etwa 85 Metern – vergleichbar mit dem Londoner Big Ben – und soll noch 2026 im nördlichen Pazifik eingesetzt werden. CEO Garth Sheldon-Coulson hofft auf den Einsatz tausender solcher Knoten, die mehr als ein Jahrzehnt wartungsfrei unter härtesten Meeresbedingungen laufen sollen.

Die Finanzierung soll eine Pilotproduktionsanlage nahe Portland fertigstellen und den Einsatz der Ocean-3-Serie beschleunigen. Zu den weiteren Geldgebern gehören John Doerr, Marc Benioffs TIME Ventures, Max Levchins SciFi VC sowie der Server-Hersteller Super Micro Computer. Das Timing ist kein Zufall: US-Tech-Unternehmen planen 2026 insgesamt rund 725 Milliarden Dollar für den Bau von KI-Rechenzentren auszugeben, wie It Boltwise berichtet.

Wettlauf um Energie für den KI-Boom

Der Strombedarf amerikanischer Rechenzentren könnte von derzeit 40 Gigawatt auf 106 Gigawatt bis 2035 steigen. Lokale Gemeinden wehren sich gegen Neubauten, Stromnetze stoßen an ihre Grenzen. Panthalassas Ansatz reiht sich in eine wachsende Liste unkonventioneller Lösungen ein: Meta will Rechenzentren mit Solarstrom aus dem All versorgen – das Startup Overview Energy soll dafür Satelliten im geostationären Orbit positionieren, die Nahinfrarot-Licht zur Erde strahlen. Meta hat bereits 1 Gigawatt Kapazität reserviert.

Andere Unternehmen setzen auf Geothermie als Energiequelle – neue Bohrtechniken aus dem Fracking erschließen Erdwärme auch abseits vulkanischer Gebiete. Chinesische Firmen bauen Unterwasser-Rechenzentren vor Hainan und Shanghai, während das Unternehmen Keppel ein schwimmendes Rechenzentrum für Singapur errichtet. Panthalassa hebt sich durch die Nutzung von Wellenenergie ab – eine Ressource, die bislang kaum kommerziell genutzt wird.

Business Punk Check

Thiels Investment in Ozean-Rechenzentren klingt spektakulär, aber die Realität ist komplexer. Panthalassa verspricht wartungsfreien Betrieb über ein Jahrzehnt unter härtesten Bedingungen – doch konkrete Ausfallraten der Prototypen bleiben geheim. Microsoft testete von 2015 bis 2020 versiegelte Unterwasser-Rechenzentren mit niedrigeren Ausfallraten als an Land, entschied sich aber gegen eine Kommerzialisierung. Die Kosten und logistischen Herausforderungen waren zu hoch. Die Satellitenanbindung ist ein weiterer Knackpunkt.

Hunderte Megabit pro Sekunde reichen für einfache Inferenz-Aufgaben, aber nicht für Training großer Modelle oder Echtzeit-Koordination mehrerer Knoten. Physischer Datentransport per Schiff widerspricht der Idee eines autonomen Systems. Und während Panthalassa von 90 Prozent Kapazitätsfaktor spricht, fehlen unabhängige Validierungen. Die Frage bleibt: Ist das echte Innovation oder Tech-Hype mit Milliarden-Preisschild? Der Ocean-3-Test 2026 wird zeigen, ob Thiels Wette aufgeht – oder ob schwimmende Rechenzentren das gleiche Schicksal erleiden wie Microsofts Unterwasser-Experiment.

Häufig gestellte Fragen

Wie funktionieren schwimmende Rechenzentren mit Wellenenergie?

Panthalassas System nutzt schwimmende Stahlkugeln mit 50 Metern Durchmesser, die über ein vertikales Rohr mit einem Unterwasserrahmen verbunden sind. Wellenbewegungen treiben Meerwasser durch das Rohr in ein Druckreservoir, wo Hochdruckstrahlen interne Turbinen antreiben. Der geschlossene Hydraulikkreislauf erzeugt kontinuierlich Strom mit einem Kapazitätsfaktor von bis zu 90 Prozent. Die KI-Chips werden direkt an Bord betrieben, das Meerwasser übernimmt die Kühlung.

Welche Einschränkungen haben Ozean-Rechenzentren?

Die Satellitenanbindung limitiert die Datenübertragung auf hunderte Megabit pro Sekunde – ausreichend für einfache Inferenz-Aufgaben, aber nicht für Training großer KI-Modelle oder Echtzeit-Koordination mehrerer Knoten. Physischer Transport von Speichermedien per Schiff wäre in regelmäßigen Abständen nötig. Zudem fehlen unabhängige Validierungen der versprochenen Ausfallraten und des wartungsfreien Betriebs über ein Jahrzehnt.

Warum investiert Peter Thiel in schwimmende Kraftwerke?

Der Strombedarf amerikanischer Rechenzentren könnte bis 2035 von 40 auf 106 Gigawatt steigen. Lokale Gemeinden wehren sich gegen Neubauten, Stromnetze stoßen an ihre Grenzen. Panthalassas Ansatz umgeht diese Probleme durch Offshore-Standorte mit kostenloser Kühlung und erneuerbarer Energie. US-Tech-Unternehmen planen 2026 rund 725 Milliarden Dollar für KI-Rechenzentren auszugeben – ein Markt, den Thiel nicht verpassen will.

Ist Wellenenergie für KI-Rechenzentren praxistauglich?

Microsoft testete von 2015 bis 2020 Unterwasser-Rechenzentren mit niedrigeren Ausfallraten als an Land, entschied sich aber gegen eine Kommerzialisierung wegen zu hoher Kosten und logistischer Herausforderungen. Panthalassa verspricht wartungsfreien Betrieb, aber konkrete Ausfallraten der Prototypen bleiben geheim. Der Ocean-3-Test 2026 im nördlichen Pazifik wird zeigen, ob die Technologie kommerziell skalierbar ist oder ob sie das gleiche Schicksal wie Microsofts Experiment erleidet.

Welche Alternativen zu Ozean-Rechenzentren gibt es?

Meta setzt auf Solarstrom aus dem All – das Startup Overview Energy soll Satelliten im geostationären Orbit positionieren, die Nahinfrarot-Licht zur Erde strahlen. Meta hat bereits 1 Gigawatt Kapazität reserviert. Andere Unternehmen nutzen Geothermie mit neuen Bohrtechniken aus dem Fracking, die Erdwärme auch abseits vulkanischer Gebiete erschließen. Chinesische Firmen bauen Unterwasser-Rechenzentren vor Hainan und Shanghai, während Keppel ein schwimmendes Rechenzentrum für Singapur errichtet.

Quellen: Derstandard, It Boltwise, Telepolis

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